Einschlafstörungen:Wie grässlich wird der nächste Tag?

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Paradoxerweise hilft bei der Einschätzung der Einschlafzeit auch die Uhr nicht. Im Gegenteil: Wer beim Einschlafen ständig die Zeiger checkt, liegt mit seiner subjektiven Wahrnehmung besonders daneben. Wissenschaftler aus London berichteten unter dem Titel "Sleeping with the Enemy", dass Uhr-Gucker tatsächlich länger zum Einschlafen brauchen als Menschen ohne Uhr am Bett.

Doch war diese Zeit bei weitem nicht so lang, wie von den Probanden angenommen. Die Schlaf-Aufzeichnungen zeigten, dass sie in der ersten Stunde häufiger kurz aufwachten. Möglicherweise führte dies zur Fehlannahme, in dieser Zeit überhaupt nicht geschlafen zu haben. Das Gleiche könnte auch bei denjenigen passieren, die abends lange grübeln.

Falsch ist sehr häufig auch die Annahme, insgesamt viel zu wenig geschlafen zu haben. Die meisten Menschen schlafen sieben bis acht Stunden pro Nacht. Bei Menschen, die klagen, nachts kaum ein Auge zu schließen, zeigen Messungen im Schlaflabor, dass sie durchschnittlich nur 30 bis 60 Minuten weniger schlafen als Menschen ohne Probleme mit der Nachtruhe. Allerdings ist ihr Schlaf häufig unruhiger. Doch alles in allem, so Dieter Riemann, Leiter des Bereiches Schlafmedizin an der Universität Freiburg, "glauben wir heute, dass das Gehirn schon dafür sorgt, dass es ein Minimum an nötigem Schlaf bekommt."

Und noch etwas ist nicht so katastrophal, wie es sich Menschen in der nächtlichen Schlaflosigkeit ausmalen: die Leistung am nächsten Tag. Studien zeigen, dass Menschen nach einer Nacht mit wenig Schlaf tatsächlich nicht in Topform sind. Allerdings sind ihre Einschränkungen nur leicht bis mittelschwer und betreffen auch nur einige Bereiche.

Das Kurzzeitgedächtnis und die Fähigkeit zum Problemlösen leiden etwas. Die motorischen, sprachlichen und allgemein kognitiven Fähigkeiten scheinen dagegen uneingeschränkt zu funktionieren. Was nicht gut klappt, ist auch in diesem Bereich die Selbstwahrnehmung. Menschen schätzen ihre Leistungen nach einer schlechten Nacht viel miserabler ein, als sie es tatsächlich sind.

Wer sich all diese Erkenntnisse bewusst macht, bleibt gelassener und kann dadurch den Kreislauf aus Sorgen und Wachsein durchbrechen. Auch dies haben Wissenschaftler gezeigt. Und selbst wenn der Schlaf tatsächlich einmal nicht kommt, ist dies kein Drama. "Gelegentliche Schlafstörungen sind normal - vor allem nach aufwühlenden Erlebnissen. Wir wären emotionale Eisblöcke, wenn wir belastende Erfahrungen komplett ausblenden könnten", sagt Riemann.

Erst wenn das Einschlafen über Wochen oder Monate schwerfällt, liegt möglicherweise eine ernsthafte Schlafstörung vor, die am besten von einem Schlafmediziner untersucht und behandelt werden sollte. Adressen von Schlaflaboren finden Sie hier.

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