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Gesundheit - Erfurt:Corona in Thüringen: Neue Infektionen und weitere Maßnahmen

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"Infektionsgefahr! Durchgang verboten!" steht an der Tür. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Erfurt (dpa/th) - Das neuartige Coronavirus beschäftigt auch in Thüringen zunehmend Politik, Behörden und Wirtschaft. Um einer Ausbreitung des Virus vorzubeugen, sind im Freistaat vorerst keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern erlaubt. Eine entsprechende Weisung des Landesverwaltungsamts sei am Dienstag an alle Kommunen gegeben worden, sagte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) am Dienstag in Erfurt. "Unser Ziel ist, durch diese strikten Auflagen das Risiko zu mindern", so Werner.

Zudem sollten Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Teilnehmern nach Prüfung nur im Ausnahmefall und Verhältnismäßigkeit erlaubt werden. "Die Zahlen sind nicht in Stein gemeißelt", sagte Werner. Sie könnten sich auch noch ändern, man behalte dafür etwa Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts im Auge. Wird gegen Auflagen verstoßen, könnte angeordnet werden, die Veranstaltungen sofort abzubrechen. Die generelle Schließung von Schulen und Kitas hält Werner in der aktuellen Lage für nicht notwendig.

Am Dienstagnachmittag lag die Zahl der bekannten Infektionsfälle in Thüringen bei acht. Der Saale-Orla-Kreis, Saale-Holzland-Kreis, Kyffhäuserkreis, sowie die Städte Erfurt und Weimar hatten Fälle gemeldet. Am Abend teilte die Stadt Suhl mit, dass es dort mittlerweile vier Verdachtsfälle gibt. Bei den meisten Betroffenen handelt es sich um Rückkehrer, die Urlaub in Tirol gemacht hatten. Aktuell seien 500 Analysen von Proben von Verdachtsfällen in drei privaten Laboren und der Uniklinik Jena täglich in Thüringen möglich. Ein viertes privates Labor plane, das Testverfahren einzuführen, so Werner.

Die Stadt Weimar untersagte nach dem Bekanntwerden der ersten bestätigten Coronavirus-Infektion alle Veranstaltungen mit mehr als 500 Menschen. Dazu zählten auch Sportveranstaltungen, Messen und Ausstellungen, teilte die Kommune am Dienstagabend mit. Rückkehrer aus Risikogebieten wie Südtirol und Südkorea würden für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Rückkehr verpflichtet, sich ausschließlich in ihren Wohnungen beziehungsweise auf ihren Grundstücken aufzuhalten. Die "Allgemeinverfügungen" sollen zunächst bis zum 19. April gelten.

"Es ist eine dynamische Lage, die sich kurzfristig ändern kann", sagte Werner. Man müsse sich darauf einstellen, dass Thüringer Fallzahlen auch schnell steigen könnten. Als Vorbereitung darauf, werde für Ärzte, aber auch Pflegeheime zusätzliches Schutzausrüstung beschafft. Mobile Teams, koordinierte Testmöglichkeiten, der Ausbau von Telefonberatung seien in Planung, so Werner.

Es werde überlegt, Schwerpunktkrankenhäuser einzurichten, die sich verstärkt um Patienten mit der vom Virus verursachten Covid-19-Lungenkrankheit kümmerten. Außerdem werde geprüft, ob Ausgleichszahlungen für besonders betroffene Krankenhäuser möglich sind. Es gehe darum, Ressourcen zu schonen und Ansteckungen einzudämmen. Werner appellierte zudem an die Bevölkerung, in den nächsten Tagen und Monaten achtsam und solidarisch miteinander umzugehen. Menschen, die in Quarantäne sind, sollten etwa mit Lebensmitteleinkäufen unterstützt werden.

Bereits am Dienstag wurden unter anderem bei der Messe Erfurt geplante Konzerte von Andrea Berg und Helge Schneider abgesagt. Die Anordnung des Landesverwaltungsamts gelte bislang bis zum 10. April, sagte Unternehmenssprecher Kay-Uwe Dorn. Bis dahin würden geplante größere Veranstaltungen kaum stattfinden können - die jeweiligen Veranstalter müssten aber noch informiert werden. "In erster Tendenz zielen viele darauf ab, die Termine zu verschieben", sagte Dorn.

Am Dienstag gab die Landesregierung zudem bekannt, die für den 5. April geplante zentrale Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora in Weimar werde nicht stattfinden.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erwartet tiefe Einschnitte für Thüringens Wirtschaft durch das Virus. Grund zur Panik bestehe aber nicht, sagte er am Dienstag. "Wir sind in einer Vorphase, die Verhältnisse sind moderat und überschaubar. Wir sind gerüstet und in einer finanziellen Situation, die uns erlaubt, schnell handeln zu können." Unter anderem sollen bekannte Hilfsmaßnahmen erweitert werden.

Um vor allem den in Thüringen verbreiteten kleinen und mittelständischen Unternehmen zu helfen, werde der Thüringer Konsolidierungsfonds angepasst. So solle das Programm für besonders betroffene Branchen wie Gastgewerbe und Messebau geöffnet werden.

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