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Diabetes-Risiko:Schlaf, Blutzucker und Insulin

Dass sich ein gestörter und verkürzter Schlaf negativ auf den Zuckerstoffwechsel und damit auch auf eine Neigung zu Diabetes und Übergewicht auswirken kann, gilt mittlerweile als gesichert.

2009 hatte Naresh Punjabi von der Johns Hopkins University in Baltimore in einem Übersichtsbeitrag für das Fachmagazin Drugs mehr als 80 Artikel ausgewertet, in denen der Zusammenhang von Schlaf, Blutzucker und Insulin beschrieben wurde.

Demnach ist der Schlaf nicht nur ein Zustand des passiven Stoffwechsels, sondern ein wichtiges Regulativ für ausgeglichene Hormonspiegel und andere physiologische Vorgänge. Im Wachzustand ist beispielsweise der Transport des Zuckers aus dem Blut in die Zellen am stärksten ausgeprägt, während des Schlafs ist er am niedrigsten.

Mangelnder Schlaf stört Regulation der Hormone

"Etliche Hormone wie Cortisol und das Wachstumshormon weisen ebenfalls einen Tagesrhythmus auf", sagt Felix Beuschlein, Hormonexperte an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

"Ein gestörter Schlaf kann die fein abgestimmte Regulation der verschiedenen Hormone empfindlich stören." Cortisol und Wachstumshormon erhöhen den Blutzuckerspiegel.

Im Schlaf ist die Konzentration der beiden Hormone erniedrigt, am frühen Morgen sowie zu jeder Zeit nach dem Wecken steigt sie an - und davon abhängig erhöht sich auch die Zuckerkonzentration im Blut und damit ebenfalls die potentielle Diabetesneigung.

"Nach einem Transatlantikflug oder einem Nachtdienst dauert es mehrere Tage, bis sich der übliche Rhythmus der Hormone wieder eingependelt hat", sagt Beuschlein.

Der Endokrinologe hält die Studienergebnisse aus den Niederlanden für plausibel, auch wenn der kausale Zusammenhang und die molekularen Mechanismen den Forschern noch unklar sind.

"Der Umkehrschluss für den Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Blutzuckeranstieg gilt allerdings keineswegs - mit einer Schlaftablette kann man keinen Diabetes heilen", sagt Beuschlein.

Womöglich bietet ein geruhsamer und ausreichender Schlaf jedoch ein wenig Hoffnung für jene Menschen, die Probleme mit ihrer Figur haben. Verschiedene Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass gesunde Freiwillige vor allem morgens mehr essen, wenn sie weniger geschlafen haben als sonst.

Auch hier sind es vermutlich aus der Balance geratene Konzentrationen der Hormone, die den Appetit anregen und die Energiezufuhr steigern. Während belegt ist, dass zu wenig Schlaf dick machen kann, spricht leider wenig dafür, dass sich Fettleibige mit ausreichend Schlaf eine Diät sparen könnten - auch wenn populäre Ratgeber wie "Schlank im Schlaf" anderes suggerieren.

© SZ vom 06.05.2010/cosa
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