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Gesundheit - Hannover:Hausärzte spüren viele Auswirkungen der Corona-Krise

Corona
Ein Stethoskop liegt in einem Behandlungszimmer. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Hannover (dpa/lni) - Die Belastung in den niedersächsischen Hausarztpraxen ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Das Arbeitsaufkommen sei riesig, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Niedersachsen, Matthias Berndt. "Die Corona-Pandemie fordert uns alles ab."

Als großes Problem bezeichnete der Mediziner die vielen kurzfristigen Rechtsverordnungen, Regeln und Leitlinien, die sich mitunter sogar widersprächen. "Das kann man im Praxisalltag nicht mehr alles lesen. Regeln, die nicht umsetzbar sind, nützen nichts", sagte Berndt. Als Beispiel nannte er wechselnde Vorgaben zu den Corona-Tests etwa zur Frage, wer wann wie getestet werden soll und zur Kostenabrechnung. Mitunter gebe es unterschiedliche Vorstellungen von Bund, den Ländern, den Kommunen und den verschiedenen Fachgesellschaften.

Die Politik forderte er auf, Regeln möglichst einfach und mit größerem Vorlauf zu erlassen und bei den Entscheidungen auch diejenigen einzubinden, die die Regeln später umsetzen müssten. Berndt zufolge könnte es in der Pandemie helfen, grundsätzlich mehr zentrale Rahmenkonzepte zu haben. "Das erspart viel Arbeit", sagte der Mediziner. "Es müssen nicht 30 000 Pflegeheime eigene Konzepte entwickeln."

Die körperliche Belastung der Hausärztinnen und Hausärzte ist dem Verbandsvorsitzenden zufolge groß. Die Arbeitstage seien oft sehr lang. "Wenn man zehn bis zwölf Stunden mit Maske und Vollschutz gearbeitet hat, ist man körperlich am Ende." Auch bei den Patientinnen und Patienten seien die Auswirkungen der Pandemie spürbar. "Wir merken, dass in der Bevölkerung die Sorgen und die psychischen Belastungen zunehmen", sagte Berndt und erzählte von Patienten mit Depressionen, finanziellen Sorgen, Angst vor der Zukunft und Angst vor einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2. Zudem gebe es mit manchen Patienten Diskussionen - etwa zur Wirksamkeit von Masken. "Der Kommunikationsaufwand hat deutlich zugenommen."

Ein bislang unterschätztes Problem sieht der Mediziner in den Langzeitfolgen, die eine Coronainfektion auslösen könne. Ein gewisser Anteil der Betroffenen habe Dauerprobleme wie Erschöpfung, Müdigkeit, verringerte Belastungsfähigkeit und eine eingeschränkte Lungenfunktion. "Das ist ein neues Phänomen für uns."

Auf die kommenden Monate blicken die Praxen dem Verbandsvorsitzenden zufolge mit gemischten Gefühlen. "Wir sind angespannt, wie es weitergeht, wie sich die Infektionszahlen entwickeln", sagte Berndt. "Wir sind aber auch ein bisschen gelassener, weil wir wissen, wie wir uns schützen können." Positiv bewertet der Mediziner die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung. "Ich bin sehr hoffnungsvoll, weil ich großes Vertrauen habe, dass die Impfung einen großen Nutzen bringen wird."

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