Geschichte der Diäten:Wundersame Schlankheitspillen

Wundersame Wässerchen, Pülverchen und Tabletten sind von alters her das Mittel für all jene, die lediglich ihren Schluckapparat bemühen wollen, um zur guten Figur zu gelangen.

Arzneiflaschen und Mörser einer Apotheke

Mal enthielten die Diätpillen Gifte, Rauschstoffe und  Abführmittel, mal gar keinen Wirkstoff.

(Foto: Scherl)

Schon um 1650 gab es Kräuterwässerchen, deren Mischer für sich in Anspruch nahmen, Erfinder von Diätdrinks zu sein. Anfang des 20. Jahrhunderts blühte das Geschäft mit den Diätmittelchen dann richtig auf. Viele enthielten keinerlei Wirkstoff, andere gefährliche Ingredienzien: Die Gifte Arsen und Strychnin, von denen man sich eine allgemein stimulierende Wirkung erwartete, gehörten dazu. In den 30er Jahren enthielten manche Abnehmpillen Amphetamine.

Zu trauriger Berühmtheit gelangte die Chemikalie Dinitrophenol (DNP), die unter anderem zur Herstellung von Munition verwendet wurde. Als auffiel, dass die Arbeiter einer französischen Sprengstofffabrik rapide an Gewicht verloren, während sie mit der Chemikalie in Kontakt kamen, begann ihre Karriere als Diätpille. Geschätzte 100.000 Amerikaner schluckten den Stoff Mitte der 30er Jahre. Erst nachdem es mehrere Todesfälle gab, wurde er verboten. Die Nebenwirkungen, an denen schon die französischen Arbeiter gelitten hatten, waren außerdem: Schwindelanfälle, Herzrasen, Kopfschmerzen und Erbrechen.

Wundersame Pillen mit unbewiesener Wirkung gibt es noch immer. Aktuell werden Mittel auf Basis der Acai-Beere mit den fantastischen Versprechen beworben, dass sie innerhalb kürzester Zeit das Gewicht reduzieren und den Penis wachsen lassen könnten.

Detox und Entschlacken

Die Idee, dass der Körper von innen gereinigt werden müsse, war zunächst wörtlich zu verstehen. Anfang des 19. Jahrhunderts war es unter Abehmwilligen üblich, Seife zu essen. Sie diente als Brech- und Abführmittel.

Zeitgeist in den Zwanziger und Dreißiger Jahren

Detox historisch: Der "Punktroller" sollte in den 20er und 30er Jahren nicht nur die Haut straffen, sondern auch Fettpolster wegrollern.

(Foto: SCHERL)

In den 30er Jahren kam die Idee auf, dass sich Schädliches im Körper, und dort besonders im Darm, ansammele. In Deutschland prägte Otto Buchinger dafür den Begriff der Schlacken. Obgleich wissenschaftlich nicht plausibel, ist es nach wie vor in Mode, den Darm von oben und unten zu reinigen und zu entfetten.

Die Kosmetikindustrie wollte selbstredend nicht außen vor bleiben, wenn von Reinigung die Rede war. Anfang des 20. Jahrhunderts kam die "medizinische Seife" auf den Markt. Ausgiebig auf Fettpolster gerieben, könne sie, so das Versprechen, diese auflösen und damit schlimme Gefahren abwenden: dass nämlich das schädliche Fett ins Körperinnere wandere und die Organe belaste.

In den 20er Jahren waren in den USA so viele Kosmetikprodukte mit vermeintlicher "fettauflösender" Wirkung auf dem Markt, dass sich die Regierung zu einer Untersuchung veranlasst sah. Die Analyse ergab unter anderem, dass einige Produkte simple Seife im Wert von fünf Cent enthielten, die zum 30-fachen Preis verkauft wurden.

Kaum anders verhält es sich mit modernen Detox-Produkten. Als die britische Wissenschaftlerorganisation "Voice of Young Science" 2009 den Markt analysierte, stellte sie fest, dass es sich bei den "Entgiftungs"-Heilsversprechen um profane Dinge wie Bürsten, Shampoos und Tee handelte.

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