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Covid-Impfstoffe:Schwere allergische Reaktionen sind selten

Der zweite zugelassene Corona-Impfstoff von Moderna ist ähnlich wirksam wie der bereits verfügbare. Über Nebenwirkungen ist wenig bekannt - dafür liegen nun Daten des Biontech-Vakzins vor.

Von Berit Uhlmann

Voraussichtlich in der nächsten Woche wird auch in Deutschland ein zweiter Corona-Impfstoff verfügbar sein. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am Mittwoch das Vakzin der US-Firma Moderna zugelassen. Die US-Zulassungsbehörde FDA hatte den Impfstoff kurz vor Weihnachten autorisiert. Er besteht - wie das Produkt von Biontech und Pfizer - aus Boten-RNA, die den Bauplan für das Stacheleiweiß des Coronavirus enthält. Die menschlichen Zellen produzieren für einen gewissen Zeitraum das Protein und trainieren so das Immunsystem.

Wie gut das auf Dauer funktioniert, lässt sich noch nicht absehen. Aufgrund der eingereichten Studien beziffert die EMA die Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs auf 94,1 Prozent. Das bedeutet, dass Geimpfte ein 94,1 Prozent geringeres Risiko haben an Covid-19 zu erkranken als Ungeimpfte. Der Biontech-Impfstoff wurde als 95 Prozent effektiv bezeichnet.

Noch nicht ganz sicher sind auch die Nebenwirkungen einzuschätzen. Während der Studien mit je Zehntausenden Teilnehmern traten überwiegend milde Reaktionen auf; Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle waren am häufigsten. Aus diesen Tests waren jedoch Menschen mit Allergien auf einen der in den Vakzinen verwendeten Stoffe ausgeschlossen. Nun zeigt sich, dass schwere allergische Reaktionen vorkommen können - allerdings selten.

Dies geht aus einer Publikation der US-Gesundheitsbehörde CDC hervor, die das Ausmaß der Nebenwirkungen des Biontech-Impfstoffs einzuschätzen versucht. Die Behörde hat Meldungen zu den ersten 1,9 Millionen Impfungen in den USA ausgewertet. Insgesamt traten 21 Fälle von schweren allergischen Reaktionen, sogenannten Anaphylaxien, auf. Das entspricht einer Häufigkeit von 11,1 Reaktionen je eine Million Impfdosen. Die CDC hält es für möglich, dass die tatsächliche Quote etwas niedriger ist, denn Nebenwirkungen werden derzeit besonders stark wahrgenommen - und womöglich schneller gemeldet als die Zahl der verabreichten Dosen. Herkömmliche Impfungen führen Schätzungen zufolge zu 1,3 Anaphylaxie-Fällen pro eine Million Dosen.

Die meisten Betroffenen hatten bereits bekannte Allergien

Die jetzt in den USA dokumentierten Anaphylaxien äußerten sich zum Teil mit Ausschlägen oder Juckreiz, in einigen Fällen mit Atemnot. Sie sind potenziell lebensbedrohlich. Auslöser für die Überreaktionen des Immunsystems könnten der Wirkstoff oder aber Hilfsstoffe wie Polyethylenglykol sein, schreibt das Paul-Ehrlich-Institut. Die Chemikalie stabilisiert die fetthaltigen Nanopartikel, in die die Boten-RNA eingehüllt ist.

"Das Risiko eines schweren Covid-Verlaufs ist noch immer größer als das der Impfung", sagte Nancy Messonnier, die bei der CDC für Impfungen zuständig ist. "Und glücklicherweise wissen wir, wie wir eine Anaphylaxie behandeln." So kann eine Injektion mit Adrenalin, auch Epinephrin genannt, helfen. Die Mehrheit der Anaphylaxie-Fälle in den USA trat innerhalb von 15 Minuten auf - jener Zeitspanne, die auch in Deutschland zur Überwachung frisch Geimpfter vorgeschrieben ist. Hinzu kommt, dass 81 Prozent der Betreffenden diagnostizierte Allergiker waren, sie reagieren auch auf andere Impfstoffe und Medikamente. Diese Menschen können besonders gründlich beobachtet werden und tragen oft selbst Adrenalin für den Notfall bei sich.

Für das Moderna-Mittel liegen noch nicht genug Daten zu allergischen Reaktionen vor. Einen Vorteil gegenüber Biontechs Vakzin aber hat der neue Impfstoff sicher: Er muss weniger stark gekühlt werden.

© SZ
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