Deformierte Fingernägel Die Nagelformel

Nägel können von Patriotismus künden, aber auch von Krankheiten und Gewohnheiten.

(Foto: dpa)

Gebogen oder gerade? Möglichst kurz oder etwas länger? Wissenschaftler versuchen zu ergünden, wie Nägel richtig geschnitten werden sollten - und warum übertriebene Nagelpflege schadet.

Von Andrea Hoferichter

Manche Menschen finden Finger- und Fußnägel eklig, andere verwandeln sie in schrille kleine Kunstwerke. Cyril Rauch von der britischen University of Nottingham möchte sie verstehen. "Probleme mit deformierten Nägeln sind schon seit Hippokrates bekannt, aber die physikalischen Hintergründe des Nagelwachstums sind noch immer unklar", sagt der Biophysiker. Mit seinem Kollegen Mohammed Cherkaoui Rbati will er das ändern.

Die beiden haben auf Basis von Simulationen eine Formel entwickelt, die zum Beispiel erklärt, warum eingewachsene Nägel bei jungen Menschen und Schwangeren besonders häufig sind, warum sie vor allem am großen Zeh auftreten und warum falsches Nagelschneiden schädlich sein kann.

Ihr Modell berücksichtigt dabei, dass wachsende Nägel die Haftung auf dem Nagelbett überwinden müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Haftbereich eines Nagels zu den Seiten kürzer wird. "Deshalb müsste der Nagel hier eigentlich schneller wachsen als in der Mitte. Weil er das nicht kann, entstehen zusätzlich Scherkräfte und Querspannungen, die für die Krümmung der Nagelplatte verantwortlich sind", sagt Rauch. Wachsen Nägel schneller als sonst, zum Beispiel weil der Stoffwechsel während der Pubertät oder während einer Schwangerschaft auf Hochtouren läuft, wird das Gleichgewicht der Kräfte gestört. Dann steigt das Risiko für Deformationen.

Bedenklich findet der britische Forscher den Trend zu übertriebener Nagelpflege. "Werden die Nägel zu häufig und falsch geschnitten, kann ein Ungleichgewicht noch verstärkt und eine Deformation begünstigt werden", warnt Rauch und empfiehlt einen parabelförmigen Schnitt.

Florian Seifert von der Dermatologischen Klinik der TU München bestätigt grundsätzlich Rauchs Ergebnisse. Mit dem empfohlenen Parabelschnitt ist er aber nicht einverstanden, zumindest nicht bei den Fußnägeln. Diese sollten eine gerade Kante haben. "Wenn Nägel seitlich rund oder schräg abgeschnitten werden, und man trägt zum Beispiel einen engen Schuh, fehlt an dieser Stelle der Gegendruck durch die Nagelplatte, und das Nagelbett verkleinert sich", sagt Seifert. "Wächst der Nagel dann wieder, kann er sich seitlich einspießen." Der Freiburger Dermatologe Eckart Haneke wiederum empfiehlt, die Nägel "kurz, aber nicht zu kurz" zu schneiden. Ein weißer Rand sollte noch zu sehen sein.

Insgesamt ist die Datenlage dünn. Das Wissen fußt auf Fallstudien und klinischen Erfahrungswerten; breit angelegte Untersuchungen sind nicht zu finden. Der Schnitt ist zudem nur einer von mehreren Faktoren, die zu deformierten Nägeln führen können.

Haneke etwa nimmt an, dass Knochenveränderungen die häufigste Ursache für Deformationen sind. Auch mechanische Belastungen spielen offenbar eine Rolle. Und dass sich sogar Nichtstun negativ auf die Nagelkrümmung auswirken kann, vermeldeten kürzlich japanische Wissenschaftler. Sie hatten festgestellt, dass sich die Nägel von wenig belasteten Fingern in der Mitte besonders stark nach oben wölben.