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Geschlecht und Gesundheit:Medikamente wurden lange nur an Männern erforscht

Das Geschlecht spielt auch bei der Behandlung von Krankheiten eine Rolle. "Patientinnen bauen manche Medikamente langsamer ab als Patienten", sagt Franz Hofmann, der an der Technischen Universität München im Bereich der Pharmakologie forscht. Dies kann Wirkungen wie Nebenwirkungen beeinflussen und ist umso bedeutsamer, da Frauen bis vor einigen Jahren nicht automatisch in Medikamentenstudien einbezogen wurden. Junge Männer gaben lange die Norm vor, nach der die Verträglichkeit von Arzneien bewertet wurde.

Ist diese Tradition die Ursache dafür, dass Frauen deutlich öfter über Nebenwirkungen klagen? Als britische Forscher die Daten von mehr als einer halben Million Patienten auswerteten, zeigte sich, dass Frauen etwa 60 Prozent häufiger von unerwünschten Effekten berichteten. Ganz klar sind die Gründe indes nicht. Möglicherweise reagieren Frauen auch einfach sensibler oder teilen Beschwerden bereitwilliger mit als Männer.

Denn auch im Umgang mit Leid unterscheiden sich die Geschlechter. Diese sozialen Kontraste sind ebenso Teil der Gendermedizin wie die biologischen Unterschiede. Tania Kümpfel, Neurologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beobachtet beispielsweise bei Patientinnen mit Multipler Sklerose häufiger Ängste als bei männlichen Betroffenen. Die Sorgen mögen auch damit zusammenhängen, dass die Frauen den Erkrankungsgipfel oft genau in jenen Jahren erreichen, in denen die Familienplanung ansteht.

Männer dagegen leiden zwar seltener an der neurologischen Erkrankung, sie verläuft aber bei ihnen im Schnitt schwerer. Wie auch bei der Depression, ist das Risiko für Suizide bei männlichen MS-Patienten erhöht.

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