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Covid-19:Forscher geißeln Gerüchte um das neue Coronavirus

FILE PHOTO: A medical worker holds a thermometer to check a passenger's temperature at a checkpoint as the country is hit by an outbreak of the novel coronavirus in Susong County

Temperaturkontrolle in China: Die Welt kämpft gegen das Coronavirus - und gegen Fake News.

(Foto: REUTERS)
  • Im Fachmagazin The Lancet verurteilen Infektionsspezialisten Verschwörungstheorien und Gerüchte rund um das neue Coronavirus.
  • Die Verbreitung von Falschinformationen erschwere die Bekämpfung der Epidemie und die internationale Zusammenarbeit.
  • Zuletzt war das Gerücht verbreitet worden, das Coronavirus habe keinen natürlichen Ursprung, sondern stamme aus einem Labor.

Von Christoph von Eichhorn

Außerhalb Chinas verbreiten sich die Gerüchte über das neue Coronavirus schneller als der Erreger selbst. Angesichts einer Flut von Fake News über das Virus reagieren nun 27 hochrangige Infektionsspezialisten mit einem offenen Brief. Im medizinischen Fachblatt The Lancet entlarven sie Falschinformationen.

"Die schnelle, offene und transparente Weitergabe von Daten über den Ausbruch wird nun von Gerüchten und Falschinformationen zu seinem Ursprung bedroht", heißt es in dem Statement. In Sozialen Netzwerken war etwa die Verschwörungstheorie aufgekommen, dass der Erreger der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 im Wuhaner Institut für Virologie erzeugt worden sei.

Zuletzt hatte der US-Senator Tom Cotton derartigen Spekulationen Auftrieb verschafft. Dem Sender Fox News sagte der Republikaner, in Wuhan befinde sich ein Biolabor der höchsten Sicherheitsstufe 4. Es gebe zwar keine Beweise, dass das Virus von dort stamme; angesichts Chinas "Doppelzüngigkeit und Unehrlichkeit von Anfang an" müsse man aber zumindest die Frage stellen.

Analysen des Genoms weisen auf einen Ursprung in einem Tier hin

In ihrem Statement weisen Wissenschaftler wie der Londoner Infektionsspezialist Jeremy Farrar oder Christian Drosten vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung derartige Berichte zurück. Die Forscher betonen, dass Analysen des Genoms übereinstimmend auf einen Ursprung im Tierreich hindeuten. Als wahrscheinlicher Ursprungsort gilt ein Wildtiermarkt in Wuhan. "Wir stehen zusammen, um Verschwörungstheorien scharf zu verurteilen, die andeuten, dass Covid-19 keinen natürlichen Ursprung habe", heißt es in The Lancet. Verschwörungstheorien erzeugten nur Angst, Gerüchte und Vorurteile und behinderten die globale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Virus.

Auf Sozialen Netzwerken geistern mittlerweile etliche Falschmeldungen zu Covid-19 herum. So zirkulieren Behauptungen, dass der Erreger in Wahrheit eine Biowaffe sei. Oder angebliche Rezepte, wie die Erkrankung sich heilen lasse. "Wir kämpfen nicht nur gegen eine Epidemie, sondern auch gegen eine Infodemie", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz. "Fake News verbreiten sich schneller und einfacher als dieses Virus, und sie sind genauso gefährlich."

Bei der WHO kümmert sich ein Team darum, falschen Informationen in sozialen Medien sofort etwas entgegenzusetzen. Daneben geht die Organisation auch direkt auf Internetfirmen zu. Wer "Coronavirus" googelt, bekommt als Top-Ergebnisse Informationen der WHO. Wer bei Pinterest danach sucht, findet als erstes die Schaubilder der WHO, die mit Mythen aufräumen.

"Wir rufen alle Regierungen, Unternehmen und Medienorganisationen auf, die Menschen in angemessenem Umfang zu alarmieren, aber ohne die Flammen der Hysterie anzufachen", sagte Tedros in München.

In China sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg bislang 74 185 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 bestätigt, 2004 Menschen starben an der Lungenkrankheit Covid-19, die der Erreger auslöst. Außerhalb der Volksrepublik sind bisher 1101 Infektionen bestätigt, sechs Personen starben.

© SZ.de/cvei/Mit Material von dpa/hach
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