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Gesundheit - Hannover:Schultoiletten mit Ekelfaktor: Was tun gegen Hygienemängel?

Hannover (dpa/lni) - Dreckige Fußböden, stinkende Toiletten, fehlende Seifenspender und Papiertücher: Eltern und Kinder klagen vielerorts in Niedersachsen über Hygieneprobleme in der Schule. Vor Einführung des Ganztagsunterrichts ließ sich der Klogang für Schüler noch auf den Mittag verschieben, wenn sie wieder zu Hause waren. Doch inzwischen ziehen sich regulärer Unterricht und Arbeitsgemeinschaften bis 16.00, teilweise bis 17.00 Uhr hin.

Für den Landeselternrat ist die fehlende Sauberkeit ein Dauerbrenner. "Es scheitert am Geld", kritisiert der Elternratsvorsitzende Mike Finke. Die Schulträger seien nicht bereit zu investieren. Im Moment sei eine Toilette für 40 Schülerinnen und Schüler vorgesehen. "Das ist nicht mehr zeitgemäß", bemängelt er. Der Sanitärbereich müsse auch mittags, nicht nur einmal täglich gereinigt werden.

Kontrolleure des Gesundheitsamtes der Region Hannover haben zwischen Anfang 2016 und Ende 2018 Schulen in der Landeshauptstadt und dem Umland geprüft. Bei 112 Kontrollen wurden Reinigungsmängel in 79 Prozent der Schulen festgestellt. Bei 56 Prozent gab es bauliche Defizite oder gar einen Sanierungsstau. Bei 52 Prozent fehlte der vorgeschriebene Hygieneplan. Das ging aus einer Anfrage der CDU-Fraktion der Region hervor.

Die Mängel wurden nach Behördenangaben inzwischen beseitigt. Aus der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Wennigsen ist indes zu hören, dass immer noch nicht vernünftig geputzt werde. Die Schulleiterin hatte Anfang des Jahres über "unzumutbare hygienische Verhältnisse" geklagt, inzwischen verweist sie bei Medienanfragen an die Landesschulbehörde.

Beim Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund war die Schulhygiene bisher kein Thema. "Vereinzelt kann es so etwas geben", sagt Sprecher Thorsten Bullerdiek. Die Landesschulbehörde bekommt laut einer Sprecherin immer mal wieder "Klagen über eine als mangelhaft wahrgenommene Reinigung". Zum Sanierungsbedarf der Schulen zwischen Harz und Nordsee kann das Kultusministerium keine Auskunft geben. Dies sei Aufgabe der Schulträger, sagt ein Sprecher.

Der Landesschülerrat (LSR) hat eine Umfrage unter Schülern gestartet und will beim Kultusministerium Druck machen. Hauptthema seien die Toiletten, aber es gehe auch um Asbest oder Schimmel im Klassenzimmer, sagt LSR-Chef André Brinkmann. "Wir fordern, dass das Land Mittel freimacht." Es müsse einen Mindeststandard geben, auch in verschuldeten Kommunen.

Der Kreiselternrat Osnabrück zum Beispiel klagt, dass an sehr vielen Schulen die Toiletten schon über 50 Jahre alt seien. Teilweise rieche es dauerhaft übel, auch der Boden müsse erneuert werden. "Durch den Ganztagsbetrieb ist die Frequentierung der Toiletten gestiegen, aber die Putzintervalle wurden nicht angepasst", kritisiert der Stadtelternrat Braunschweig. Der Kreiselternrat Celle berichtet von Problemen mit Reinigungsunternehmen, bei denen häufig das Personal wechselt. Dieses fühle sich zudem nicht in dem Maße verantwortlich wie von der Gemeinde angestellte Putzkräfte.

Allein die Modernisierung der Sanitärräume bringe oft keine Verbesserung auf Dauer, beobachtet Svenja Ksoll von der German Toilet Organization. Die setzt sich weltweit für sauberes Wasser und eine bessere Sanitärversorgung ein. "Der Schlüssel ist mehr Verantwortung für die Schüler*innen", sagt Ksoll. So setzen Grundschulen - auch in Niedersachsen - bereits Schüler als "Toiletten-Wächter" ein. Neben Tafel- oder Klassenbuchdienst gibt es die Aufgabe, in den Pausen Kontrollgänge auf dem stillen Örtchen zu machen.

Die Organisation will in Kürze die Gewinner des zweiten bundesweiten Wettbewerbs "Toiletten machen Schulen" küren. Gewinner der ersten Ausgabe 2013 war die Ernst-Reuter-Schule in Pattensen bei Hannover - Sanitärräume an der Kooperativen Gesamtschule wurden unter anderem mit Hintergrund-Musik und sogar Kunstausstellungen unter dem Motto "CloArt" aufgewertet.