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Gesundheit - Rostock:Viel Disziplin am ersten Osterferien-Wochenende

Corona
Menschenleer sind Promenade und Osteestrand an der Seebrücke. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

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Rostock (dpa/mv) - Es war ein herrliches Frühlingswochenende und zudem der offizielle Start in die Osterferien. Unter normalen Umständen wären Strände, Parks und andere Ausflugsziele rappelvoll gewesen. Die Gastronomie und die Hotellerie hätten das erste große Geschäft des Jahres verbuchen können. Doch es war ein Wochenende unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie: Die Strände und Promenaden Mecklenburg-Vorpommerns waren fast menschenleer.

Sehr zufrieden mit der Disziplin der Menschen zeigte sich die Polizei an beiden Tagen. Auf den Zufahrtsstraßen ins Land hinein ebenso wie zu den Haupt-Ausflugszielen an der Ostseeküste blieb es sehr ruhig. Im Westen des Landes gab es allerdings einige Zurückweisungen von Menschen in ihre Heimatbundesländer, die zu touristischen Zwecken nach Mecklenburg-Vorpommern kommen wollten.

Am Wochenende wurde an den Stränden im Amt Mönchgut-Granitz auf Rügen bei Göhren, Baabe und Sellin sogar eine Drohne, ein sogenannter Rettungscopter, der Feuerwehr zur Kontrolle der Einschränkungen im öffentlichen Leben eingesetzt. Die Drohne könne mit ihrer Wärmebildkamera auch Grillpartys erkennen.

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen ist in Mecklenburg-Vorpommern allerdings leicht gestiegen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock gab am Sonntag deren Zahl mit 528 an, das waren fünf mehr als am Samstag. 72 von ihnen mussten oder müssen noch in einer Klinik behandelt werden, 13 davon auf einer Intensivstation. Damit liegt die Zahl der Infizierten pro 100 000 Einwohner im Nordosten bei 32, in Bayern dagegen bei 185. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 111.

Allerdings gab es im Land ein sechstes Todesopfer im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. In einem Pflegeheim in Ahlbeck auf Usedom starb ein 92-jähriger Bewohner mit schweren Vorerkrankungen. Landesweit sind auch fünf Wohnanlagen für alte Menschen betroffen.

Die Beschränkungen zu Ostern treffen die Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hart. Nach Einschätzung des Geschäftsführers des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, hätten die Osterferien sicherlich zwei Millionen Übernachtungen gebracht. Die touristischen Unternehmen seien weiter dabei, einen Überlebensmodus zu finden.

Auch der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands in MV, Lars Schwarz, sieht seine Branche in einer bedrohlichen Lage: "Die schwächsten Betriebe trifft das am härtesten. Sie sind dringendst darauf angewiesen, dass das Geschäft nach den Wintermonaten stark anzieht." Schwarz selbst kennt kein Unternehmen in der Branche, das Kurzarbeit für sich ausschließen könne.

Viele Tourismusbetriebe, die durch die Krise in Existenznot geraten, wenden sich derzeit an das Wirtschaftsministerium. Laut Minister Harry Glawe (CDU) können Betroffene auf Hilfen aus dem Maßnahmenpaket für Unternehmen von rund 1,1 Milliarden Euro hoffen. Es beinhalte beispielsweise Liquiditätshilfen durch Darlehensprogramme, Bürgschaften sowie Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Experten befürchten wegen der Kontaktbeschränkungen unterdessen ein hohes Konfliktpotenzial in Familien. Aufgrund der Erfahrungen aus Asien oder Italien sei auch in Deutschland mit einem Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt zu rechnen, sagte Ulrike Bartel vom Rostocker Verein "Frauen helfen Frauen". In manchen Familien sei Gewalt das Ventil, den Stresspegel abzubauen. Es gelte nun, den Betroffenen zu signalisieren, "Ihr seid nicht alleine", sagte Bartel. Sie verwies auf die bundesweiten Hilfenummern von Gewalt gegen Frauen "08000 116110" oder für Kinder "116 111".

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