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China:Der Arzt, der zuerst vor dem Coronavirus warnte, ist tot

Wuhan Coronavirus

Provisorische Betten im Konferenzzentrum in Wuhan.

(Foto: REUTERS)

Schon Ende Dezember warnte Li Wenliang seine Kollegen vor dem Erreger. Die Polizei soll versucht haben, ihn zu stoppen. Nun starb er an den Folgen der Infektion.

Mehr als 630 Menschen sind in China bereits an den Folgen des Coronavirus gestorben. Darunter ist offenbar auch der Arzt, der zuerst vor dem Erreger warnte. Dr. Li Wenliang aus Wuhan postete am 30. Dezember 2019 in chinesischen sozialen Netzwerken Warnungen vor der Sars-ähnlichen Infektion. Er steckte sich offenbar selbst damit an und starb chinesischen Staatsmedien zufolge am Donnerstag.

In einem Gruppenchat mit anderen Ärzten warnte Li Wenliang seine Kollegen und empfahl ihnen, bei der Behandlung von potenziell Infizierten Schutzkleidung zu tragen. Vier Tage später wurde er der BBC zufolge in eine örtliche Polizeistation zitiert, wo er ein Schreiben unterzeichnen sollte. Darin wurde er beschuldigt, "falsche Behauptungen zu verbreiten" und "die öffentliche Sicherheit schwer zu stören". Offenbar wurden sieben weitere Personen beschuldigt, "Gerüchte zu verbreiten". Die Polizei entschuldigte sich später bei ihm.

Auch Wenliangs Kind soll infiziert sein

Keine zwei Wochen später postete der in einer Klinik in der Millionenstadt Wuhan angestellte Augenarzt via Weibo, einem chinesischen Bloggingdienst, dass er selber Hustensymptome zeige. Einen Tag später hatte er Fieber und wurde am Tag darauf in ein Krankenhaus eingeliefert. Vor einer knappen Woche, am 30. Januar wurde das Coronavirus bei ihm diagnostiziert.

Von diesem Tag stammt auch sein letztes Posting bei Weibo, bei dem er sich regierungskritisch äußert: "Ich frage mich, warum die Offiziellen immer noch behaupten, es gäbe keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung und dass keine Menschen in der Pflege infiziert sind."

Am Donnerstag bestätigte das Krankenhaus den Tod Li Wenliangs im Alter von 34 Jahren. Zuvor gab es Verwirrung, nachdem mehrere Medien sein Ableben erst vermeldet, dann die Meldungen aber zurückgezogen hatten. Er hinterlässt seine schwangere Frau und ein Kind, das lokalen Medien zufolge offenbar auch mit dem Coronavirus infiziert ist. Und mit ihm mehr als 30 000 weitere Menschen in China.

© SZ.de/saul
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