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Corona-Pandemie:Gefahr vom Nachbarsitz

Flugzeug

Eine Faustregel beim Fliegen lautet, dass die Plätze in unmittelbarer Umgebung eines Infizierten das größte Infektionsrisiko bergen. Sitze in derselben Reihe sowie zwei Reihen vor und hinter einem Infizierten zählen dazu. Dass dies auch für das Coronavirus gelten könnte, zeigte eine Studie aus Deutschland. Auf einem Flug von Tel Aviv nach Frankfurt steckten sieben Infizierte aus einer Reisegruppe offenbar lediglich zwei weitere der mehr als 70 Passagiere an. Die beiden waren nur durch den Gang vom Trupp der Infizierten getrennt. Niemand trug eine Gesichtsmaske. Der vergleichsweise glimpfliche Ausgang dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Luftfilteranlagen Erreger aus der Kabine befördern. Eine Garantie auf risikoloses Fliegen bietet die Sitzreihen-Schätzung indes nicht. Beim Ein- und Aussteigen, beim Umherlaufen im Flieger, beim Berühren von Griffen und Klinken gibt es weitere Ansteckungsmöglichkeiten. So infizierte sich auf einem Flug von Italien nach Südkorea eine Frau höchstwahrscheinlich während sie die Toilette aufsuchte. Es ist daher ratsam, die Maskenpflicht unbedingt einzuhalten und den Sitz während des Flugs nicht zu verlassen. Wer mit wenig Handgepäck reist, vermeidet lange Staus beim Ein- und Aussteigen.

Zug

Auch im Zug ist offenbar der Sitz neben einem Infizierten am gefährlichsten. Chinesische Wissenschaftler haben die Krankengeschichten und Reisepläne von mehr als 2000 Patienten und 72 000 Kontaktpersonen ausgewertet. Es zeigt sich: Wer neben einem Infizierten saß, hatte ein Risiko von 3,5 Prozent, sich anzustecken. Allerdings wurde nicht berücksichtigt, ob sich die Sitznachbarn kannten, also etwa zu einer Familie oder einem Arbeitsteam gehörten, und so auch in anderen Situationen Kontakt hatten. Blieben zwischen Infizierten und Passagier mindestens zwei Sitze frei, sank das Risiko unter ein Prozent. Ebenso klein war die Gefahr auch für Reisende, die vor oder hinter dem Menschen mit Infektion saßen. Einen Einfluss hatte auch die Zeit, die die Menschen im Zug verbrachten. Nach zwei Stunden gemeinsamer Fahrt kann ein Abstand von 2,5 Meter nicht mehr ausreichen, um eine Ansteckung zu vermeiden, schreiben die Forscher. Auch wenn das Risiko nicht allzu groß ist, kann es sinnvoll sein, die Zeit im Zug so kurz wie möglich zu halten, sofern möglich, einen Platz Abstand zum nächsten Passagier zu lassen und - wenn nicht ohnehin vorgeschrieben - Masken zu tragen.

Ferienlager

Mehr als 100 Kinder in einem Sommercamp mitten in der Krise unterzubringen, das klingt nach einem Rezept für einen gigantischen Covid-Ausbruch. Tatsächlich wurde ein solches Vorkommnis schon dokumentiert. Im US-Bundesstaat Georgia musste ein Ferienlager eilig aufgelöst werden, dennoch hatten sich fast die Hälfte der 600 Teilnehmer mit dem Coronavirus infiziert. Dass es auch anders geht, zeigten hingegen vier Ferienlager in Maine, in denen insgesamt fast 650 Kinder und 380 Angestellte aus den gesamten Staaten untergebracht waren. Dafür war allerdings viel Kooperationsbereitschaft nötig. Zunächst mussten die Familien der Campbesucher mindestens zehn Tage in Quarantäne verbringen. Vor und nach Ankunft wurden Rachen- und Nasenabstriche genommen. Täglich wurde Fieber gemessen. Wer einschlägige Symptome zeigte, wurde sofort isoliert. Die Kinder waren in Gruppen untergebracht, zwischen denen es keinen engen Kontakt geben durfte. Mahlzeiten und Badbenutzung mussten daher einem strengen Zeitplan folgen. Hygieneregeln wurden permanent überprüft. Das Camp durfte zwischendurch nicht verlassen werden. Am Ende ging alles gut. Drei Personen, die nach der Anreise positiv getestet wurden, standen die Infektion in Isolation durch und steckten keine weiteren Gäste an. Das Ganze hatte freilich recht wenig mit großer Freiheit und Sommersause zu tun. Es zeigt vielmehr, wie viel nötig ist, wenn traditionelle Ferienziele auch in der Pandemie beibehalten werden sollen.

© SZ

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