Pandemie:Das Virus im Bierdunst

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Pandemie: Eine Woche nach dem Ende des Gäubodenfests haben die Inzidenzen in Straubing und Umland Höchstwerte erreicht.

Eine Woche nach dem Ende des Gäubodenfests haben die Inzidenzen in Straubing und Umland Höchstwerte erreicht.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Nach dem Gäubodenfest in Straubing steigen in der Umgebung die Corona-Zahlen deutlich an. Was heißt das für das Oktoberfest?

Von Berit Uhlmann

In diesen Tagen dürfte sich bei einigen Menschen aus Straubing und Umgebung jene Katerstimmung einstellen, die nicht wenige Experten in Kürze auch bei den Münchner Wiesn-Besuchern befürchten. Vor knapp einer Woche schlossen in der niederbayerischen Gegend die Bierzelte und Fahrgeschäfte des Gäubodenfestes - und seither haben sich die Corona-Inzidenzen mehr als verdoppelt. 737 betrug die offizielle Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag in der Stadt, 695 im Landkreis. Damit sind sie in der bundesweiten - allerdings am Wochenende recht löchrigen Statistik - Spitzenreiter.

Nun lässt sich aus den nackten Zahlen aus Niederbayern allein noch kein Zusammenhang zu der kollektiven Feierei ableiten. Aber plausibel ist es, dass 1,3 Millionen Volksfestbesucher die Ausbreitung von Infektionen begünstigen. Wenn eine Million Menschen bei Grund-Inzidenzen von 300 zusammenkommen, ist es statistisch gesehen nahezu ausgeschlossen, dass alle von ihnen coronafrei sind. Es liegt zudem im Wesen solcher Veranstaltungen, dass Menschen nahe zusammenrücken, dass sie singen, rufen, lachen und dabei womöglich eine Menge virusbeladene Kleinsttröpfchen in die Umgebung katapultieren, die mit dem Bierdunst durch die dicht besetzten Zelte wabern.

Straubing ist nicht die erste Veranstaltung, in deren Nachgang die Zahlen nach oben schnellten. Nach der Erlanger Bergkirchweih im Juni stieg die Inzidenz von unter 200 auf mehr als 1500 an. Im Anschluss an die Kulmbacher Bierwoche wurde Ähnliches beobachtet. Als in Köln zum Ende des vergangenen Winters die Corona-Zahlen deutlich zulegten, vermutete das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium einen "Karnevalseffekt". Es gibt allerdings Gegenbeispiele. Die Frühlingsfeste in München und Nürnberg zogen keinen heftigen Anstieg der Fallzahlen nach sich.

Für das Oktoberfest mit voraussichtlich sechs Millionen Besuchern erwarten Fachleute dagegen durchaus einen gewissen Einfluss auf das Infektionsgeschehen, auch wenn sich nicht sicher sagen lässt, wie groß er sein wird.

Wie sehr muss man sich also sorgen? Christoph Spinner, Infektiologe am Münchner Klinikum rechts der Isar und Leiter der Stabsstelle Medizin und Strategie, sagt: Der Anstieg der Inzidenzen nach dem Gäubodenfest liege im Bereich des Erwartbaren und beunruhige ihn daher nicht. "Inzidenzen sind infektionsepidemiologisch zwar ein wichtiger Indikator für das Infektionsgeschehen, aber wir sollten uns davon nicht ängstigen lassen." Die Gefahr schwerer Verläufe lasse sich durch die Impfungen stark reduzieren. Daher sei es höchste Zeit für alle, die die Wiesn besuchen wollen, diesen Schutz gegebenenfalls aufzufrischen.

Clemens Wendtner, Leiter der Infektiologie und Chefarzt am Klinikum München-Schwabing, sagt dagegen: Die aktuellen Ereignisse um das Gäuboden-Volksfest "sollten eine Warnung sein". Auch er rät allen Feierwilligen, den eigenen Immunitätsstatus zu überprüfen und daraus das Risiko für sich und die Nächsten abzuschätzen. Aus klinischer Sicht bleibe zu hoffen, dass dieser Appell an die Eigenverantwortung ausreiche, "um eskalierende Be- und Überlastungen im Kliniksektor abzuwenden."

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