Gentests Erst denken, dann spucken

Gentests kommerzieller Anbieter sind fragwürdig, was Datenschutz angeht.

(Foto: dpa)

Der Musikdienst Spotify bietet neuerdings eine Playlist an, die auf der DNA-Probe der Hörer basieren soll. Dass man da furchtbare Musik bekommen kann, ist noch das kleinste Problem.

Kommentar von Christian Gschwendtner

Ein normaler Mensch produziert am Tag circa einen Liter Speichel. Wie kann da ein einzelner Spuckefaden groß ins Gewicht fallen? Nun ja, es reicht, ihn an den Musikdienst Spotify weiterzureichen.

Was wie ein Scherz klingt, ist seit ein paar Tagen tatsächlich möglich. Der schwedische Milliardenkonzern Spotify hat sich mit dem Gen-Analyse-Unternehmen Ancestry zusammengetan. Der Deal ist einfach: Wer will, schickt eine Speichelprobe an Ancestry, wo Forscher aus der DNA-Probe die Herkunft der Ahnen entschlüsseln. Anschließend bekommt man Lieder aus jenen Ländern präsentiert, in denen man seine Wurzeln hat, angeblich.

Die Genauigkeit solcher Tests ist nämlich immer noch arg umstritten. Bekannt sind Fälle wie der einer Amerikanerin. Sie hat zwar eine italienische Oma, die wurde ihr aber von einem Gentest abgesprochen. Als Mensch mit deutscher Herkunft muss man bei diesem einseitigen Tauschgeschäft besonders aufpassen. Am Ende kann es passieren, dass man sensibelste Informationen gegen eine Liedempfehlung für Revolverheld oder den Schlagersänger Wolfgang Lippert eintauscht. Beide haben es in die DNA-Playlist für Deutschland geschafft.

Trotzdem kann man Spotify überhaupt keinen Vorwurf machen. Die Firma hat völlig richtig erkannt, dass beim einst so heiklen Thema DNA-Test inzwischen fast alle Hemmungen über Bord gegangen sind. 15 Millionen Menschen haben bereits ihr Erbgut von privaten Firmen entschlüsseln lassen - als wäre es das Normalste auf der Welt. Manchen geht es dabei um ernste Anliegen, wie das Risiko für Brustkrebs zu identifizieren oder die Wirksamkeit von Medikamenten zu bestimmen. Andere treibt allein der narzisstische Wille an, ein bisschen mehr über sich selbst zu erfahren, zum Beispiel weil das angeblich bei der Partnerwahl helfen könnte.

Über eines sollte man sich keine Illusion machen: Schon jetzt werden die Daten von den Gen-Analyse-Firmen weitergereicht, in den allermeisten Fällen an Pharmakonzerne. Dass die Daten anonymisiert sind, ist nur ein schwacher Trost. Wissenschaftler haben schon vor fünf Jahren im Fachmagazin Science nachgewiesen, dass ein Mann nur durch die Abfolge seiner Y-Chromosomen und den Abgleich in einer öffentlichen Datenbank identifiziert werden konnte.

Außerdem können sich die Geschäftsbedingungen jederzeit ändern, im Fall eines Hacks wollen die Firmen sowieso keine Verantwortung übernehmen. In Amerika haben sich die Gesundheitsbehörden deshalb einen ganz praktischen Rat überlegt: "Think before you spit." Übersetzt heißt das so viel wie: Schalte dein Gehirn ein, bevor du deinen Speichel an eine Firma schickst.

Biologie Gentests für Hunde sind für die Katz

Haustiere

Gentests für Hunde sind für die Katz

Erbguttests für Hunde sollen Krankheiten vorhersagen und die Abstammung der Tiere klären. Doch die teuren DNA-Analysen ernten Kritik von Tierärzten.   Von Kathrin Zinkant