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Gesundheit - Rostock:Wenige Einschränkungen für Obdachlose in Corona-Krise

Corona
In der Begegnungsstätte "Bahnsteig 1" der Volkssolidariät wird Mittagessen an Obdachlose ausgegeben. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

Rostock (dpa/mv) - Obdachlose in Mecklenburg-Vorpommern müssen anders als etwa in Hamburg in der Corona-Krise bisher keine großen Einschränkungen fürchten. In den größeren Städten des Landes sind die Unterkünfte für wohnungslose Menschen weiterhin geöffnet. Das teilten mehrere Städte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. In Rostock, Schwerin und Stralsund gelte in den Unterkünften allerdings ein Besuchsverbot. In Hamburg sind mehrere Einrichtungen für Obdachlose nur eingeschränkt nutzbar oder sogar geschlossen worden.

Die Wohnungslosenunterkunft sei normal in Betrieb, mit erhöhten Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, hieß es in Schwerin. Der Betreiber der Einrichtung habe die Bewohner aufgefordert, Kontakte untereinander zu vermeiden und Distanz zu halten.

Das Integrative Betreuungszentrum der Stadtmission in Rostock bietet 25 Männern und neun Frauen Platz. Dessen Leiter Hartwig Vogt sagte: "Wir haben in den Unterkünften für Wohnungslose auch ältere Menschen, die zum Teil krank sind. Die gehören natürlich zur Risikogruppe. Da wollen wir möglichst wenig Kontakte von außen haben." Es gebe Aushänge. Den Bewohnern der Unterkunft sowie den Nutzern des "Nachtasyls" stünden darüber hinaus auch Medien zur Verfügung, um die Nachrichten zu verfolgen.

Die Herberge für Obdachlose in Stralsund sei personell gut aufgestellt, um die untergebrachten Menschen auch in dieser Zeit zu unterstützen, sagte Stadtsprecher Peter Koslik. "Wohnungslose, die sich dort melden, werden mit Kleidung, einer kleinen Mahlzeit und einer warmen Dusche versorgt. Dabei werden die Bewohner der Obdachlosenunterkunft durch die Mitarbeiter fortlaufend zu den Infektionsrisiken aufgeklärt und diese halten sich vorbildlich an die Anweisungen und Hinweise."

Eine Sprecherin der Diakonie, die mehrere Einrichtungen für Wohnungslose in Mecklenburg-Vorpommern betreut, erklärte: "Alle Mitglieder unseres Landesverbandes werden täglich umfassend über die Maßnahmen hinsichtlich der Coronavirus-Pandemie informiert. Diese werden selbstverständlich auch in den Obdachlosenheimen umgesetzt, auch im Falle einer Quarantäne oder Infektion."

Im Rostocker Stadtzentrum betreibt die Volkssolidarität eine Ausgabe von Mittagessen an Wohnungslose. Wie eine Mitarbeiterin sagte, werden nur noch 20 Obdachlose gleichzeitig in den Raum gelassen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Sollten mehr Bedürftige kommen, sei es möglich, Essen mitzunehmen. Es gelte, Kontakte zu reduzieren.

Die Obdachlosenhilfe Rostock ist mit einem Campingfahrzeug in der Stadt unterwegs, um für wohnungslose Menschen da zu sein und Imbisse zu verteilen. Die Gespräche mit der zuständigen Sozialarbeiterin würden aber nicht wie früher im Fahrzeug, sondern nur im Freien geführt, sagte ein Mitarbeiter des Vereins: "Die Vorsichtsmaßnahmen, die momentan jeder befolgen sollte, halten wir natürlich auch ein."

Das Sozialministerium steht nach Angaben eines Sprechers im Rahmen der Corona-Krise im ständigen Austausch mit den Landkreisen und kreisfreien Städten sowie weiteren Akteuren. In einer "Task Force Pflege und Soziales" sei auch das Thema Umgang mit Wohnungslosenunterkünften besprochen worden. Dabei hätten die Kommunen signalisiert, dass sie in diesem Bereich bisher keine zusätzliche Unterstützung durch das Land benötigen.

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