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Falsche Todesdiagnosen in Krankenhäusern:Experten fordern Zusatzqualifikation für Ärzte

Für die Diagnose gilt ein umfangreiches Regelwerk der Bundesärztekammer. Dieses besagt zum Beispiel, dass "zwei qualifizierte Ärzte" übereinstimmend und unabhängig voneinander den Hirntod feststellen müssen, bevor der Totenschein ausgestellt werden kann. Als Qualifikation genügt aber "eine mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen".

Das scheint in der Praxis nicht auszureichen. "Die Ausbildung der Ärzte hat ein starkes Qualitätsdefizit", sagt der Transplantationschirurg Gundolf Gubernatis, der früher geschäftsführender Arzt der DSO war. Dabei sei die Verlässlichkeit doch unabdingbar: "Tot oder nicht tot - keine andere Feststellung in der Medizin verlangt doch so viel Genauigkeit", sagt er. Gemeinsam mit dem Neurologen Hermann Deutschmann vom Nordstadtkrankenhaus in Hannover kämpft er seit Jahren für eine Qualitätssicherung. "Die Hirntoddiagnostik ist eines der sichersten Verfahren überhaupt", sagt Deutschmann, "wenn man die Richtlinien beachtet und Erfahrungen auf diesem Gebiet hat."

Erfahrungen mit dem Hirntod können in Deutschland aber nicht einmal alle Intensivmediziner haben, sagt Gundolf Gubernatis. An kleineren Kliniken treffen Mediziner durchschnittlich nicht einmal alle zwei Jahre auf einen Hirntoten. Als Gubernatis noch bei der DSO arbeitete, hatte er deshalb ein ständig erreichbares Mobiles Konsiliarteam mit speziell ausgebildeten Ärzten eingerichtet, das auf Anfrage bei der Hirntodfeststellung half. Doch nach Gubernatis' Weggang aus der DSO wurde das Projekt in dieser Form eingestellt.

Als Mitarbeiter des Konsiliarteams hatte Hermann Deutschmann schon im Jahr 2004 festgestellt, wie häufig Ärzte Menschen fälschlicherweise für tot erklären. In rund 30 Prozent der Fälle, in denen Deutschmann als Zweitgutachter zur Hirntodfeststellung hinzugerufen wurde, konnte er die Diagnose seiner Kollegen nicht bestätigen. Deshalb fordern Gubernatis und Deutschmann seit Jahren eine von der Ärztekammer geprüfte Zusatzqualifikation für Ärzte, die den Hirntod bestimmen. Gehört wurden sie bisher nicht.

Eine ausführliche Reportage zu diesem Thema lesen Sie am Dienstag in der Süddeutschen Zeitung.