Frauengesundheit Kein Strom, prima Geschäfte

Malawis Wälder werden zunehmend geplündert. Die Produktion von Holzkohle ist darum illegal. Viele Dorfbewohner sind dennoch zu Köhlern geworden. Vor allem, wenn die Ernte nicht so gut ausfällt, brauchen sie Bargeld. Sie stellen den profitablen Brennstoff in selbstgebauten Kohlemeilern her. Die Ausbeute ist gering und die Holzverschwendung groß - nur etwa 15 Prozent eines gefällten Baums werden zu Holzkohle.

Die Entwaldung schreitet in Malawi rasant voran. Jährlich verliert das Land fast drei Prozent seiner Wälder. Etwa 60 Prozent der Kohle stammen illegal aus Holz von Nationalparks und Reservaten. Der Druck auf die Umwelt wird immer größer, auch durch hohes Bevölkerungswachstum und Urbanisierung. So groß, dass die Forstbehörde vor einem Jahr die Streitkräfte zu Hilfe gerufen hat, um die wichtigsten Forstreservate zu beschützen. Denn Holzkohle bedeutet vor allem das Geschäft mit einer der wertvollsten Ressourcen des Landes. Holzkohle ist nach Tabak und Tee der drittgrößte Industriezweig in Malawi. Sein Gesamtwert wird auf jährlich 57 Millionen Dollar geschätzt und beschäftigt rund hunderttausend Menschen. Der Markt wächst. Und der große Gewinn fließt in die Taschen professionell organisierter Geschäftsleute und korrupter Beamter.

Frauengesundheit Fisch für Sex
Reportage
Millenniumsziele

Fisch für Sex

Die Welt hat sich vor 15 Jahren ein großes Ziel gesetzt: Die Gesundheit und Lebensbedingungen von Frauen zu verbessern. Ist es gelungen? Ein Besuch in Uganda.   Von Felix Hütten

Durch die Entwaldung wird das Wasser knapp, Feuchtgebiete trocknen aus, biologische Vielfalt geht verloren, Flüsse versanden. Die Wasserkraftwerke am Shire-Fluss laufen nicht in voller Stärke, den Städten fehlt Strom. Die Holzkohle-Großhändlerin Rose John aus Lilongwe sagt: "Gerade wenn es keinen Strom gibt, laufen unsere Geschäfte am besten." Steven Kakhuni, Vorsitzender des Mgona-Kohlemarktes erklärt, der Holzkohle-Handel sei illegal, "weil wir die Natur zerstören. Das ist der Grund, warum die Regierung uns drängt, es sein zu lassen - aber unsere Armut zwingt uns weiterzumachen."

Ein Teufelskreis. Dabei gehört Malawi zu den 16 Ländern in der Welt mit "extremem Risiko" für negative Klimawandel-Effekte. In den letzten zwanzig Jahren haben Dürren, extreme Regenfälle und Überschwemmungen an Häufigkeit und Intensität zugenommen. Die darauf folgenden Ernteausfälle sind Hauptursache der chronischen Ernährungsunsicherheit. 2016 musste ein nationaler Notstand ausgerufen werden. Ein Komitee des Finanzministeriums hat errechnet, dass dieses Jahr mindestens 6,5 Millionen Malawier, etwa 39 Prozent der Bevölkerung, Lebensmittelhilfe zum Überleben benötigen werden - eine Steigerung von 129 Prozent im Vergleich zur letzten Saison.

Verbesserte Kochherde scheinen da eine Lösung zu sein. Die Technologie wird darum von der globalen Allianz für saubere Kochherde (Global Alliance for Clean Cookstoves) als Schlüsselwerkzeug gesehen, um Leben zu retten und die Umwelt zu schützen. In Malawi hofft das National Cook Stove Steering Committee bis 2020 in zwei der etwa drei Millionen Haushalte saubere und effiziente Öfen zu verbreiten. Bis jetzt hat sich der Herd noch nicht durchsetzen können, nur eine geschätzte halbe Million sind verkauft worden.

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) arbeiten seit dreißig Jahren daran, die Technologie bekannt zu machen, doch in der Vergangenheit sind viele Programme gescheitert. Der Vermarktungsradius der von Frauengruppen lokal hergestellten Lehm-Öfchen beschränkt sich häufig auf das eigene Dorf. Damit lässt sich nur wenig Geld verdienen und die Produzentinnen verlieren oft das Interesse am Geschäft. Einige Organisationen versuchen darum jetzt beispielsweise das günstige Tonmodell Chitetezo Mbaula an Tankstellen und in Supermärkten zu verkaufen, um mehr Kunden zu erreichen.

Auch der CO2-Ausgleichshandel, der einen alternativen Finanzierungsmechanismus für Projekte zur Emissionsreduktion in Entwicklungsländern darstellt, hat sein Versprechen nicht eingelöst. Weil zu viele Emissionsrechte im Umlauf sind, fielen die Preise zuletzt enorm und lassen so keine sicheren längerfristigen Investitionen in Kochherd-Programme zu.

Erschwingliche Herde sind nicht unbedingt weniger schädlich als die offenen Feuer

Jeder im Land kennt die Herde. Warum hat dann nicht jede Familie einen? "Der Markt kommt schon etwas in Schwung, aber die Verbreitungsrate ist doch sehr gering", sagt Blessing Mawle von Perform, einer Initiative zur Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradation. "Bis jetzt gibt es keine einheitlichen Standards für Kochherde. Wenn gesagt wird, dass sie effizient sind, muss das nicht immer stimmen. Die Leute wissen nicht, ob sie wirklich Feuerholz einsparen." Sein Kollege Luke Malembo meint, der Druck sei noch nicht groß genug: "Leute, die in der Nähe staatlicher Wälder wohnen, sehen nach wie vor viele Bäume. Für sie besteht keine Dringlichkeit: Holz liegt ja einfach umsonst draußen rum."

Vielleicht hat Cornwell Chisale vom Energieministerium recht, wenn er sagt: "Der Lehmofen ist zu indigen, er genügt einfach nicht den Ansprüchen einer modernen Gesellschaft. Wir brauchen bessere Modelle." Heather Campbell von der NGO United Purpose kennt die Probleme: "Unsere Modelle sind sicher nicht die innovativsten. "Aber", fragt sie, "wer kann sich denn hier einen der von der Global Alliance befürworteten 'sauberen' 30-Dollar-Herde leisten? Dafür gibt es vielleicht einen Markt in urbanen Zentren. Auf dem Land sind die Menschen einfach zu arm." Schätzungsweise drei Viertel der Bevölkerung haben weniger als 1,25 Dollar pro Tag zur Verfügung. "Unsere Herde sind lokalen Bedingungen angepasst."

Rettet der Herd denn Leben? Kevin Mortimer von der Liverpool School of Tropical Medicine ist sich nicht sicher. Er kam in einer großen Studie zu dem Resultat, dass die verbesserten Kochherde im Vergleich zu offenen Feuern keine Reduzierung von Lungenentzündungen bei Kindern unter fünf Jahren bringen. Kritiker der Studie werfen Mortimer allerdings vor, dass er weder Herde mit von der WHO empfohlenen Abgasrichtlinien genutzt, noch die tatsächlichen Nutzungsraten berücksichtigt habe. Außerdem bleibt das Problem, dass Malawis Gesundheitszentren für Krankheiten durch Kochrauch weder sensibilisiert noch ausgerüstet sind.

Fakt ist, selbst die einfachsten Kochherde sparen Brennholz und Zeit beim Holzsammeln. NGOs konzentrieren sich in Malawi darum auf diesen Aspekt. Für Malawis Frauen sind Kochherde kein großer Sprung in eine bessere Zukunft. Sie sitzen weiter im Schatten eines Baumes und kochen über einem rauchenden Feuer - mit oder ohne Herd.

Die Recherche für diesen Artikel wurde vom Pulitzer Center on Crisis Reporting unterstützt.

Pilotprojekt Ein-Dollar-Brillen für Malawi

Pilotprojekt

Ein-Dollar-Brillen für Malawi

Ein Lehrer aus Erlangen hat bezahlbare Sehhilfen für Arme entwickelt.   Von Markus Zydra