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Gesundheit - Köln:Bei Verdacht auf Misshandlung: Experten beraten viele Ärzte

Deutschland
Sybille Banaschak, Leiterin des Kompetenzzentrums Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Köln (dpa/lnw) - Das Kompetenzzentrum Kinderschutz NRW hat im ersten Jahr seines Bestehens rund 400 Anfragen von Ärzten zum Thema Kindesmisshandlung erhalten. In fast 90 Prozent der Fälle habe sich der Verdacht der Ärzte bestätigt, dass einem Kind Gewalt angetan wurde, sagte die Leiterin des Zentrums, Prof. Sibylle Banaschak, der Deutschen Presse-Agentur. Die vom NRW-Gesundheitsministerium geförderte Einrichtung am Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln unterstützt Mediziner, Pfleger oder Therapeuten dabei, Anzeichen für Missbrauch und Misshandlung zu erkennen und Beweise zu sichern.

"Wenn Eltern für Knochenbrüche oder Hämatome am Körper ihres Kindes keine Erklärung haben, ist das oft ein typisches Signal", sagte Banaschak. "Aber wenn Ärzte den Verdacht haben, dass ein Kind misshandelt wurde, sind sie oft unsicher, was sie tun sollen." Vor allem wenn es sich um eher leichtere Verletzungen handele, fühlten sich viele Ärzte in einem Zwiespalt: "Wenn sie das Jugendamt einschalten, hat das erhebliche Konsequenzen für die Familie. Tun sie das nicht, wird dem Kind möglicherweise Schlimmeres angetan."

Beim Kompetenzzentrum Kinderschutz im Gesundheitswesen (KKG) könnten Ärzte sich vergewissern, ob ihr Verdacht richtig ist, und fühlten sich dann bestärkt. "Denn die letztliche Entscheidung müssen sie selber treffen. Aber wir helfen ihnen, diese zu begründen."

Fast alle Anfragen kamen nach Angaben von Banaschak bisher von Kinderärzten oder -chirurgen, die in Kliniken arbeiten. Die Beratung erfolgt telefonisch oder per E-Mail, in einem geschützten Portal können Ärzte Fotos von Verletzungen hochladen. Bei dem zunächst bis Anfang 2022 vom Land geförderten Projekt kooperieren die Kölner Rechtsmediziner mit der Abteilung für Kinderschutz der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln.

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