Gesundheit - Berlin:Zwei Impfzentren vorübergehend dicht

Berlin
Eine Corona-Impfung wird vorbereitet. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn/Archivbild (Foto: dpa)

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Berlin (dpa/bb) - Unterschiedliche Signale in der Berliner Corona- Impfkampagne: Einerseits mussten am Dienstag zwei Impfzentren mangels Impfstoff für den Rest des Tages schließen, andererseits haben Menschen zwischen 60 und 70 nun länger als zunächst geplant die Möglichkeit, sich mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen zu lassen. Schließlich startete am Dienstag auch die Impfkampagne bei den Hausärzten - wie viele Praxen in Berlin genau mitmachen, blieb jedoch zunächst unklar.

Die Impfzentren in der Arena in Treptow sowie auf der Messe, in denen das Vakzin des Herstellers Biontech verabreicht wird, hatten am Dienstagnachmittag ihren Betrieb für den Tag eingestellt, teilte die Gesundheitsverwaltung mit. Zur Begründung hieß es, dass ein Impfstofftransport nach Berlin wegen mutmaßlich technischer Schwierigkeiten aufgehalten worden sei. Allerdings wurden noch bis zum frühen Abend zahlreiche Menschen eingelassen und laut einem Sprecher mit bereits aufgezogenen Spritzen geimpft, damit die Dosen nicht verfielen.

Am Mittwoch sollten die Impfungen in den betroffenen Zentren wie gewohnt wieder aufgenommen werden. Die Lieferung sei inzwischen eingetroffen, teilte die Senatsverwaltung noch am Dienstagabend mit. "Sie umfasst rund 81 000 Impfstoffdosen", hieß es.

Menschen, deren Nachname mit den Buchstaben A bis I beginnt, erhalten ihre Impfung demnach zur ursprünglichen Uhrzeit, jedoch am Mittwoch 7. April. Menschen, deren Nachname mit J bis Q beginnt, erhalten ihre Impfung zur ursprünglichen Uhrzeit, jedoch am Donnerstag 8. April. Menschen, deren Nachname mit R bis Z beginnt, erhalten ihre Impfung zur ursprünglichen Uhrzeit, jedoch am Freitag 9. April. Der Ort bleibt für alle unverändert. Betroffene müssten nicht nochmal mit der Buchungs-Hotline Kontakt aufnehmen, hieß es.

Unterdessen ist der Impfstoff von Astrazeneca, der für Menschen unter 60 wegen bestimmter Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen wird, kein Ladenhüter. Im Gegenteil: Aufgrund großer Nachfrage haben Menschen zwischen 60 und 70 nun länger die Möglichkeit, telefonisch und ohne Einladung im Impfzentren Tempelhof eine Impfung mit diesem Vakzin zu buchen. Dort stünden nunmehr statt bis 11. April Termine bis zum 18. April zur Verfügung, teilte die Gesundheitsverwaltung am Dienstag mit. Die Termin-Hotline ist unter 030 9028-2200 zu erreichen.

Im Impfzentrum Tegel, in dem seit 2. April ebenfalls Astrazeneca für 60- bis 70-Jährige Menschen zum Einsatz kam, liefen die Impfungen für diesen Personenkreis dagegen wie geplant am Dienstag aus. Ab Mittwoch wird dort Biontech verimpft.

Bund und Länder hatten vor einer Woche nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beschlossen, den Impfstoff von Astrazeneca in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre einzusetzen. Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen bei Jüngeren.

Daraufhin war in Berlin die zusätzliche Möglichkeit für 60- bis 70-Jährige geschaffen worden, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen. Für alle anderen Impfstoffe gilt weiterhin die bundesweit einheitlich festgelegte offizielle Reihenfolge (Priorisierung). Demnach werden momentan unter anderem die über 70-Jährigen sowie Menschen mit bestimmten schweren oder chronischen Erkrankungen in den Impfzentren gegen Corona geimpft.

Am Dienstag lief bundesweit die Corona-Impfkampagne der Hausärzte offiziell an. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hofft dadurch auf neuen Schwung bei den Impfungen, bei denen es in ganz Deutschland seit Monaten aus Mangel an Impfstoff eher langsam vorangeht. "Wir setzen jetzt darauf, dass die Kassenärztliche Vereinigung das, was sie immer als ihre Stärke benannt hat, nämlich die Menschen schnell impfen zu können, auch schnell tut", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

Wieviele Hausarztpraxen in Berlin beim Impfen mitmachen, ist nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin unklar. Da die Praxen ihre Impfdosen über die Apotheken bestellt hätten, fehle eine aktuelle Übersicht, sagte KV-Sprecherin Dörthe Arnold. Eine Abfrage bei 2500 Praxen habe allerdings jüngst ergeben, dass etwa 1800 bei Impfen mitmachen wollen.

Dass alle schon am Dienstag impften, galt aber als unwahrscheinlich. Denn wegen der Osterfeiertage war davon auszugehen, dass viele Praxen erst im Verlauf des Dienstag den bestellten Impfstoff erhielten. Zudem ist die Menge Impfstoff pro Praxis - etwa 20 Dosen - in der ersten Woche noch recht gering. Die Mengen sollen sich, so hatte es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprochen, aber bald deutlich erhöhen.

Im Rahmen eines Modellversuchs impfen laut KV rund 200 Berliner Arztpraxen schon länger. Allerdings brachten sie von den 42 000 Dosen Impfstoff, die sie erhielten, nach Angaben der Gesundheitsverwaltung bisher lediglich 3600 an den Mann oder die Frau.

Laut Robert Koch-Institut wurden bis einschließlich Montag in Berlin 13,0 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen Corona geimpft. 6,4 Prozent erhielten bis dahin auch ihre Zweitimpfung.

© dpa-infocom, dpa:210406-99-100927/7

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