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Ernährung:Bislang ist nicht belegt, dass Kokosöl die Leistung steigert oder schlank macht

Doch genau das tun einige Menschen, etwa in der Hoffnung abzunehmen. Der Grund für die Annahme, dass Kokosöl schlank macht, sind sogenannte mittelkettige Fettsäuren (MCTs) wie die Caprin- und die Caprylsäure, die in Kokosöl zu finden sind. Diese Fette werden anders verstoffwechselt: Beim Abbau von MCT-Fetten werden Ketonkörper gebildet, die Sättigung signalisieren. Zudem haben MCT-Fette einen um zehn Prozent niedrigeren Energiegehalt als langkettige Varianten. In Humanstudien mit aufgereinigten MCT-Fetten konnten allerdings keine anhaltenden Schlankmachereffekte belegt werden.

Nach Einschätzung der DGE sind sie darum kein geeignetes Mittel, um langfristig Gewicht zu verlieren. Ein Grund dafür könnte sein, dass Kokosöl nur zu etwa 14 Prozent aus "echtem" MCT-Fett besteht. Die 50 Prozent Laurinsäure, die in Kokosöl enthalten sind, werden ähnlich wie langkettige Fettsäuren verstoffwechselt. Trotzdem wird Laurinsäure häufig chemisch zu den MCT-Fetten gezählt. "Man kann nicht die Wirkung von MCT-Fetten einfach auf Kokosöl übertragen", sagt Miriam Clegg, Ernährungswissenschaftlerin an der Oxford Brookes University. Sie hat 2017 in einer Humanstudie gezeigt, dass Kokosöl nicht dieselbe Wirkung auf Sättigungsmechanismen hat wie reine MCT-Fette.

Auf diesem Missverständnis basieren auch andere dem Öl zugesprochene Effekte. So geht unter Hobby-Sportlern das Gerücht um, dass Kokosöl wegen seiner MCT-Fette schnell Energie liefere, die Zuckerreserven in den Muskeln schone und darum ideal für den Wettkampf sei. Nach Informationen der International Society of Sports Nutrition ist allerdings bis dato nicht belegt, dass MCT-Fette, geschweige denn Kokosöl, zu einer längeren Belastbarkeit und damit besseren Leistungen führen.

Nicht einmal als Hautpflegemittel ist das Öl besonders geeignet

Gegen Alzheimer soll das Öl helfen, weil das Gehirn die Ketonkörper als Energielieferanten nutzen kann. Da bei der Demenz die Nervenzellen Probleme mit der Energieversorgung haben - so lautet die These der Kokosöl-Verfechter - könnte das Öl zur Alzheimer-Therapie taugen. Laut der pharmakritischen Zeitschrift "Gute Pillen - schlechte Pillen" "fehlt es jedoch für den gesundheitlichen Nutzen von Kokosöl an Belegen". Noch weniger Fakten gibt es zu den anderen kolportierten Wunderwirkungen des Fettes. Zwar machte ein Abkömmling der Laurinsäure in Tiermodellen und In-Vitro-Versuchen Viren und Bakterien den Garaus. Human-Studien, die einen Nutzen von Kokosöl-Konsum gegen HI-Viren belegen, gibt es jedoch keine einzige.

Manche Kokosliebhaber spülen sich mit dem Öl nach dem Aufstehen den Mund, weil sie glauben, auf diese Weise schädliche Bakterien abzutöten und den Körper zu entgiften. Tatsächlich zeigen einzelne Studien, dass das Bakterium Streptococcus mutans, das Mundgeruch und Karies verursacht, dadurch dezimiert wird. Das funktioniert allerdings auch mit antibakteriellem Mundwasser.

Noch weniger Belege gibt es für die Annahme, dass Kokosöl den Körper entgiftet, also zu einer Art Detox-Kur taugt mit der Folge, dass chronische Müdigkeit oder Migräne seltener werden. Nicht einmal als Hautpflegemittel ist das Öl der Kokosnuss besonders geeignet. "Gegen trockene Haut, Neurodermitis oder Falten gibt es wesentlich wirksamere Pflegeprodukte", sagt Christiane Bayerl, Dermatologin an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Und bei Akne ist von Kokosöl sogar abzuraten: Laut Bayerl kann es wie andere Öle auch zu mehr Mitessern führen. Das Hautbild wird dann sogar eher noch verschlechtert.

Ernährung Weder Gift noch Superfood

Kokosöl

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