Demenz Wer demente Angehörige pflegt, braucht mehr Hilfe

Eine Pflegerin begleitet eine ältere Frau. Längst nicht alle Angehörigen können auf ausreichend professionelle Unterstützung hoffen.

(Foto: dpa)

Eine aktuelle Befragung zeigt, wie oft Pflegende an ihre Grenzen stoßen. Das ist erschreckend und nicht hinnehmbar.

Kommentar von Astrid Viciano

Zunächst fällt vielleicht auf, dass die Ehefrau plötzlich den Weg nach Hause nicht mehr findet. Den Schlüssel verlegt, im Supermarkt steht und vergessen hat, was sie dort eigentlich wollte. Dann hat sich die Demenz in das Leben der Familie geschlichen, das geschieht bei so vielen in Deutschland. Und für die Angehörigen beginnt ein Kampf gegen eine Erkrankung, gegen die sie zwar kleine Siege erringen, die große Niederlage am Ende aber nicht vermeiden können. Ein Kampf, der die Pflegenden oft an das Ende ihrer Kräfte bringt, das berichten 59 Prozent der Befragten im aktuellen Pflegereport der Deutschen Angestelltenkrankenkasse DAK. Eine erschreckende Zahl.

In der gleichen Befragung fordern Angehörige daher mehr Unterstützung in der Pflege der Menschen mit Demenz. Völlig zu Recht. Noch viel zu oft werden die Familien der 1,6 Millionen Demenzpatienten in Deutschland mit der Erkrankung allein gelassen. Bis sie nicht mehr können. Dabei wissen Mediziner längst, dass Familienmitglieder, die gut über die Krankheit informiert und im Alltag unterstützt werden, seltener an Depressionen leiden als andere.

Hilfe ist nötig, von Seiten der Ärzte, der Krankenkassen, der Gesellschaft.

Es beginnt schon damit, dass oft keine klare Diagnose gestellt wird. An welcher Form von Demenz leidet der Angehörige? Haben seine Gedächtnisprobleme vielleicht eine andere Ursache? Ist die Diagnose einmal gestellt, können Familien sich darauf einstellen. Waren sie vorher ungeduldig, wenn der Angehörige nicht mehr so flink war wie früher, bringen sie nach der Diagnose mehr Verständnis dafür auf.

Besonders aber brauchen Angehörige Hilfe, um die Erlebniswelt der Patienten besser zu verstehen. Ihr Verhalten wirkt nämlich oft komisch, als lebten sie in ihrer eigenen Welt. Wenn zum Beispiel der Patient, der früher eine Autowerkstatt führte, seine Frau plötzlich anweist, doch bitte gefälligst die Schrauben festzuziehen statt dumm herumzustehen. Oder wenn er nicht zum Mittagessen kommen will, weil er doch in der Werkstatt bleiben muss. Ihm zu sagen, dass er seit 15 Jahren in Rente ist und an Demenz leidet, wird ihn nur wütend machen. Stattdessen sollten Angehörige auf ihn eingehen.

Doch das können Familien nur lernen, wenn ihnen professionelle Hilfe angeboten wird. Oder wenn Angehörige sich austauschen können, wie es an manchen Kliniken bereits stattfindet. Dann wissen sie besser, wie sie aus vertrackten Situationen herausfinden. Dem ehemaligen Werkstattbesitzer etwa könnten sie dann erklären, dass die ganze Mannschaft schon in der Mittagspause sei und auf ihn warte. Dann wird der Mann zum Essen eilen, ganz ohne Zorn.

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