Frühe Bindung Zuwendung hält Kinder schlank

Kleinkinder, um die sich intensiv gekümmert wird, werden später seltener dick.

(Foto: imago/Westend61)
  • Eine stabile frühkindliche Bindung stärkt Körper und Seele, stimuliert das Immunsystem und schützt vor psychischen Leiden. Doch das ist nicht alles.
  • Laut einer Studie werden Babys, die aufmerksam und fürsorglich behandelt werden, später sogar seltener dick als andere.
  • Viele Menschen kämpfen ihr Leben lang mit Übergewicht, wenn sie schon in früher Kindheit dick geworden sind.
Von Werner Bartens

Eine stabile, frühe Bindung hält vielleicht nicht für immer, hilft aber ein Leben lang. Je geborgener und sicherer sich Kinder in den ersten Lebensmonaten fühlen, desto günstiger wirkt sich das auf ihre seelische und körperliche Entwicklung aus. Offenbar werden Babys, die aufmerksam und fürsorglich behandelt werden, später sogar seltener dick als andere. Zu diesem Ergebnis kommen Kinderärzte und Ernährungswissenschaftler aus den USA im Fachmagazin Jama.

Das Team um Ian Paul von der Pennsylvania State University hat 280 Frauen in die Studie einbezogen, die ihr erstes Kind geboren hatten. Die Hälfte von ihnen bekam im ersten Jahr Hausbesuche von Krankenschwestern. Eltern lernten währenddessen, die Bedürfnisse ihres Nachwuchses besser zu deuten und wie ihre Kinder durch feste Rhythmen besser einschliefen und nachts seltener aufwachten, worauf sie bei der Ernährung achten sollten und wie sie darauf reagieren, wenn die Kinder schrien. Dass Kinder nicht immer nur Hunger haben, wenn sie unruhig werden, war für viele Eltern eine neue Erfahrung.

Wenn Kinder schreien, müssen sie nicht immer gleich gefüttert werden

"Babys schreien aus vielerlei Gründen", sagt Leann Birch, die an der Studie beteiligt war. "Ihnen kann zu warm oder zu kalt sein, sie können müde sein oder sich langweilen." In solchen Phasen müssen Eltern verschiedene Strategien ausprobieren und ihr Kind besser kennenlernen. Mal brauchen sie Berührung und Trost, mal einen Schnuller oder beruhigende Musik - und manchmal ist eben auch die nächste Mahlzeit die optimale Lösung.

Im Alter von drei Jahren zeigten sich erstaunliche Gewichtsunterschiede bei den Kindern. Während in der Gruppe jener, deren Eltern Hilfestellung für zugewandtes Verhalten bekommen hatten, nur 11,2 Prozent übergewichtig und 2,6 Prozent fettleibig waren, lag der Anteil bei den Kindern nicht geschulter Eltern bei 19,8 Prozent Übergewicht und 7,8 Prozent Fettleibigkeit. Die Gewichtstendenz entwickelte sich in den beiden Gruppen schon im ersten Jahr erkennbar auseinander. Aus zahlreichen Untersuchungen ist bekannt, dass viele Menschen ihr Leben lang mit Übergewicht zu kämpfen haben, wenn sie schon in früher Kindheit dick geworden sind.

"Viele Aspekte unseres Verhaltens werden in ganz jungen Jahren geprägt", sagt Kinderarzt Paul. "Das bezieht sich besonders auf Essverhalten und Schlafgewohnheiten." Insofern ist es wichtig, dass Babys und kleine Kinder nur gefüttert werden, wenn sie hungrig sind - und nicht als Belohnung oder zum Trost. "Solche Muster werden früh programmiert", sagt Paul. "Wer als Kind mit Essen beruhigt wurde, wird später vermutlich auch mit vermehrter Nahrungszufuhr auf Stress reagieren."

Die Kinder aufmerksam wahrzunehmen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und auf ihre Gefühle zu reagieren - für all das brauchen Eltern offenbar zunehmend Anleitung. Dabei sind die Empfehlungen keineswegs für alle Eltern und Kinder gleichermaßen passend, das betonen auch die Ärzte.

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