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Forschungsskandal:Universität erstattet Anzeige nach Bluttest-PR

Blutspende

Röhrchen mit Blutproben.

(Foto: dpa)
  • Staatsanwaltschaft Heidelberg nimmt in der Affäre um Bluttest auf Brustkrebs Vorermittlungen auf.
  • Uniklinikum und Spin-Off Heiscreen hatten den Test trotz fehlender Daten als "Meilenstein" bezeichnet.
  • Finanzielle Verstrickungen von Ärzten, aber auch von Prominenten sollen den PR-Coup begünstigt haben.

In die Affäre um einen übertrieben angepriesenen Bluttest auf Brustkrebs hat sich nun auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg eingeschaltet. Die Uniklinik hatte am Donnerstag Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Hinsichtlich der Ankündigung, aber auch schon während der Entwicklung des umstrittenen Früherkennungstests habe es Ungereimtheiten gegeben, die auf ein "unlauteres Vorgehen" der beteiligten Wissenschaftler hinweisen. Die Staatsanwälte beginnen nun mit Vorermittlungen.

Der Bluttest war im Rahmen einer Konferenz im Februar von der Universität und ihrer Ausgründung Heiscreen als "Meilenstein" in der Früherkennung von Brustkrebs beworben worden. Die Bild-Zeitung pries den Test in einer Titelgeschichte als "Weltsensation" an. Tatsächlich werden sogenannte Liquid Biopsies, zu Deutsch flüssige Biopsien, also Bluttests für die Früherkennung zahlreicher Krebserkrankungen untersucht. Wie sich jedoch rasch zeigte, fehlt im Fall von Heiscreen eine wissenschaftliche Grundlage, von Fachleuten Evidenz genannt, um Effektivität und Nutzen des Tests überhaupt zu belegen. Es existieren keine publizierten Ergebnisse aus klinischen Studien zu dem Test, das kritisierten bereits zahlreiche Fachgesellschaften.

Beteiligte Forscher haben Interessenkonflikte

Zudem hat sich herausgestellt, dass Christof Sohn, der federführende Forscher von Heiscreen und zugleich Chef der Frauenklinik der Universitätsmedizin, finanziell an Heiscreen und einem chinesischen Partnerunternehmen beteiligt ist. Auch eine Oberärztin hat solche Interessenkonflikte. Und schließlich herrschen Zweifel daran, ob Sohn und sein Team den Test überhaupt selbst erfunden haben.

Ein Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft war vor drei Jahren zunächst an ein Team junger Wissenschaftler um die Chinesin Rongxi Yang gegangen, das den Test damals entwickelte. Die Forscher scheiterten laut einem Bericht des Spiegel jedoch an einer Ausgründung, weil eine zur Universität Heidelberg gehörende Beratungsfirma für Technologietransfers die Verhandlungen vorzeitig abbrach. Rongxi Yang kehrte daraufhin nach China zurück. Erst danach soll Christof Sohn die Federführung übernommen und die Ausgründung nun auch erfolgreich vorangetrieben haben.

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Unklar bleibt, welche Rolle prominente Geldgeber und der ehemalige Chefredakteur der Bild-Zeitung in der Affäre spielen. Der Spiegel spekuliert, Kai Diekmann habe die Geschichte persönlich vorangetrieben. Allerdings könne dies nicht ohne Wissen des Universitätsklinikums geschehen sein, das sich im März öffentlich für die Angelegenheit entschuldigte. Zudem beschloss die Einrichtung noch vor der Strafanzeige, den Fall nicht nur von einer internen, sondern zusätzlich von einer externen Expertenkommission untersuchen zu lassen. Die Kommission wird derzeit vom Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner, zusammengestellt.

Obwohl sich externe Kommission und Staatsanwaltschaft zunächst auf den Fall Heiscreen konzentrieren werden, haben Einblicke in den Fall auch Relevanz für den Umgang mit Forschungsergebnissen und deren Transfer in die Praxis im Allgemeinen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat mehrfach bekräftigt, den Technologietransfer und die damit verbundenen Ausgründungen insbesondere in der Krebsmedizin fördern zu wollen. Die Landesministerin für Wissenschaft in Baden-Württemberg, Theresia Bauer, äußerte unterdessen Kritik an der "Effekthascherei" von Heiscreen. "Überzogene Erwartungshaltungen schlagen in Enttäuschung um und schaden der Wissenschaft insgesamt.

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