Coronavirus:Visiere bieten weniger Schutz als Masken

France - Open air market of Samatan during the COVID-19 health crisis. Greengrocer wearing a protective visor behind his

Dieser Gemüsehändler in Frankreich trägt nur ein Plastikvisier; ein Mundschutz unter der Nase getragen, wie bei der Kundin, schützt wahrscheinlich nicht besser.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Zum Schutz vor Ansteckungen sind Kunststoff-Schilde als Alternative zur Stoffmaske beliebt. Wer sie trägt, könnte jedoch andere gefährden.

Von Kathrin Zinkant

Wer auch nur einmal eine längere Bahnfahrt in Corona-Zeiten macht, entwickelt eine fast natürliche Abneigung gegen Masken. Fast neidisch blickt man schon während der Fahrt auf Menschen, die anstelle des Stoffstücks im Gesicht einen Plastikschild tragen. Die Schutzvisiere kneifen nicht an den Ohren, vor allem aber lassen sie ihren Träger frei atmen - und man muss sie auch zum Essen und Trinken nicht zwingend abnehmen. Doch taugen die Dinger auch zum Infektionsschutz?

16 Sekunden nach dem Husten befand sich fast die gesamte Tröpfchenwolke vor dem Visier

Ingenieure der Florida State University zeigen im Journal Physics of Fluids nun sehr bildhaft, dass die Schilde für manche zwar angenehmer zu tragen sein mögen als Masken. Vor einer möglichen Ansteckung schützen sie jedoch - wenn überhaupt - weit weniger gut. Die Wissenschaftler belegten das anhand einer dem Speichel ähnlichen Flüssigkeit, die wie beim Husten oder Niesen in einem Stoß aus der Mundöffnung einer Dummypuppe geblasen wurde. Die Tröpfchen, die dabei entstanden, machten die Forscher mithilfe von Laserlicht sichtbar und verfolgten ihre Verteilung in der Raumluft. Die Dummys trugen entweder ein Kunststoffvisier, eine FFP-Maske mit oder ohne Ventil und zwei verschiedene Fabrikate handelsüblicher Mund-Nasen-Schutzmasken.

Obwohl das Kunststoffvisier im ersten Moment natürlich verhinderte, dass sich ein Strom von Tröpfchen als Wolke vom Gesicht weg und in Richtung eines möglichen Gegenübers bewegte, machten die Ingenieure eine erstaunliche Entdeckung: Die Tröpfchenwolke verließ den Schutzschild erst nach unten, stieg nach wenigen Sekunden jedoch wieder auf und breitete sich dann geradewegs vor dem Schild in alle Richtungen aus. Nach rund 16 Sekunden befand sich fast die gesamte Tröpfchenwolke vor dem Visier.

Auch Schutzmasken mit Ventil schnitten erwartungsgemäß eher schlecht in dem Test ab. Schließlich soll das Ventil das Ausatmen erleichtern und lässt die Luft aus der Maske ungehindert ausströmen. Allerdings zeigte die Visualisierung, dass das Ventil den Strom der Tröpfchen zumindest in den ersten zwei Sekunden effektiv steuert: Die Wolke verteilt sich nach unten oder oben, nicht aber geradeaus vom Gesicht weg. Am besten wurden die Tröpfchen in dem Test jedoch von FFP2-Masken und einer üblichen hellblauen OP-Maske gestoppt: In beiden Fällen entwich zwar ein Teil der Tröpfchen am oberen Rand der Masken vorbei nach oben. Doch gelangten in den Sekunden danach kaum Tröpfchen vors Gesicht.

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Interessant wäre gewesen, die Verteilung dieser Tröpfchen bei den Masken über den weiteren Zeitverlauf zu verfolgen, also wie bei dem untersuchten Schild über 16 Sekunden hinweg. Diese Daten für die Masken fehlen leider in der Studie. Dennoch untermauern die Ergebnisse die Empfehlungen internationaler Seuchenschutzbehörden. Sie raten vom Tragen eines Corona-Visiers als alleinige Maßnahme ab.

© SZ
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