Corona-Pandemie:Boostern? Gerne, aber erst die Risikopatienten

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Coronavirus - Schweiz

Schnelle Auffrischungen könnten sehr wahrscheinlich einen Ausweg aus der Krise ebnen.

(Foto: Michael Buholzer/dpa)

Auffrischung-Impfungen könnten ein Weg aus der aktuellen Krise sein. Doch die Politik hat's vermasselt. Warum jetzt mal wieder Solidarität gefragt ist.

Von Berit Uhlmann

Hätte sich die deutsche Politik in den vergangenen Wochen nicht so viel mit sich selbst beschäftigt und öfter mal nach Israel geschaut, wäre die aktuelle Situation womöglich nicht ganz so dramatisch. Israel hat gezeigt, dass sich eine haushohe Corona-Welle brechen lässt, wenn man etwa 50 Prozent der Einwohner eine Booster-Impfung verpasst. Dass die Strategie auch für Deutschland funktionieren dürfte, hat gerade eine Gruppe von mehr als 20 renommierten deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestätigt.

Theoretisch also könnten schnelle Auffrischungen sehr wahrscheinlich einen Ausweg aus der Krise ebnen, die Deutschland gerade erlebt. Nur hapert es an der praktischen Umsetzung, weil die Politik in unvergleichlicher Kurzsichtigkeit beschlossen hat, einen Großteil der Impfzentren zu schließen. Das Personal ist weg, das Equipment abgebaut, mancherorts ist das ganze Zentrum deinstalliert, weil es ein Containerbau war, von dem kein Schräubchen mehr an seinem Platz sitzt.

Die Arztpraxen dagegen kämpfen sich durch die Covid- und Erkältungssaison. Dass sie nebenher noch rasch eine massive Booster-Kampagne stemmen können, ist ausgeschlossen. Selbst wenn die niedergelassenen Mediziner die im Sommer vollbrachte Rekordleistung von 3,4 Millionen Impfungen pro Woche erneut erbringen könnten, bräuchte es fast ein Vierteljahr, bis sie die Hälfte der Deutschen geimpft haben. Weihnachtsferien sind da noch gar nicht eingerechnet.

Es ist zu hoffen, dass es gelingt, wenigstens einen Teil der Impfzentren wieder zu reaktivieren und auch Betriebsärzte stärker in die Auffrischungen einzubeziehen, damit die Kampagne mehr Tempo gewinnt.

Solange aber bleibt nichts anderes, als an die Menschen zu appellieren, weitsichtiger als die Politik zu sein - und die Solidarität mit den Gefährdetsten nicht zu vergessen. Es ist verständlich, dass viele Bundesbürger angesichts der eskalierenden Zahlen ihren Immunschutz schnellstmöglich auffrischen wollen. Es ist auch aus epidemiologischer Sicht richtig und wichtig, dass möglichst viele Menschen schnell die dritten Spritzen bekommen. Doch richtig ist auch, dass ältere und vorerkrankte Menschen sehr viel stärker von der Booster-Impfung profitieren als Jüngere, weil Durchbruchsinfektionen bei ihnen deutlich häufiger zu schweren Verläufen führen. Solange also Engpässe bestehen, müssen die Verletzlichsten erneut Vorrang haben.

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