MedizinDie Gürtelrose-Impfung könnte auch das Herz schützen

Lesezeit: 2 Min.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt grundsätzlich allen Menschen ab 60 Jahren die Impfung gegen Gürtelrose.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt grundsätzlich allen Menschen ab 60 Jahren die Impfung gegen Gürtelrose.
Christian Ohde/imago
  • Eine Studie zeigt, dass die Gürtelrose-Impfung Shingrix das Risiko für Herzkrankheiten um etwa zehn Prozent senken könnte.
  • Die Forscher verglichen über 70.000 US-Amerikaner, die entweder den neuen Shingrix-Impfstoff oder den älteren Lebendimpfstoff erhalten hatten.
  • Noch sind die genauen Wirkmechanismen unbekannt und die Ergebnisse müssen in klinischen Studien bestätigt werden.
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Seit Längerem weisen Studien darauf hin, dass das Vakzin Shingrix auch weitere Leiden verhindern könnte. Nun haben Forscher vergleichsweise stichhaltige Indizien gefunden.

Von Berit Uhlmann

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Eine tolle Sache wäre es ja, wenn sich diese Hoffnung bestätigen würde: dass die Impfung gegen die Gürtelrose nebenbei auch vor weiteren Alterskrankheiten schützen könnte. Tatsächlich gibt es seit einigen Jahren Hinweise, dass das Vakzin womöglich auch manche Fälle von Demenz und Herz-Kreislauf-Leiden verhindern oder zumindest verzögern könnte. Forschende aus Oxford fügen nun ein weiteres und relativ stichhaltiges Indiz hinzu.

Im Fachblatt Nature Medicine veröffentlichte das Team um die Neurowissenschaftlerin Fabiana Corsi-Zuelli eine Studie, wonach die Herzgesundheit von dem heute eingesetzten Vakzin namens Shingrix profitieren könnte. Konkret zeigte die Arbeit, dass Menschen, denen Shingrix verabreicht wurde, in den folgenden sieben Jahren um etwa zehn Prozent seltener Herzkrankheiten erlitten als Altersgenossen, die den älteren, heute nicht mehr eingesetzten Lebendimpfstoff erhielten. Dieses alte Vakzin hatte in vorangegangenen Studien keine Auswirkungen auf das Herz erkennen lassen und sei daher zum Vergleich herangezogen worden, erläuterten die Autoren auf einer Pressekonferenz des Science Media Centers in London.

Auch das Risiko für koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz sank nach den Shingrix-Injektionen um etwa zehn Prozent, verglichen mit der Immunisierung mit dem alten Vakzin. Das klingt nach wenig, würde sich aber allein in den USA binnen sieben Jahren auf Hunderttausende vermiedene Fälle summieren, schreiben die Autoren.

Offen ist, ob der Impfstoff auch einen Effekt auf Demenz hat

Dennoch sind die Effekte deutlich kleiner, als es vorangegangene Beobachtungsstudien hatten hoffen lassen. In ihnen waren potenzielle Schutzeffekte von etwa zwanzig bis dreißig Prozent ermittelt worden.  Diese Arbeiten waren allerdings anfälliger für Verzerrungen, denn sie verglichen Geimpfte und Ungeimpfte miteinander. Das ist insofern problematisch, als sich Geimpfte tendenziell auch in anderen Bereichen ihres Lebens gesundheitsbewusster verhalten. So lässt sich der Einfluss der Impfung schwer von dem anderer Faktoren trennen.

Das Team bezog daher nur die Daten von Geimpften in seine Studie ein. Sie alle hatten zwischen 2017 und 2018 entweder den alten oder den neuen, aussichtsreicheren Impfstoff erhalten. Anschließend verglichen die Forscher anhand der Patientenakten die Herzgesundheit in beiden Gruppen. Insgesamt flossen Daten von mehr als 70 000 US-Amerikanern in die Auswertung ein. Hugo Pedder, Statistiker an der Universität Bristol, der nicht an der Arbeit beteiligt war, bescheinigte ihr, eine der qualitativ besten zu diesem Thema zu sein. Dennoch bräuchte es klinische Studien, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Der Vergleich der beiden Impfstoffe kann womöglich auch einen Anhaltspunkt für die zugrunde liegenden Wirkmechanismen liefern. Shingrix enthält anders als sein Vorgänger einen Wirkverstärker. Denkbar ist etwa, dass er bestimmte Zellen des Immunsystems so beeinflusst, dass Entzündungsreaktionen seltener auftreten, und so das Herz schützt, erläuterten die Autoren auf der Pressekonferenz.

Noch aber ist vieles offen. So auch, ob Shingrix zusätzlich einen Effekt auf Demenz hat. Ein Teil des Oxforder Teams hatte 2024 mit demselben Ansatz wie in der aktuellen Studie gezeigt, dass mit Shingrix Geimpfte erst ein knappes halbes Jahr später an Demenz erkrankten als ihre Altersgenossen mit dem Vorgängerimpfstoff. Aber auch diese Ergebnisse müssten noch in klinischen Studien bestätigt werden, sagte Studienautor Maxime Taquet. Er riet, die Impfung auf jeden Fall in Anspruch zu nehmen. Allerdings in erster Linie, um sich vor den schmerzhaften Ausschlägen der Gürtelrose zu schützen.

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