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Essstörungen:Männliche Schönheitsträume

Etwa 18 Prozent aller heranwachsenden Jungen machen sich einer neuen Schätzung zufolge extreme Sorgen um ihr Gewicht und ihr Aussehen. Das führt zu Essstörungen und anderen gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen.

Magersucht und Fressattacken gelten oft als typische weibliche Beschwerden. Das hat zur Folge, dass Essstörungen bei Jungen und jungen Männern unterschätzt werden. Darauf deuten Untersuchungen hin, die Mediziner um Alison Field vom Boston Children's Hospital im Fachmagazin Jama Pediatrics (online) vorstellen.

Sie schätzen, dass sich rund 18 Prozent aller heranwachsenden Jungen extreme Sorgen um ihr Gewicht und ihr Aussehen machen, was wiederum zu Verhaltensweisen führt, die ihre Gesundheit gefährden. Dies sei bislang nur deshalb übersehen worden, weil "Männer und Frauen sich sehr unterschiedliche Sorgen machen", erklärt Studienautorin Field.

Die Forscher berufen sich auf eine Langzeitstudie unter 5527 männlichen Teenagern, die zwischen 1999 und 2010 immer wieder befragt wurden. Dabei ergab sich, dass 9,2 Prozent der Jungen darunter leiden, dass sie vermeintlich zu wenig Muskeln haben, 2,5 Prozent fanden sich zu dünn, und 6,3 Prozent sorgten sich um diese beiden Aspekte ihres Aussehens.

Jene, die kräftiger wirken wollten, neigten dazu, Wachstumshormone und Steroide zu schlucken. Zugleich waren sie doppelt so häufig wie ihre Altersgenossen besinnungslos betrunken und starteten eher mit Drogen. Jene, die sich selbst für zu mager hielten, waren häufiger depressiv.

Insgesamt 2,9 Prozent der befragten Jungen entwickelten eine mehr oder weniger ausgeprägte Binge-Eating-Störung, litten also unter regelmäßigen Heißhungeranfällen. Fast ein Drittel berichtete zumindest über gelegentliche Fressattacken und über Erbrechen.

© SZ vom 05.11.2013/cwb/beu

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