Epidemie in Westafrika Mali erklärt Ebola für besiegt

  • In Mali hat es seit 42 Tagen keinen neuen Fall einer Ebola-Infektion mehr gegeben. Damit gilt das Land nach den Vorgaben der WHO als frei von Ebola.
  • Auch in Liberia sinkt die Rate der Neuinfektionen.
  • Sorge bereitet Hilfsorganisationen, dass in einigen westafrikanischen Ländern die Gesundheitssysteme infolge der Krise zusammengebrochen sind. In Teilen von Sierra Leone und Guinea werden neue Ebola-Fälle gemeldet.

Seit 42 Tagen keine neuen Fälle in Mali

Die Ebola-Epidemie im westafrikanischen Mali ist offiziell für beendet erklärt worden. 42 Tage lang seien keine neuen Fälle der Erkrankung gemeldet worden, erklärte der malische Gesundheitsminister Ousmane Koné. Den Angaben des Ministers zufolge wurde Anfang Dezember der letzte wegen Ebola behandelte Patient negativ auf das Virus getestet. Mali habe die Ebola-Epidemie "hinter sich gelassen", erklärte der für die Bekämpfung von Ebola in Mali zuständige UN-Vertreter Ibrahim Soce Fall. Nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zwei Inkubationsperioden von 21 Tagen ohne neue Fälle von Ebola nötig, damit ein Land als von der Epidemie befreit betrachtet werden kann.

Rate der Neuinfektionen sinkt

Mali war jedoch nur ein kleiner Nebenschauplatz der Seuche. Sechs Menschen waren in dem Staat mit 15 Millionen Einwohnern an Ebola gestorben, weitere zwei überlebten die Infektion. Der erste Fall wurde Ende Oktober 2014 gemeldet, als das Virus schon rund acht Monate lang in Guinea, Sierra Leone und Liberia wütete. In den drei am schlimmsten betroffenen Staaten starben bislang 8400 Menschen an Ebola.

Dort, in der unmittelbaren Nachbarschaft Malis, ist die Situation unübersichtlicher. Die WHO teilte bereits am Donnerstag mit, auch in diesen Ländern gehe die Zahl der Neuninfektionen deutlich zurück, ein WHO-Sprecher sprach von einem "ersten optimistischen Signal". Die verbesserte Lage äußert sich etwa darin, dass in Liberia in rund zwei Wochen die Schulen wieder öffnen sollen. Sie waren seit Juli geschlossen. Auch einige der von den USA errichteten Behandlungszentren in Liberia sehen sich plötzlich mit einem neuen Problem konfrontiert: Es fehlen zunehmend Patienten. "Einige der US-Einrichtungen haben noch keinen einzigen mit Ebola infizierten Patienten behandelt", berichtet die New York Times. Die Rate der Neuinfektionen ist tatsächlich gesunken, wie neueste Zahlen der WHO bestätigen.

"Freetown zählt zu den kritischsten Regionen"

Ist die Epidemie also besiegt? "Für eine Entwarnung gibt es keinen Grund", warnt Tankred Stöbe, Vorstand von "Ärzte ohne Grenzen". Gerade in Sierra Leone und Guinea sei die Lage weiter kritisch, die Sterblichkeitsrate alarmierend hoch, berichtet Stöbe aus Freetown in Sierra Leone dem Evangelischen Pressedienst. "In Guinea breitet sich die Epidemie immer noch weiter aus", betont Stöbe. Besonders besorgniserregend sei, dass bisher nicht betroffene Regionen erstmals Infizierte meldeten und in diesen Gegenden Behandlungsmöglichkeiten fehlten. "Auch in Sierra Leone sehen wir keine befriedigende Entwicklung, in manchen Landesteilen breitet sich die Epidemie weiter aus, die Hauptstadt Freetown zählt zu den kritischsten Regionen." Allein in der vergangenen Woche habe das Behandlungszentrum von "Ärzte ohne Grenzen" 22 Ebola-Patienten verloren. Übertragen wird das Virus durch Körperflüssigkeiten, weshalb auch Pflegekräfte sehr gefährdet sind.

Zudem hat die nun fast ein Jahr andauernde Krise längst ganz neue Probleme erzeugt, mit denen sich die Hilfsorganisationen nun konfrontiert sehen. Viele Krankenhäuser sind geschlossen, Nicht-Ebola-Infizierte finden kaum medizinische Hilfe mehr. "Kinder sterben daher an Malaria und Durchfallerkrankungen und Mütter an Geburtskomplikationen", sagt Stöbe. Der Wiederaufbau der zusammengebrochenen Gesundheitssysteme wird wohl Jahre dauern.