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Covid-19:Kann das Virus zurückkommen?

Coronavirus - Mikroskopische Aufnahme

Gefährlich, aber kaum verändert: Mikroskopische Aufnahme Coronavirus'.

(Foto: dpa)
  • Die Stabilität des neuartigen Erregers deutet darauf hin, dass Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung langfristig immun gegen ihn sein könnten.
  • In den Monaten seiner Ausbreitung um die Welt hat sich das Virus kaum verändert. Ein möglicher Impfstoff könnte demnach über Generationen hinweg wirksam sein.
  • In Deutschland soll eine groß angelegte Studie nun nach bereits gebildeten Antikörpern in der Bevölkerung fahnden.

Mehr als eine halbe Million Menschen tragen das neue Coronavirus mindestens schon in sich, ein Viertel der Weltbevölkerung ist von Isolationsmaßnahmen betroffen, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen. Daher fragen sich Fachleute wie Eingesperrte: Kann das Virus etwa wieder zurückkommen, wenn es einmal besiegt ist? Oder sind die Menschen, die sich einmal mit Sars-CoV-2 infiziert und es erfolgreich bekämpft haben, wenigstens immun dagegen?

Sicher beantworten kann die Frage derzeit niemand. Aber es gibt Hoffnung, dass der Sieg über Sars-CoV-2 ein anhaltender Sieg ist. Wenn Menschen eine Infektionskrankheit durchgemacht haben, sind sie danach in den allermeisten Fällen immun gegen diese Krankheit, oft sogar für den Rest ihres Lebens. Das gilt für Masern, Kinderlähmung und Röteln ebenso wie für viele Erkältungskrankheiten.

"Das Virus hat nur sehr wenige Mutationen auf seinem Weg um die Welt mitgemacht"

Das Problem, das die Menschheit mit einigen Viren hat, besteht in deren großer Veränderlichkeit. Grippeviren tauchen jeden Winter in einem bis zur Unkenntlichkeit umgeschneiderten Kleid auf, der Aids-Erreger HIV verändert sich so schnell, dass letztlich jeder Mensch ein eigenes Virus in sich trägt. Im Vergleich dazu scheint das neue Sars-CoV-2 - auch wenn man sich das angesichts seiner derzeit massiven Auswirkungen kaum vorstellen mag - geradezu ein Garant für Stabilität zu sein. "Das Virus hat nur sehr wenige Mutationen auf seinem Weg um die Welt mitgemacht", sagt der Virologe Georg Bornkamm, ehemals Professor am Helmholtz-Zentrum München.

Bornkamm hat das Erbgut verschiedener Sars-CoV-2-Viren miteinander verglichen. Sie stammen von Patienten aus aller Welt und wurden von Wissenschaftlern auf der Plattform Gisaid geteilt. Demnach hat sich Sars-CoV-2 selbst nach seiner langen Reise von China bis in die USA gerade mal an etwa zehn Stellen in seinem Erbgut verändert, wie auch der Molekulargenetiker Peter Thielen von der Johns Hopkins University der Washington Post sagte. "Das ist eine relativ kleine Zahl von Mutationen dafür, dass das Virus eine so große Zahl von Menschen passiert hat."

Das ist eine gute Nachricht. Die Stabilität des Virus lässt darauf hoffen, dass ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2, wenn er denn entwickelt ist, über Generationen wirksam sein wird. Dies gilt seit Langem für Impfstoffe gegen Masern, Keuchhusten und Röteln, während für das Influenzavirus jedes Jahr ein neuer Impfstoff her muss.

Wenn Sars-CoV-2 so stabil ist, bedeutet das aber noch etwas Gutes: Das Virus wird im Körper von Menschen, die schon einmal eine Begegnung mit ihm hatten, aller Wahrscheinlichkeit nach keine zweite Chance auf Vermehrung haben. Das Immunsystem bildet gegen Erreger, die es bekämpft, mit seinen Antikörpern sehr stabile, dauerhafte Waffen. Diese Antikörper und ihre spezialisierten Produktionsstätten, die B-Zellen, sind also schon da, sollte das Virus ein zweites Mal versuchen, denselben Menschen zu befallen. Sie greifen das Virus an, bevor es sich nennenswert vermehren kann.

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Gesundete Menschen könnten in Jobs arbeiten, in denen ein hohes Infektionsrisiko besteht

Dass dies nicht nur graue Theorie ist, darauf deutet eine kleine Studie chinesischer Wissenschaftler an Rhesusaffen hin. Die Forscher hatten vier Tiere mit Sars-CoV-2 angesteckt und sie vier Wochen nach ihrer Gesundung erneut infiziert. Die Tiere waren immun: Sie wurden weder krank noch fanden sich Viren in ihrem Blut. Da die Immunologie von Rhesusaffe und Mensch sehr ähnlich ist, könnte das für Menschen ebenso gelten. Es hätte Riesenvorteile: Gesundete könnten wieder zur Arbeit gehen, sie könnten Kranke pflege und in exponierten Jobs arbeiten, denn sie wären selbst weder ansteckend noch gefährdet. Allerdings ist die Immunabwehr jedes Menschen verschieden, nicht alle Infizierten produzieren gleich starke Immunantworten mit hochpotenten Antikörpern. Womöglich reagieren gerade jene, denen die Infektion nicht viel ausgemacht hat, und die sie eher symptomlos überstanden haben, ohne besonders starke Antworten. All das will noch geklärt sein.

Deshalb soll eine groß angelegte Studie, die der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig koordiniert, von April an in Blutproben von mehr als 100 000 Deutschen nach Antikörpern fahnden, wie der Spiegel berichtete. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass sich die Zahl der Immunen und der noch Gefährdeten besser abschätzen lässt.

Etwas seltsam muten angesichts all dieser Erkenntnisse Berichte aus China und Japan an, dass sich manche Menschen womöglich doch ein zweites Mal infiziert haben. Doch westliche Wissenschaftler führen dies auf fehlerhafte Tests zurück. Womöglich waren die Patienten zwischenzeitlich gar nicht virusfrei: Der Nachweis des Virus mittels PCR bringe immer wieder fälschlicherweise negative Ergebnisse hervor, sagt etwa der Corona-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité. Und Florian Krammer vom Mount Sinai Hospital in New York weist darauf hin, dass der Test nicht das Virus selbst nachweise, sondern nur sein Erbgut. Er könne also bei Genesenen erneut positive Resultate erbringen, weil das Erbgut manchmal noch da sei, wenn das Virus bekämpft wurde.

In den USA wird versucht, Schwerkranke mit Seren von Überlebenden zu heilen

Unklar bleibt allerdings, wie lange die Antikörper gegen die neuartigen Coronaviren erhalten bleiben. Könnte Sars-CoV-2 die Menschheit womöglich in ein paar Jahren erneut in Angst und Schrecken versetzen? "Wir wissen noch nicht, wie lange die Immunität anhält", sagt Isabella Eckerle, die Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen an der Universität Genf. Hinweise geben lediglich die Erfahrungen mit dem engsten Verwandten von Sars-CoV-2. Gegen das Virus Sars-CoV-1, das Anfang des Jahrtausends zum Sars-Ausbruch führte, finden sich auch nach drei bis fünf Jahren noch Antikörper im Blut von einstmals Infizierten. "Die Zeiträume sind also eher Jahre; es ist nicht so, dass man sich nach ein paar Wochen mit genau dem gleichen Virus wieder infizieren kann", so Eckerle.

Somit gibt es also - auch wenn in den Labors noch, nun ja, fieberhaft an der Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19 gearbeitet wird - bereits erste Impfstoffe, nämlich im Blut von Genesenen. Denn mit ihren Antikörpern ließen sich womöglich andere Menschen impfen. Eine solche "passive Immunisierung" sei etwas "old-fashioned", wie Florian Krammer betont. Sie wurde schon in den Anfängen der Immunologie von Emil von Behring gegen Diphtherie benutzt und zum Beispiel auch im Koreakrieg, um US-Soldaten vor dem Hantaan-Virus zu schützen. Aber es ist ein Ansatz. In unbekannten Situationen sind vertraute Strategien manchmal erstaunlich hilfreich. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat jedenfalls gerade mit einem solchen altmodischen Experiment begonnen: Die ersten Schwerstkranken haben Seren von Covid-19-Überlebenden bekommen.

© SZ vom 30.03.2020
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