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Gesunder Schlaf:Zehn mal pro Stunde Aufwachen

Sollten wir nun alle Zweiphasenschläfer werden? Eher nicht. Die Lehre aus diesen Erkenntnissen ist vielmehr: Anders als von Pharmafirmen und Matratzenherstellern suggeriert, ist der achtstündige ununterbrochene Schlaf kein Naturgesetz. "Durchschlafen ist nicht zwingend", sagt Peter Geisler, Leiter des Schlaflabors am Bezirksklinikum Regensburg. Nächtliches Aufwachen ist vielmehr "ist ein ganz normales Phänomen und nicht krankhaft".

Ohnehin erleben die meisten Schlafenden viel mehr Unterbrechungen, als sie glauben: Bis zu zehn Mal pro Stunde erwachen sie für einige Sekunden, bis zu 23 Mal pro Nacht sind sie länger als eine Minute wach - ohne etwas davon zu bemerken. Erst wenn die Wachphase länger als fünf Minuten anhält, wird der Mensch sich dessen bewusst. Dies passiert etwa ein bis viermal pro Nacht. Wer noch häufiger fünf Minuten oder länger wachliegt, empfindet seinen Schlaf als gestört.

Geisler hält das Aufwachen für einen genetisch verankerten Schutzmechanismus. Jahrtausendelang war die Schlafumgebung nicht so sicher wie heute. Es war überlebensnotwendig, das Umfeld auch nachts immer mal wieder zu überprüfen. Ob jemand diesem Ur-Mechanismus auch heute noch häufiger folgt, ist in erster Linie eine Frage der Veranlagung.

Für alle, die häufig oder auch nur gelegentlich wachliegen, ist am wichtigsten, so der Schlafmediziner, sich nicht über das Aufwachen zu sorgen: "Wer merkt, dass er sich über das nächtliche Wachliegen ärgert, sollte lieber aufstehen und einer ruhigen Beschäftigung wie Lesen nachgehen". Möglicherweise macht er dann noch ganz andere Entdeckungen über die Vielseitigkeit des Schlafs.

© Süddeutsche.de/beu/wolf
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