Medizin USA: Weniger demenzkranke Senioren

Maltherapie für demenzkranke Menschen.

(Foto: dpa)

Forscher haben nachgewiesen, was bereits aus anderen Teilen der Welt bekannt ist: Der Anteil an älteren Menschen mit Demenz nimmt ab. Grund dafür sind nicht etwa bessere Heilverfahren, sondern womöglich mehr Bildung.

Von Werner Bartens

Die Nachricht ist erfreulich, auch wenn die Ursache noch nicht vollständig geklärt ist: In den USA ist der Anteil der Senioren mit Demenz um 2,8 Prozentpunkte zurückgegangen. Ärzte um Kenneth Langa berichten im Fachmagazin JAMA Internal Medicine von dieser Entwicklung. Die Mediziner der University of Michigan in Ann Arbor haben Daten aus einer landesweiten Erhebung analysiert und insgesamt mehr als 21 000 ältere Menschen in ihre Untersuchung einbezogen. Dabei stellten sie fest, dass 2012 nur noch 8,8 Prozent der über 65-Jährigen dement waren. Im Jahr 2000 waren noch 11,6 Prozent betroffen.

Eine mögliche Erklärung für den hoffnungsvollen Trend sehen die Ärzte darin, dass unter den Patienten von 2012 ein höherer Anteil eine ausgiebige Schulbildung oder Hochschulabschluss hatte. Geistige Regsamkeit und höherer Bildungsgrad scheinen Demenz-Erkrankungen vorzubeugen - nicht nur, weil das Gehirn in Übung bleibt, sondern auch weil sich Menschen mit höherer Bildung zumeist gesundheitsbewusster verhalten.

"Das Risiko für eine Demenz scheint sich tatsächlich zu verringern"

In den kommenden Jahren werden die Babyboomer das Seniorenalter erreichen, die im Durchschnitt über eine bessere Ausbildung verfügen als vorherige Generationen. Zwischen den Jahren 2000 und 2012 nahmen in der repräsentativen Stichprobe der Senioren jedoch auch drei Risikofaktoren für Demenz zu, nämlich Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck. Womöglich hat sich das aufgrund besserer Therapiemöglichkeiten jedoch nicht so stark auf das Demenzrisiko ausgewirkt.

In früheren Studien wurde auch in anderen Ländern ein Rückgang der Demenz-Rate beobachtet. "Das Risiko für eine Demenz scheint sich tatsächlich zu verringern", sagt Kenneth Langa. "Der erwartete Anstieg, weil immer mehr Menschen immer älter werden, fällt also womöglich nicht so heftig aus wie befürchtet. Für den einzelnen Patienten und seine Angehörigen ist es natürlich trotzdem ein harter Schlag." Zwar loben die Forscher die Investitionen in Bildung, die sich allerdings nicht für alle gleichermaßen auszahlen. "Unterschiede in Bildung und Wohlstand werden auch zu Unterschieden in der geistigen Gesundheit führen - und mitentscheiden, ob Menschen im Alter noch arbeiten und selbständig leben können", sagt Altersforscher David Weir.

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