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Covid-19:Was einen Risikopatienten auszeichnet

Wie eine Infektion mit dem Coronavirus verläuft, hängt von vielen Faktoren ab. Donald Trump weist einige von ihnen auf.

Von Berit Uhlmann

Der Leibarzt verbreitet schon einmal Optimismus: "Seien Sie versichert, dass ich erwarte, dass der Präsident während der Genesung weiterhin ohne Unterbrechung seinen Pflichten nachkommen wird", sagte der Mediziner Sean Conley. Donald Trump, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde, gehe es gut. Es ist unmöglich vorherzusagen, wie sich der Zustand des US-Präsidenten entwickeln wird. Doch seine Infektion lenkt den Blick darauf, dass die Krankheit bei bestimmten Menschen sehr schwer verlaufen kann. Statistisch gesehen gehört auch Trump zu diesen Risikopatienten.

Dazu trägt in erster Linie sein Alter bei. Mit 74 Jahren ist die Gefahr, schwer zu erkranken und zu sterben, deutlich erhöht. Eine aktuelle, wenngleich noch nicht unabhängig begutachtete Analyse kam vor einigen Tagen zu dem Schluss, dass Covid-19 "gefährlich für Menschen im mittleren Alter und extrem gefährlich für ältere Erwachsene ist". Die Autoren schätzen auf der Basis von 111 Studien, dass die Sterbewahrscheinlichkeit für einen 75-jährigen Infizierten etwa vier Prozent beträgt. Sie ist damit zehn Mal größer als bei einem 55-Jährigen.

Zum anderen deuten Beobachtungen aus vielen Ländern darauf hin, dass Männer zu einem schwereren Krankheitsverlauf neigen. US-Daten legen zugleich nahe, dass sie doppelt so häufig an Covid-19 sterben als Frauen. Die Gründe sind noch nicht klar. Doch es scheint, dass Männer jenen Rezeptor, über den das Virus die Körperzellen kapert, in größerer Zahl aufweisen. Diskutiert werden zudem Unterschiede in der Funktion des Immunsystems, der Einfluss von Hormonen sowie des Verhaltens. Männer rauchen beispielsweise häufiger und nehmen Gesundheitsbeschwerden nicht immer ernst.

Donald Trumps Body-Mass-Index fällt in die Kategorie der Fettleibigkeit

Ein weiterer Risikofaktor ist ein zu hohes Gewicht. Ein übergewichtiger Mensch mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 hat statistisch gesehen ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen schweren Verlauf als ein schlankerer Zeitgenosse mit einem BMI unter 25. Sein Sterberisiko ist etwa 3,5-fach erhöht. Ab einem BMI von 35 steigt das Risiko für schwere Verläufe sogar auf das Siebenfache an, wie eine Metanalyse der bisherigen Studien ergab. Besonders ausgeprägt war der Effekt der vielen Pfunde bei Menschen über 60 Jahren.

Trump hat dem Gesundheitsbericht zufolge, den Sean Conley im Juni dieses Jahres veröffentlichte, einen BMI von knapp über 30. Dieser Wert fällt in die Kategorie der behandlungsbedürftigen Fettleibigkeit. Bei einer Körpergröße von 1,90 Metern wiegt Trump 110 Kilogramm.

Der jüngste Bericht des Leibarztes bescheinigt Trump ansonsten eine gute Gesundheit. Wenn Trump keine chronischen Leiden aufweist und ausreichend aktiv ist, könnte dies seine anderen Risikofaktoren ausgleichen oder mildern, sagt Naveed Sattar, Experte für metabolische Erkankungen an der Universität Glasgow. Damit könne er die Infektion womöglich schnell wegstecken. Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz- und Lungenleiden gelten als ernster Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf, ebenso wie Rauchen. Medienberichten zufolge ist Trump Nichtraucher.

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Von Vorteil dürfte zudem Trumps privilegierte Situation sein. Für die USA legen Daten nahe, dass nichtweiße Menschen mit einer Covid-Erkrankung öfter eine Krankenhausbehandlung brauchen und auch häufiger an dem Leiden sterben. Ein Grund dürfte sein, dass sie häufiger Vorerkrankungen aufweisen - ebenso wie einen schlechteren sozio-ökonomischen Status. Damit haben diese Menschen einen beschränkteren Zugang zu Tests und Behandlungen. Die ökonomische Krise im Zuge der Pandemie hat die Unterschiede höchstwahrscheinlich noch verschärft. Denn es sind vor allem die Menschen aus Minderheiten, die in prekären Verhältnisse arbeiten und ihre Jobs - und damit die Krankenversicherung - am schnellsten verlieren.

Trump dagegen würde im Fall, dass sich seine Gesundheit verschlechtert, eine exquisite Behandlung erhalten. Ärzte wissen heute besser als zu Beginn der Pandemie, wie sie Patienten erfolgreich behandeln. Mit Dexamethason und Remdesivir stehen zudem Medikamente zur Verfügung, von denen man mittlerweile weiß, dass sie den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können.

Letztlich aber gilt, so sagt Sattar: "Das Risiko für eine schwere Erkrankung und den Tod hängt von vielen Faktoren ab - einige davon sind nicht messbar." Manche mögen auch noch gar nicht bekannt sein. Daher bleibt die Prognose immer unsicher. Ob nun für einen Präsidenten oder den Mann von nebenan.

© SZ/jrod
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