Ernährung Begünstigen Emulgatoren Krebs?

Eine Studie an Mäusen zeigt: Manche Zusatzstoffe in Lebensmitteln könnten das Wachstum von Darmtumoren fördern. Doch das Experiment hinterlässt Zweifel.

Von Hanno Charisius

Am besten passt wohl die Bezeichnung "erstes Indiz" für die Ergebnisse einer neuen Studie an Mäusen. Sie soll zeigen, wie verbreitete Lebensmittelzusatzstoffe das Wachstum von Darmtumoren fördern könnten. Die Untersuchung hat allerdings einige Schwächen.

Im Test regten zwei Hilfsstoffe der Lebensmittelindustrie im Darm der Versuchstiere die Vermehrung von Bakterien an, die leichte Entzündungen im Verdauungstrakt auslösen. Das war von dem gleichen Wissenschaftlerteam bereits im Vorjahr demonstriert worden. Im neune Versuch wurden Emulgatoren auch an Mäusen getestet, die bereits durch Chemikalien ausgelöste Tumoren im Darm hatten. In dieser Versuchsgruppe beschleunigte sich durch die Entzündungsprozesse das Wachstum der Geschwüre. In Mäusen ohne chemisch verursachte Tumoren entwickelte sich allerdings über den Versuchszeitraum hinweg auch nicht mehr Krebs, als bei den Kontrolltieren, die keine Emulgatoren bekommen hatten.

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Die Forscher um den Mikrobiologen Benoit Chassaing von der Georgia State University in Atlanta folgern dennoch, dass die Zusatzstoffe das fein austarierte Gleichgewicht der dort lebenden Mikroben durcheinanderbringen, was letztlich Krebs begünstigen könne.

In ihrem Versuch verfütterten die Wissenschaftler die Emulgatoren Polysorbat-80 (auf der Verpackung gekennzeichnet als E 433) und Carboxymethylcellulose (E 466) zwölf Wochen lang an Mäuse. Nahrungsmittelhersteller mischen diese Stoffe unter anderem als Bindemittel in ihre Produkte. In früheren Untersuchungen der Sicherheitsbehörden hatte keiner der beiden Zusatzstoffe schädliche Eigenschaften gezeigt, allerdings liefen diese Tests über kürzere Zeiträume und die Zusammensetzung der vielen hundert Bakterienarten im Darm der Tiere wurde nicht gezielt untersucht.

Die neue Studie zeigte außerdem, dass Mäuse, die Emulgatoren bekommen hatten, etwas mehr Gewicht zulegten als Tiere aus der Vergleichsgruppe ohne Zusatzstoffe. Sie fraßen auch mehr und hatten einen gestörten Zuckerhaushalt. Chassaing und seine Kollegen sehen in den Bakterien die Ursache für diese Unterschiede und nicht in den Emulgatoren selbst. Inwieweit das auch für den Menschen gilt, müsse im Detail untersucht werden.

Der Verdauungstrakt von Mäusen ist kaum mit dem von Menschen zu vergleichen, der Aufbau ist anders, auch die Mikroben unterscheiden sich. Die verwendeten Mäuse könnten auch besonders empfindlich auf die Emulgatoren reagiert haben. Und in dem Experiment hatten die Tiere in Bezug auf ihre Körpergröße eine so große Menge an diesen Zusatzstoffen bekommen, wie ein Mensch unter normalen Umständen kaum zu sich nehmen kann. Bislang weiß allerdings niemand genau, wie viel von diesen Stoffen ein Mensch überhaupt zu sich nimmt.

Chassaing und seine Kollegen untersuchen derzeit, ob andere Zusatzstoffe ähnliche Wirkung zeigen. Für Lecithin aus Sojabohnen kann der Forscher bereits sagen, dass die entzündungsfördernden Effekte in Mäusen kleiner sind als bei E 433 und E 466. Auch Untersuchungen an Menschen hat er geplant.

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