bedeckt München

Ernährung:Fingerfood für Babys

Baby-Led Weaning: Wenn Babys ihr Essen selbst aussuchen

Baby-Led Weaning: Babys suchen sich ihr Essen selbst aus.

(Foto: dpa-tmn)

Kinderärzte und Hebammen beobachten einen neuen Trend: Statt ewig Brei essen Babys schon früh mit, was alle essen. Das könnte Vorteile haben. Solange die Methode nicht zum Dogma erhoben wird.

Von Kathrin Burger

Schon bei der Frage "Stillen oder Flasche?" werden Grabenkämpfe ausgefochten. Danach wird über die richtige Beikost debattiert: Die einen werden schon nervös, wenn ein zehn Monate alter Knirps an einer Breze lutscht, andere verabreichen ihren Kindern ungeniert überzuckerte Breis und Chips. Neuerdings beobachten Kinderärzte und Hebammen jedoch einen weiteren Trend: Das Baby isst schon viel früher am Tisch das mit, was alle essen.

Es bekommt mundgerechte Happen von dem, was es sich selbst aussucht. Das verspeist es erst mit den Fingern, später mit Besteck - sei es ein Stück Kartoffel, Brokkoli, Fleisch, Banane, Brot oder Käse. "Baby-led-weaning" (BLW) heißt das Ganze und wird seit Jahren von der ehemaligen Unicef-Mitarbeiterin Gill Rapley propagiert.

Die neue Methode wird im Internet von Eltern als äußerst unkompliziert angepriesen. Doch vor allem soll BLW auch gesünder sein, behauptet Rapley. Es sorgt angeblich für eine vielfältigere Ernährung und beugt Übergewicht vor. Tatsächlich bestätigen das mittlerweile erste Studien. Eine Untersuchung von Amy Brown, Kinderärztin an der Swansea University, mit knapp 300 Babys aus dem Jahr 2013 hat etwa ergeben, dass die Beikost-Variante zu schlankeren Kindern im Alter von 18 bis 24 Monaten führt. Zudem funktionierte der Sättigungsmechanismus besser.

Andere Studien fanden hingegen keine Unterschiede beim Body-Mass-Index. Ähnlich sieht es hinsichtlich der Vielfalt der Ernährung aus: Einige Studien haben belegt, dass BLW-Babys später seltener mäkelige Esser sind, während andere keine Unterschiede bei den Nahrungsvorlieben feststellten.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite