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Drogen:Ohnmacht nach dem Dampfen

Gebrauch von E-Zigaretten

Viele E-Zigaretten-Dampfer sind mittlerweile verunsichert.

(Foto: dpa)
  • Mindestens acht Jugendliche aus Bremerhaven mussten nach dem Konsum von E-Zigaretten oder E-Shishas im Krankenhaus behandelt werden. Sie litten an Bewusstseinsstörungen, Schwindel und Krämpfen.
  • Damit unterscheiden sie sich von den Fällen, die derzeit in den USA beobachtet werden. Hier stehen Lungenprobleme im Vordergrund.
  • Als Ursache wird in beiden Ländern der Missbrauch der Dampfgeräte diskutiert.

Erst kam die E-Zigarette oder die E-Shisha, dann das Krankenhaus. Acht Jugendliche mussten in der vergangenen Woche stationär behandelt werden, nachdem sie die elektronischen Geräte benutzt hatten. Die 15- bis 17-Jährigen litten an Bewusstseins- und Gedächtnisstörungen. Einige hatten das Bewusstsein ganz verloren. Auch Krampfanfälle, Herzrasen und Schwindel traten auf. Über das Wochenende seien vier bis sechs weitere mögliche Fälle hinzugekommen, sagt der Leiter des Bremerhavener Gesundheitsamtes Ronny Möckel. Die Jugendlichen stammten aus verschiedenen Stadtteilen; soweit bekannt, hatten sie keinen Kontakt zueinander.

Der Grund der Beschwerden ist bisher noch nicht geklärt. Für das Gesundheitsamt sind jedoch sogenannte Räuchermischungen die wahrscheinlichste Ursache. Ihnen werden häufig synthetische Cannabinoide zugesetzt. Deren Wirkung kann weit stärker sein als die von herkömmlichem Cannabis, sie ist oft schwer zu kalkulieren. "Es ist noch nicht klar, ob die Jugendlichen überhaupt wussten, was sie konsumierten", sagt Möckel.

Die Fälle in Bremerhaven unterscheiden sich von den Vorkommnissen, die derzeit in den USA Schlagzeilen machen. 34 Menschen - überwiegend junge - sind nach dem Konsum von E-Zigaretten gestorben; mehr als 1600 erkrankt. Allerdings stehen bei den US-Patienten Lungenprobleme im Vordergrund: Atemnot, Husten und Brustschmerzen traten auf, daneben Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber.

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In den USA verdichten sich die Hinweise, dass illegales THC die Ursache der Beschwerden ist

Auch in den USA ist die Ursache noch nicht abschließend ermittelt. Doch es scheint, dass wie bei den deutschen Fällen weniger die E-Zigarette per se, als ihr Missbrauch für die Leiden verantwortlich ist. Die Betroffenen in den USA berichteten sehr häufig, ihre E-Zigaretten mit dem Cannabis-Inhaltsstoff THC befüllt zu haben - beschafft offenbar überwiegend auf dem Schwarzmarkt.

Diese Vermutung untermauert auch eine aktuelle Untersuchung von insgesamt 53 Patienten aus dem Bundesstaat Utah: 49 von ihnen gaben an, THC mit oder ohne Nikotin gedampft zu haben. Die meisten von ihnen konsumierten ein- bis fünfmal täglich den Stoff, der fast ausschließlich aus illegalen Quellen stammte. "Das legt nahe, dass die Substanzen in diesen Produkten oder die Art, wie sie erhitzt und vaporisiert werden, eine wichtige Rolle in diesem Ausbruch spielen", schreiben die Wissenschaftler aus Utah in dem wöchentlichen Report der US-Gesundheitsbehörde CDC. Alle bisher an der Aufklärung beteiligten Institutionen und Forscher betonen jedoch, dass die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist.

Die Auswirkungen der US-Fälle sind auch in Deutschland zu spüren. Zumindest legt eine Umfrage des Bündnisses für Tabakfreien Genuss unter 600 E-Zigarettenhändlern nahe, dass die Nachfrage nach den Produkten sinkt. Mehr als die Hälfte der Händler verzeichnete in den vergangenen Wochen Umsatzrückgänge zwischen 30 und 40 Prozent. Fast ein Fünftel der Befragten büßte mehr als die Hälfte ihres Umsatzes ein.

Es wäre bedenklich, wenn ausstiegswillige Konsumenten stattdessen zum Tabak zurückkehrten. Denn E-Zigaretten sind höchstwahrscheinlich weniger schädlich für die Gesundheit als ihr traditionelles Pendant. Der Präsident des Bundesinstitut für Risikobewertung, Andreas Hensel, sagte vor wenigen Tagen: "Konsumenten von E-Zigaretten in Deutschland drohen nach aktuellem Kenntnisstand keine erhöhten Risiken, sofern sie Produkte verwenden, die europäischen und deutschen Regelungen entsprechen." Die Behörde riet jedoch davon ab, die Liquids selbst zu mischen.

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