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Öffentliche Gesundheit:Die großen Lebensretter

Jenseits der Hightech-Medizin gibt es erstaunlich einfache Mittel, die Gesundheit der Menschen enorm zu verbessern. Eine Würdigung unterschätzter Errungenschaften.

Von Berit Uhlmann

Lebensretter der Medizin
(Foto: Peter M Hoffmann)

Die Macht des Zettels

Einige Ärzte waren geradezu beleidigt über die primitive Arbeit, die ihnen der Intensivmediziner aus Baltimore aufbürdete, und die er noch dazu von Pflegekräften überwachen lassen wollte. Der Intensiv-Fachmann Peter Provonost war Anfang des 21. Jahrhunderts angetreten, ein vermeidbares Problem zu lösen: Infektionen, die sich Patienten zuzogen, wenn ihnen ein zentraler Venenkatheter gelegt wurde - ein Schlauch, der Medikamente in den Körper leitet. Zehntausende Menschen starben jährlich allein in den USA an den Folgen. Provonosts Lösung war ein Blatt Papier, auf das er fünf Schritte schrieb, die die Ärzte während der Prozedur beachten müssen - beginnend mit dem Händewaschen. Nichts davon war neu oder auch nur anspruchsvoll. Der Ansatz war "absurd simpel", wie später geschrieben wurde. Revolutionär aber war das Beharren Provonosts, dass Ärzte diese Punkte bei wirklich jedem Patienten abhakten. Der Effekt war gewaltig: Die Zahl der Katheter-Infektionen, die zuvor elf Prozent aller Patienten plagten, sank binnen eines Jahres auf null. Mittlerweile sind solcherart Checklisten weitverbreitet; sie dürften unzählige Leben gerettet haben. Zugleich trugen sie zu einem Kulturwandel in der Medizin bei: einzugestehen, dass Fehler, und seien sie noch so banal, passieren können - und sie im Team zu verhindern.

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