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Geburt kurz vor dem Termin:Die Last der fehlenden Wochen

Auch Kinder, die nur zwei oder drei Wochen zu früh geboren werden, neigen im späteren Leben zu Gesundheitsproblemen. Sie haben mehr chronische Krankheiten, mehr psychische Probleme und müssen häufiger im Krankenhaus behandelt werden.

Babys, die vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen, haben später im Leben vermehrt gesundheitliche Probleme. Das gilt sogar dann, wenn sie die Zeit im Mutterleib nur um zwei oder drei Wochen abgekürzt haben, wie Daten zu 18.000 britischen Kindern zeigen, die Forscher von der University of Leicester nun im British Medical Journal präsentieren. Zwar sei das Risiko kleiner als bei echten Frühgeborenen, so die Forscher. Aber es müsse darüber nachgedacht werden, ob Kinder, die nach der 37., aber vor der 40. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken, tatsächlich als "Reifgeborene" zu betrachten sind.

Die Mehrzahl der etwas zu früh geborenen Kinder ist gesund. Dennoch sind die Risiken für sie größer.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Kinder aus der Studie, die zwei oder drei Wochen zu früh zur Welt gekommen waren, waren im Alter von fünf Jahren im Durchschnitt nur wenig kleiner und leichter als die rund um den Termin geborenen. Aber sie mussten erheblich häufiger im Krankenhaus behandelt werden. 19,8 Prozent hatten eine dauerhafte Krankheit, während dies nur bei 18,4 Prozent der pünktlich Geborenen der Fall war. Eine sie beeinträchtigende Krankheit hatten 6,7 Prozent der vor dem Termin Geborenen im Vergleich zu 5,0 Prozent der Pünktlichen; und 4,9 Prozent im Vergleich zu 3,4 Prozent litten an Asthma. Allerdings haben die Mütter auch häufiger geraucht und ihre Kinder seltener länger als vier Monate gestillt.

Wir wissen sehr genau, dass jede Woche, die fehlt, mit einem Gesundheitsrisiko verbunden ist", sagt Andreas Schulze, Leiter des Perinatalzentrums am Münchner Uniklinikum Großhadern. Es sei bekannt, dass auch bei wenig zu früh geborenen Kindern häufiger langfristige psychologische und psychiatrische Probleme auftreten, sie hätten auch öfter Schwierigkeiten in der Schule.

"Das ist aber kein Grund, die Eltern aufzuschrecken", betont Schulze. "Die Risiken sind nur wenig erhöht, die große Mehrzahl dieser Kinder ist gesund." Über die Ursachen lasse sich derzeit nur spekulieren. "Das Gehirn wächst in den letzten Wochen der Schwangerschaft enorm und hat einen großen Nährstoffbedarf." Dieser sei über die Nabelschnur womöglich für ein so junges Kind besser zu erfüllen als außerhalb des Mutterleibs, zumal die Babys häufig noch nicht so gut trinken können.

© SZ vom 02.03.2012/beu

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