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Behandlung der Depression:Lichttherapie, Sport und Ernährung

Lichttherapie

Bei der Lichttherapie werden Patienten mit künstlichem Licht bestrahlt, aus dem der potenziell schädliche UV-Anteil herausgefiltert wurde. Die Lampen bringen es auf Lichtstärken zwischen 2500 und 10 000 Lux. Der Wert ist deutlich stärker als eine herkömmliche Zimmerbeleuchtung, die es auf maximal 800 Lux bringt. Er reicht aber nicht an einen Sommertag heran, bei dem selbst unter einer Wolkendecke noch 20 000 Lux erreicht werden.

Abhängig von der Beleuchtungsstärke sollen Patienten täglich eine halbe bis zwei Stunden direkt in die Lichtquelle sehen. 60 bis 90 Prozent der Patienten mit einer saisonal auftretenden Depression, auch Winterblues genannt, sprechen auf die Methode an. Allerdings lässt die Wirkung schnell wieder nach, weshalb sie die gesamte dunkle Jahreszeit über angewendet werden sollte. Die Wirkung bei einer nicht saisonabhängigen Depression ist weniger gut belegt.

Die Kassen übernehmen die Kosten für die Lichtbehandlung nicht. Sie verweisen darauf, dass Licht auch bei Bewegung unter freiem Himmel seine Wirkung entfalten kann. Der Igel-Monitor, der Selbstzahlerleistungen bewertet, hält die Lichttherapie bei der Winterdespression für "tendenziell positiv", gibt aber zu bedenken, "dass ein Spaziergang bei Helligkeit nicht nur den Lichtmangel ebenso gut ausgleicht wie eine Lichttherapie, sondern die Bewegung an der frischen Luft sich zusätzlich positiv auf die Gesundheit auswirken könnte".

Keine Alternative sind Solarien. Denn um eine antidepressive Wirkung zu entfalten, muss das Licht über die Augen aufgenommen werden. Auf der Sonnenbank sollten die Augen jedoch geschützt werden, denn die dort verwendete Strahlung mit ihrem hohen UV- Anteil kann das Sehorgan schädigen.

Sport

Dass Sport antidepressiv wirkt, ist wissenschaftlich nicht klar belegt. Eine Forschergruppe der strengen Cochrane Collaboration sichtete 32 internationale Studien mit knapp 1.900 Patienten, die an Bewegungsprogrammen gegen Depressionen teilgenommen hatten. Getestet wurden über 16 Wochen Ausdauersportarten, wie Joggen, Walken, Radfahren sowie Krafttraining. Fazit: Der Effekt ist eher gering.

Ärzte raten bei Depressionen dennoch zu Bewegung. Sport senkt nachweislich den Spiegel des Stresshormons Cortisol, der bei Depressions-Patienten meist erhöht ist. "Sport kann Behandlungen mit Antidepressiva oder Psychotherapie zwar nicht ersetzen, als begleitende Therapie aber durchaus nützlich sein", sagt Christine Rummel-Kluge Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig. "Um eine Wirkung zu erreichen, sollten wöchentlich drei Mal zirka 30 Minuten Ausdauersport getrieben werden."

Ernährung

Inwieweit Nährstoffe Depressionen beeinflussen, ist bislang umstritten. Einige Studien legen nahe, dass zwischen der Erkrankung und einem gravierenden Nährstoffmangel ein Zusammenhang bestehen könnte. Eine antidepressive Wirkung werden insbesondere Zink, Folsäure (Vitamin B 9), Vitamin B 12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und der Aminosäure S-Adenosylmethionin (SAM) zugeschrieben.

In einigen Studien besserten sich die depressiven Symptome durch die Gabe hoher Konzentrationen dieser Nährstoffe. In anderen nicht. Eine ausbleibende Wirkung erlebten vor allem Patienten, die keine Medikamente nahmen oder bei denen Antidepressiva nicht ausreichend anschlugen. "Aber handfeste Beweise sind das noch nicht", sagt Hubertus Himmerich, Professor an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig.

"Folsäure, Vitamin D, SAM und die Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) scheinen als Nahrungsergänzungsmittel bei Depressionen sinnvoll zu sein", so Himmerich. Unklar ist allerdings die Höhe der Dosierung. Sein Fazit:. "Eine traditionelle mediterrane Ernährung scheint auf jeden Fall eine vorbeugende antidepressive Wirkung zu haben."

© SZ.de/beu/edi
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