Folgen des Transplantations-Skandals "Schlimmer hätte es nicht kommen können"

Das Vertrauen ist dahin: Nach dem Organspende-Skandal rechnet der Patientenbeauftragte der Bundesregierung mit einer weiter sinkenden Spendenbereitschaft. Die Manipulationen an den Uni-Kliniken Göttingen und Regensburg werden "viele Menschen das Leben kosten", warnt Wolfgang Zöller.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), befürchtet, dass der Transplantations-Skandal an den Unikliniken in Regensburg und Göttingen verheerende Wirkungen haben wird. "Was hier gemacht wurde, wird in Zukunft viele Menschen leider das Leben kosten", sagte er der Neue Ruhr Zeitung.

Gerade jetzt, da man mit dem neuen Transplantationsgesetz Vertrauen wecken wolle, gehe durch den Skandal die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung zurück. Bislang gibt es keine Erhebungen, wie der Skandal sich auf die Spendenbereitschaft der Bundesbürger auswirkt. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) berichtete allerdings in der vergangenen Woche von mindestens fünf Fällen, in denen Angehörige eine Organentnahme mit Hinweis auf den Transplantationsskandal abgelehnt hätten.

"Schlimmer hätte es nicht kommen können", sagte Zöller. "Es wird garantiert Monate, wenn nicht Jahre dauern, um das Vertrauen in die Organspende wiederherzustellen."

Zöller fordert zugleich eine "hohe Strafe" für den verantwortlichen Arzt, sofern dessen Schuld erwiesen ist. Der Arzt soll Patientenakten manipuliert haben, um ausgewählte Patienten bevorzugt mit Spenderlebern zu versorgen. So ein Mensch habe im Gesundheitswesen nichts mehr verloren, sagte Zöller. Er sprach sich dafür aus, dem Arzt die Zulassung zu entziehen. Zugleich lehnte der CSU-Politiker eine staatliche Überwachung der Organspende ab. Stattdessen brauche man nun vor allem Transparenz.

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sieht Nachholbedarf bei der transparenten Organisation der Organspende. Dies schließe die zuständige DSO mit ein: "Sie muss sich einer kritischen Selbstüberprüfung unterziehen", sagte Bahr. Die DSO war schon vor dem Organspende-Skandal wegen Missmanagement und fraglicher Anschaffungen in der Kritik. Derweil warf deren medizinischer Vorstand den Ländern vor, bei der Kontrolle der Organspenden versagt zu haben. Die Länder, "die eigentlich eine Aufsicht über die Universitätskliniken zu führen haben, die haben meines Erachtens in diesem Skandal tatsächlich versagt", sagte Günter Kirste im ZDF.

Gesundheitsminister Bahr schließt auch weitergehende Gesetzesänderungen nicht aus. "Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass Lücken im Gesetz die Manipulationen in Regensburg und Göttingen erleichtert oder begünstigt haben, müssen wir handeln", sagte Bahr den Ruhr Nachrichten.

Für Ende des Monats hat Bahr zu einer Spitzenrunde in sein Ministerium eingeladen, um über die Konsequenzen aus dem Organtransplantations-Skandal zu beraten. An dem Gespräch sollen unter anderem der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Deutsche Stiftung Organstransplantation sowie die Stiftung Eurotransplant, die Deutsche Transplantationsgesellschaft und die Bundesärztekammer teilnehmen.