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Coronavirus:Die kommenden Seuchen

Coronavirus - China

Das Gesundheitssystem Chinas kommt durch das Coronavirus an seine Grenzen.

(Foto: dpa)

Viren wie der Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 sind unberechenbar. Trotz der modernen Medizin müssen die Menschen auch künftig mit ihnen leben. Doch es gibt auch Grund für Optimismus.

Um kommende Plagen zu prognostizieren, braucht es keine medizinischen Vorkenntnisse. Viel wichtiger ist, ob man zu Optimismus oder Pessimismus neigt. Die Bedrohung durch Seuchen hat es immer schon gegeben, nicht erst seit Corona. Früher waren es Pest, Cholera, Tuberkulose. Mit Verbreitung der Antibiotika wurden bakterielle Leiden weniger, doch nicht die Infektionskrankheiten insgesamt. Die Seuchen der vergangenen Jahre, also Sars, Mers, Vogelgrippe, Schweinegrippe und jetzt Corona, sind vor allem viralen Ursprungs. Es wird nicht der letzte Ausbruch durch zuvor kaum bekannte Viren sein.

Jeder Virologe weiß, dass Viren schlampig sind, wenn es darum geht, sich zu vermehren. Etliche Mutationen werden an die nächste Generation weitergegeben; oft sind sie nicht überlebensfähig, doch einige kommen durch. Ganz wenige davon können wiederum Menschen plötzlich gefährlich werden. Ob dabei - und wenn ja, wann - ein "Supervirus" entsteht, ist ungewiss. Supervirus heißt ein Erreger, der eine große Gefahr für die Menschheit darstellt, da er sich schnell ausbreiten kann und mit schweren Symptomen einhergehen würde.

Ob es überhaupt zu diesem tragischen Zufall kommt, kann niemand vorhersagen. Es könnte morgen geschehen, übermorgen, nächstes Jahr, in zehn oder in hundert Jahren - vielleicht auch nie. Die Prognose ist nicht einmal eine Frage der Wahrscheinlichkeitsrechnung, dazu spielen zu viele unbekannte Faktoren eine Rolle, sondern ob man eben optimistisch oder pessimistisch in die Welt schaut.

Die Erreger haben meistens kein Interesse daran, Menschen zu töten

Der aktuelle Corona-Ausbruch geht zwar mit bedrückenden Zahlen an Infizierten und Todesopfern einher. Derzeit ist aus virologischer Sicht aber trotzdem noch nicht vom Supervirus die Rede. Das kann sich ändern. Mit dieser Ungewissheit werden wir auch künftig umgehen müssen, der wissenschaftlichen Fortschritte zum Trotz. Denn Viren sind unberechenbar. Zudem werden Plagen häufiger. Die globale Mobilität, das Vordringen in bisher kaum erschlossene Weltgegenden, die Nähe zu anderen Lebewesen, das alles trägt dazu bei.

Allerdings gibt es biologische Indizien, die optimistisch stimmen. Es ist unwahrscheinlich, dass demnächst ein Seuchenzug Millionen Menschen hinrafft, denn virale Leiden schwächen sich oft ab. Die Erreger haben meistens kein Interesse daran, Menschen zu töten. Sie wollen in ihrem Wirt ein wohnliches Umfeld haben. Und je mehr Menschen infiziert sind, desto eher gewöhnt sich das Virus an "seine" Menschen und wird weniger gefährlich. Irgendwann verschwindet die Krankheit womöglich ganz oder bleibt harmlos.

Jedoch gibt es auch Gründe für Pessimismus. Wir werden damit leben müssen, dass es gegen viele virale Leiden keine Therapie gibt und keine Impfung. Insofern ist es Schönfärberei, wenn Politiker betonen, dass Deutschland auf eine neue Seuche vorbereitet wäre. Klar, eine Pandemie fände nicht so schnell so viele Opfer wie etwa in Afrika. Aber wo es keine kausale Therapie gibt, kann auch moderne Medizin wenig ausrichten. Notfallpläne kämen schnell an ihre Grenzen, wenn, wie jetzt in China, Zehntausende infiziert wären und jeder Verdachtsfall mit erhöhter Temperatur die Klinik aufsuchen würde. Kein Grund zur Panik also - aber auch kein Grund, so zu tun, als ob Deutschland immun wäre gegen kommende Leiden oder verheerende Seuchenzüge.

© SZ vom 21.02.2020
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