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Erste Hilfe:Die giftigsten Tiere Europas

Am Nordseegrund lauert ein Giftfisch, am Mittelmeer können Sie auf Skorpione und Schwarze Witwen treffen. Wie Sie im Ernstfall erste Hilfe leisten.

Von Berit Uhlmann

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Quelle: Fulvio Spada; Fulvio Spada / CC by 2.0

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Angriffe durch giftige Schlangen, Spinnen oder Fische sind in Europa zwar selten, können aber sehr unangenehm werden. Was im Ernstfall zu tun ist.

Schlangen - Ruhe ist das Wichtigste

Plötzlich windet sich eine Kreuzotter über den Waldboden; am sonnigen Hang in Südwestdeutschland versperrt eine Aspisviper den Weg. Der Schreck ist in diesen Sekunden größer als die Gefahr. Denn obgleich die beiden in Deutschland heimischen Schlangen giftig sind, ist keine von ihnen wirklich bedrohlich.

Die Reptilien beißen Menschen nur selten und geben auch nicht jedes Mal Gift ab. Wenn doch, sind die Folgen in aller Regel auf Schmerzen und Schwellungen an der Bissstelle begrenzt. Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche können hinzukommen, häufig dürften sie jedoch durch Angst ausgelöst sein. Wer in Europa Urlaub macht, kann weiteren Giftschlangen begegnen und im Falle eines Bisses stärkere Symptome spüren. Lebensgefährlich ist aber keine Schlange des Kontinents.

Erste Hilfe: Die wichtigste Regel bei allen Schlangenbissen lautet: ruhig bleiben. Je weniger der Gebissene in Panik gerät, desto schwächer wird das Gift durch seinen Körper gepumpt. Dem gleichen Zweck dient auch das Ruhigstellen des gebissenen Körperteils. Es wird nach Möglichkeit geschient und flach gelagert. Bei angeschwollenem Gewebe sollten beengende Kleidung und Schmuck entfernt werden. Vom Aussaugen, Abbinden und Aufschneiden der Wunde raten Fachleute dringend ab. Diese Maßnahmen nützen nicht, sondern vergrößern nur den Gewebeschaden. Der Gebissene sollte zur Sicherheit zum Arzt oder in eine Klinik gebracht werden. Dort kann man ihn gegebenenfalls überwachen, die Wunde reinigen und die Tetanus-Impfung auffrischen.

Vorbeugen: Ruhe ist auch die beste Taktik, wenn man plötzlich vor einer Schlange steht. Das Tier wird sich in der Regel zurückziehen. Wer beim Wandern fest auftritt, vertreibt die Tiere schon von Weitem. Im Ernstfall können feste Schuhe und dicke, lange Hosen die Giftzähne abwehren.

Foto: eine Aspisviper, die in Südwestdeutschland heimisch ist.

USA: Spinnen nisten sich in Mazdas ein - Rückruf

Quelle: dpa

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Spinnen - Gefährliche Biester in einigen Teilen Europas

Wenn die Kreuzspinne ein riesiges Netz vor dem Fenster spannt und lauernd in der Mitte sitzt, ist ebenfalls keine Sorge nötig. Beißt sie in zarte Haut, kann es zwar wehtun, in der Regel ist aber nicht einmal ein Arztbesuch nötig. Auch die ebenfalls in Deutschland heimischen Spinnen der Gattung Dornfinger (Cheiracanthium) stellen keine ernste Gefahr dar.

Wer Pech hat, kann allerdings in Europa Spinnenarten begegnen, deren Bisse sehr unangenehm werden können. In Frankreich, Belgien sowie Südeuropa kommen Arten der Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus oder eingeschleppte Latrodectus mactans) vor. Während ihr Biss kaum spürbar ist, können etwa eine Stunde später starke Schmerzen und Muskelkrämpfe am Oberkörper einsetzen. Schweißausbrüche, Übelkeit - und seltener - Herz-Rhythmus-Störungen sind möglich.

In Finnland wurden eingeschleppte Exemplare der Einsiedlerspinnen (Loxosceles laeta) gefunden. Auch ihr Biss verursacht erst nach einiger Zeit starke Schmerzen. Eine gefürchtete Komplikation ist, dass Gewebe um die Bissstelle herum absterben kann. Selten treten Fieber, Schüttelfrost und Nierenversagen auf.

Erste Hilfe: In diesen Fällen sollten Patienten ins Krankenhaus gebracht und dort überwacht werden.

Foto: ein Spinne der Gattung Dornfinger

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Quelle: Roberto Pillon via Wikimedia Commons

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Fische - Hitze gegen das Petermännchen

Sie sehen unscheinbar aus und ihr Name klingt putzig, aber die Petermännchen (Trachinidae) gehören zu den gefährlichsten Gifttieren Europas. Die Fische kommen überwiegend in der Nordsee, im Atlantik, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer vor. Dort graben sie sich in Sand und Schlamm ein. Kommen Badende ihnen zu nahe, riskieren sie eine Giftinjektion aus den Kiemen- und Rückenstacheln.

Der Kontakt kann sofortige starke Schmerzen und zunehmend Schwellungen des umliegenden Gewebes hervorrufen. In seltenen Fällen können Herz-Rhythmus-Störungen und ein Kreislaufkollaps auftreten.

Erste Hilfe: Die betroffene Hautpartie sollte abgewaschen werden - egal, ob mit Salz- oder Süßwasser. Anschließend sollte der Patient zum Arzt gebracht werden. Nur wenn dies nicht möglich ist, kann vorsichtig eine Hitzetherapie versucht werden, die die Eiweiße des Giftes zerstört: Die verletzte Stelle wird mit einem heißen Föhn angepustet oder in heißes Wasser getaucht. Die Temperatur sollte gerade noch erträglich sein - und nicht länger als 30 Minuten auf die Haut einwirken.

Schutz: Badeschuhe können die Stacheln abwehren.

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Quelle: Hans Hillewaert via Wikimedia Commons

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Quallen - Essig hilft

Leucht- und Kompassquallen im Mittelmeer, Nessel- und Haarquallen an den deutschen Küsten: Die Glibbertiere können Urlaubern das Baden verleiden. Streift der Schwimmer ihre Tentakel, hinterlassen sie auf der Haut Nesselkapseln, die aufplatzen und Gift freisetzen. Das verursacht Schmerzen und Schwellungen auf der Haut. Gefährlich ist der Kontakt jedoch in aller Regel nicht.

Riskanter ist die Begegnung mit der Portugiesischen Galeere, die vor Portugal und den Kanaren vorkommt. Sie kann neben starken Schmerzen und Gewebeschädigungen auch einen Kreislaufkollaps auslösen. Kontakt mit dieser Qualle ist ein Fall für den Arzt. Ansonten gilt:

Erste Hilfe: Auf der Haut verbliebene Nesselkapseln sollten mit Salzwasser abgespült werden. Süßwasser aus der Dusche oder Flasche ist nicht zu empfehlen, denn es lässt weitere Kapseln platzen - ebenso wie das Abreiben mit dem Handtuch oder den Fingern. Essig inaktiviert die Kapseln, weshalb ihn manche Rettungsschwimmer vorrätig haben. Wer sich unsicher ist, Kreislaufprobleme oder Angst bekommt, sollte auf jeden Fall die Strandaufsicht aufsuchen.

Schutz: Sie sollten bereits um Rat fragen, wenn Sie Quallen auch nur sehen. Falls man Sie vor Giftquallen warnt, sollte der Bogen um die Tiere groß sein, denn ihre Tentakel können mehrere Meter erreichen. Auch tote Quallen und abgerissene Tentakel können noch Gift freisetzen und sollten nicht berührt werden.

Foto: eine Leucht- oder Feuerqualle (Pelagia noctiluca), die im Mittelmeer vorkommen kann.

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Quelle: unknown; Felix Reimann via Wikimedia Commons

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Skorpione - Achtung beim Campen

Skorpione gibt es nicht nur in weit entfernten Gegenden. Schon in Österreich, Schweiz und Italien können Sie den Tieren begegnen. Die gute Nachricht: Die dortigen Exemplare sind harmlos. Dagegen können die Stiche von Skorpionen aus Griechenland, Südfrankreich und Spanien starke Schmerzen auslösen. Wirklich gefährlich sind aber auch sie nicht.

Erste Hilfe: Wie bei Schlangenbissen gilt es, Ruhe zu bewahren und zur Sicherheit einen Arzt zu Rate zu ziehen.

Schutz: Skorpione greifen Menschen nicht an, solange sie einen Fluchtweg haben. Eng kann es für sie werden, wenn sie sich in herumliegender Kleidung oder Schuhen verkrochen haben und nicht rechtzeitig herauskommen. Daher sollten Textilien und Schuhe nach Möglichkeit nicht auf dem Boden aufbewahrt werden - zumindest aber vor dem Anziehen ausgeschüttelt werden. Barfußlaufen ist im Freien nicht zu empfehlen.

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Quelle: dpa

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Weitere Hinweise

Gifte können mitunter auch allergische Reaktionen auslösen. Wer bereits eine Allergie hat oder sehr heftige Symptome spürt, sollte auf jeden Fall schnelle ärztliche Hilfe suchen. Am häufigsten sind allergische Reaktionen auf Insektengifte. Mehr darüber lesen Sie hier.

Im Notfall gilt europaweit die kostenlose Telefonnummer: 112

Eine Liste der europäischen Giftnotruf-Zentralen finden Sie hier.

In Deutschland gibt es keinen bundesweiten Giftnotruf, sondern mehrere Notrufzentralen. Eine Liste finden Sie hier.

Hilfreich ist auch die App des Bundesinstituts für Risikobewertung, die über Vergiftungsunfälle bei Kindern informiert. Über einen gut sichtbaren Button kann das nächstgelegene deutsche Giftinformationszentrum angerufen werden. Hier bekommen Sie allerdings keine Informationen über Tiergifte, da sie im Vergleich zu anderen Vergiftungen selten sind. Mehr Informationen gibt es hier.

© Sz.de/chrb/jobr
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