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Gesundheit - Neumünster:Pflegebevollmächtigter: Bis zu 200 000 Kräfte reaktivierbar

Deutschland
Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung und Staatssekretär. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Neumünster (dpa/lno) - Rund 120 000 bis 200 000 voll ausgebildete Pflegekräfte, die ihrem Beruf den Rücken gekehrt haben, könnten in Deutschland wiedergewonnen werden und damit den Pflegenotstand entschärfen. "Diese Ressource ist der Dreh- und Angelpunkt", sagte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, am Dienstag in Neumünster bei einem Pressegespräch der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. Rund 48 Prozent derjenigen, die nicht mehr in der Pflege arbeiteten, seien nach Umfragen grundsätzlich zu einer Rückkehr bereit.

Voraussetzung seien verlässliche Dienstpläne mit geringerer Belastung, angemessene Tariflöhne und mehr Personal. Entscheidend seien aber neue Strukturen in der Pflege, so dass in Teams alle Beteiligten - Ärzte, Pflegekräfte, Physio- oder Ergotherapeuten - effektiver zusammenarbeiteten. "Es muss derjenige machen, der es am besten kann", sagte Westerfellhaus. Als Negativbeispiel nannte er, dass eine dehydrierte Patientin für Infusionen für einige Tage ins Krankenhaus gekommen sei, dies aber eine Pflegefachkraft auch im Pflegeheim hätte machen können. Das Krankenhaus wiederum habe kritisiert, dass es diese Leistung nicht ersetzt bekomme.

"Pflege darf nicht dem Abrechnungssystem folgen, sondern den Bedürfnissen der Patienten", sagte Westerfellhaus. Auch Swante Gehring, Sprecher der Ärztegenossenschaft Nord und Vorstandsmitglied der Ärztekammer, sowie die Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, Patricia Drube, forderten, die bisherigen Sektorengrenzen in den verschiedenen Abrechnungssystemen aufzubrechen. Es sei nicht vermittelbar, dass eine Pflegekraft bei einem Fall fünf Minuten bei der Pflegeversicherung und zehn Minuten bei der Krankenkasse abrechnen müsse. Westerfellhaus und Gehring lobten die Gründung der Pflegeberufekammern wie in Schleswig-Holstein und anderen Ländern, um die dringend notwendige Kooperation von Ärzten und Pflege für neue Strukturen zu ermöglichen: "Die Pflege in Schleswig-Holstein hat eine Stimme bekommen."

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