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Frühe Pubertät:Die Rolle der Ernährung

Vor allem die gute Ernährung ließ die Kinder nicht nur größer und schwerer werden, sondern brachte ihnen auch eine immer zeitiger einsetzende Pubertät ein: Eiweißreiches Essen ließ sie körperlich einfach früher reifen, bis in den 1970er-Jahren das Maximum erreicht war. "Danach hat sich jahrzehntelang nichts mehr getan", sagt auch die Kinderärztin Esther Nitsche aus Lübeck, die zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie.

Dafür scheint es nun eine neue Entwicklung zu geben, von der auch Emmi betroffen sein könnte: Im Jahr 2000 hatten US-Ärzte Aufregung verursacht, weil sie bei vielen Mädchen eine besonders frühe Brustwölbung beobachteten. "Das wunderte uns Fachleute nicht sehr", sagt Nitsche. Kinder in den USA sind oft übergewichtig. Und Fett produziert Hormone, die die Pubertät im Gehirn anschalten können. Neuerdings aber deuten Daten an, dass sich Mädchen auch in Europa noch schneller entwickeln als bisher, Jungen dafür etwas langsamer. Davon berichten Dänen und Belgier - und zwar bei Kindern ohne Fettpolster.

Für Eltern klingt das wenig verlockend: Sie wünschen ihrem Nachwuchs eine möglichst lange, unbeschwerte Kindheit. Kommt die Zeit, in der das Leben durcheinandergewirbelt wird, nicht ohnehin früh genug? Außerdem beruhigt es nicht gerade, dass hinter der Entwicklung womöglich die Umweltverschmutzung mit hormonartigen Chemikalien stecken könnte, die sogar Eisbären am Nordpol verweiblichen sollen.

Hormone von außen könnten bei der neuerlichen Vorverlegung des Brustwachstums - sofern sie durch weitere Studien belegt wird - tatsächlich beteiligt sein, sagt Esther Nitsche. "Es mehren sich die Hinweise darauf, dass pflanzliche Hormone, wie sie in Soja enthalten sind, eine Rolle spielen könnten", sagt sie. Eine geringere Schuld trifft dagegen wohl die Umwelthormone wie Weichmacher oder den Plastikgrundstoff Bisphenol A (BPA). Denn diese führen in Tierexperimenten nur zur Verweiblichung, weil sie die männliche Entwicklung hemmen, und nicht, weil sie die weibliche vorantreiben.

Besonders beunruhigend sind die neuen Daten in den Augen von Esther Nitsche aber zunächst nicht. Denn die Mädchen sind am Ende wohl nicht schneller geschlechtsreif als bisher. "Die Entwicklung scheint etwas eher zu beginnen, sich dafür aber länger Zeit zu lassen", sagt Nitsche. So bildet sich die Brustdrüse bei Mädchen zwar im Durchschnitt wenige Monate eher als noch in den 1970er-Jahren; die Regelblutung setze aber nicht früher ein. Der Abstand zwischen beiden, der üblicherweise gut zweieinhalb Jahre beträgt, wird größer.

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