Früherkennung von Krebs:Von den Zahlen verwirrt

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Fast die Hälfte der von den Max-Planck-Forschern befragten Allgemeinärzte war jedoch überzeugt davon, dass mehr entdeckte Krebsfälle ein Beweis dafür seien, dass die Früherkennung Leben rettet. Drei von vier Ärzten sahen in höheren statistischen Überlebensraten einen Beweis für zusätzlich gerettete Leben.

Statistische Irrtümer bei Krebs 2

Der zweite Irrtum der Krebsfrüherkennung: Beide Patienten sterben mit 70 Jahren. Der zweite hatte nur deshalb eine längere Überlebenszeit, weil der Krebs früher festgestellt wurde. Die statistisch höhere Überlebensrate ist daher kein Beweis für das eigentlich gewünschte Ergebnis: weniger Krebstote.

Quelle: Annals of Internal Medicine

(Foto: SZ-Grafik: Braun)

Die Bildungsforscher legten den Ärzten zudem zwei Statistiken vor, die beide in etwa auf das Prostatakarzinom zutreffen, ohne jedoch die Krebsart zu nennen. Einmal stieg die Fünf-Jahres-Überlebensrate infolge einer Reihenuntersuchung von 69 auf 99 Prozent. Im anderen Fall sank die Todesrate in der Gesamtbevölkerung von 2 von 1000 Patienten auf 1,6 von 1000. Für welches der beiden Screenings ist somit der Nutzen bewiesen? Welches sollte den Patienten empfohlen werden?

Die erste Statistik klang offenbar so überzeugend, dass 80 Prozent der Allgemeinärzte das entsprechende Screening als "lebensrettend" einstuften. 69 Prozent der Mediziner gaben an, sie würden ihren Patienten eine Früherkennung auf Basis dieser (irrelevanten) Daten "definitiv empfehlen". In der gesunkenen Todesrate hingegen erkannten nur 60 Prozent der Ärzte einen positiven Effekt. Und nur 23 Prozent der Mediziner wollten auf dieser Grundlage ein Screening empfehlen. Die Veränderung von 2 auf 1,6 Todesfälle erschien vielen Ärzten vermutlich marginal.

Als den Ärzten gezeigt wurde, wie die Zahl entdeckter Krebsfälle infolge eines Screenings steigt, hielten die meisten Probanden dies für einen zusätzlichen Beweis für den Nutzen der Früherkennung. Dabei ist auch diese Statistik ohne die Angabe tatsächlich geretteter Leben völlig irrelevant.

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