Forschung an Impfstoff Konzern verspricht Hilfe gegen Malaria

Ein britisches Pharmaunternehmen macht Millionen Menschen Hoffnung: Es will den ersten Impfstoff gegen Malaria zur Zulassung anmelden. 2015 könnte das Präparat auf den Markt kommen. Frühere Studien nähren jedoch Zweifel an seiner dauerhaften Wirkung.

Von Helga Einecke, Frankfurt

Die Anopheles-Mücke ist gefürchtet. Sie überträgt die Tropenkrankheit Malaria, sticht meist in der Dämmerung zu. Jährlich erkranken 215 Millionen Menschen, mehr als 650.000 sterben, meistens Kinder. Nun macht das britische Pharmaunternehmen Glaxo Smithkline (GSK) Hoffnung auf Abhilfe. Es will den ersten Impfstoff gegen Malaria bei der europäischen Arzneibehörde EMA zur Zulassung anmelden. 2015 könnte das Präparat namens RTS,S dann auf den Markt kommen.

Nach eigenen Angaben arbeitet GSK seit mehr als 30 Jahren an diesem Impfstoff. Dabei wurde das Unternehmen von der gemeinnützigen Path Malaria Impfstoff Initiative (MVI) unterstützt, die von der Bill und Melinda Gates Stiftung finanziert wird. Im südafrikanischen Durban stellte GSK Ergebnisse vor, die mit 15.000 Kindern in sieben afrikanischen Ländern erzielt wurden. Demnach soll das neue Mittel dafür gesorgt haben, dass sich bei kleinen Kindern die Zahl der Malaria-Fälle nahezu halbiert habe.

Früheren Studien zufolge hatte sich der Impfschutz als nicht dauerhaft erwiesen. Die MVI sieht den Impfstoff trotzdem als eine wichtige Komponente im Kampf gegen die gefährliche Krankheit. Die Briten wollen Zugeständnisse machen und für den Impfstoff höchstens fünf Prozent mehr als die Herstellungskosten verlangen. Der Gewinn soll in die Malaria-Forschung investiert werden. Normalerweise lassen sich Pharmaunternehmen ihre neuen Wirkstoffe patentieren und verkaufen sie teuer. Die können sich die Kranken in den ärmsten Ländern nicht leisten.

Das Unternehmen hat bislang 300 Millionen Dollar investiert

Malaria tritt vor allem in Afrika, Asien und Südamerika auf. Die meisten Todesopfer sind Kinder unter fünf Jahren, die in afrikanischen Ländern südlich der Sahara sterben. Zur Eindämmung der Malaria gibt es bislang nur Tabletten, die von Reisenden prophylaktisch eingenommen werden sollen. Sie haben Nebenwirkungen, vor allem bei längerer Einnahme. Außerdem werden Moskitonetze und Insektensprays propagiert, bislang mit nur mäßigem Erfolg.

Der Impfstoff RTS,S wurde von Ruth und Victor Nussenzweig an der New York Universität entdeckt und von GSK entwickelt. Das Unternehmen hat bislang nach eigenen Angaben 300 Millionen Dollar investiert, hinzu kommen 200 Millionen Dollar der MVI. Der Impfstoff soll das Immunsystem ankurbeln, wenn der Parasit Plasmodium falciparum erstmals in die menschliche Blutbahn eindringt. Das ist der Fall, wenn die Mücke sticht, die diesen Parasiten in ihrem Speichel beherbergt. Vor allem aber soll der Impfstoff den Parasiten daran hindern, erst in der Leber eine Infektion auszulösen, und danach die roten Blutkörperchen zu infizieren.

Die Krankheit Malaria beginnt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei schwerer Erkrankung kommen Durchfall, Blutarmut, Milz- und Leberbeschwerden hinzu. In Deutschland werden jährlich bis zu 1000 Malariafälle gemeldet, die selten tödlich verlaufen. Allerdings gibt es häufig Fehldiagnosen, weil die Symptome denen einer Grippe gleichen.