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Medizin:Frühchen überlebt mit 268 Gramm

A baby boy weighing 268 grams when born in August 2018, the hospital claims is the smallest baby to survive and be sent home healthy, is seen in this undated but recent taken handout photo

Dieser kleine Junge wog bei seiner Geburt nicht viel mehr als eine Zwiebel.

(Foto: Reuters)

Bei seiner Geburt wog der winzigste Junge der Welt wenig mehr als eine Packung Butter. Nun wurde er aus dem Krankenhaus entlassen.

Der winzige Junge wog bei seiner Geburt nur 268 Gramm, kaum mehr als ein Paket Butter. Bereits im August wurde er per Kaiserschnitt in der Keio-Universitätsklinik in Tokio geboren. Damals hätte er in die hohlen Hände seines Vaters gepasst. Er wurde rund 16 Wochen zu früh geboren, es war erst die 24. Schwangerschaftswoche. Der Notkaiserschnitt wurde eingeleitet, da das Kind im Mutterleib nicht mehr gewachsen war.

"Ich war mir nicht sicher, ob er überleben könnte", sagt die Mutter, die ihren mittlerweile 3200 Gramm schweren Sohn in der vergangenen Woche mit nach Hause nehmen durfte. Die vergangenen fünf Monate wurde er auf der Intensivstation betreut, künstlich ernährt und beatmet. Takeshi Arimitsu war der Arzt des Jungen. Er sagte gegenüber der BBC, er wolle zeigen, dass auch für extrem kleine Kinder die Möglichkeit besteht, das Krankenhaus gesund zu verlassen.

A baby boy weighing 268 grams when born in August 2018, the hospital claims is the smallest baby to survive and be sent home healthy, is seen five days after his birth in Tokyo

Das Früchchen fünf Tage nach seiner Geburt

(Foto: REUTERS)

Bei extremen Frühchen ist das Risiko für Autismus oder ADHS erhöht

Liegt das Gewicht bei der Geburt bei unter 500 Gramm - also fast doppelt so viel wie der kleine Junge aus Tokio auf die Waage brachte - liegen die Überlebenschancen auch bei entsprechender intensivmedizinischer Betreuung nur bei 50 Prozent. Besonders kritisch sind die Organe Lunge, Darm und das Gehirn. Die Kinder müssen in Inkubatoren, sogenannten Brutkästen, liegen, da ihr Körper die Temperatur noch nicht selbständig reguliert. "Wahrscheinlich war der Junge so lange im Krankenhaus, weil er Hilfe beim Atmen brauchte", sagt Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie an der Universitätsklinik Charité in Berlin.

Frühchen in diesem Alter haben einen erhöhten Sauerstoffbedarf. Sie entwickeln oft eine chronische Schädigung der Lunge, die Bronchopulmonale Dysplasie. Betroffene leiden auch im späteren Leben häufiger unter Atemwegserkrankungen und sind nicht so belastbar wie Gesunde. Auch das Gehirn formt sich erst in den letzten Monaten der Schwangerschaft vollständig aus. Im Mutterleib erreicht das Ungeborene weniger Sauerstoff, als in der Atemluft vorhanden ist. "Die Wachstumsprozesse von Nervenzellen können dadurch anders ablaufen", sagt Bührer. "Man muss damit rechnen, dass dieses Kind leichte Besonderheiten in der psychischen Entwicklung aufweist". Zum Beispiel ist das Risiko für Autismus oder ADHS erhöht. Ein Drittel der Kinder, die in der 24. Woche geboren werden, würden sich allerdings von Gleichaltrigen nicht unterscheiden, sagt Bührer.

In Deutschland werden jährlich mehr als 60 000 Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren, rund neun Prozent aller Geburten. Mit weniger als 1000 Gramm Geburtsgewicht gilt ein Kind als "Extremfrühchen". Die häufigsten Ursachen einer Frühgeburt sind die Präeklampsie, vorzeitige Öffnung des Gebärmutterhalses, Infektionen und eine krankhafte Plazenta. Es gibt keine absolute Grenze, ab wann ein Ungeborenes lebensfähig ist. "Das ist eine Grauzone, die in Deutschland zwischen der 22. und 23. Schwangerschaftswoche liegt", sagt Bührer.

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