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Covid-19:Erkenntnisse zu den Übertragungswegen

Coronavirus

In dieser Elektronenmikroskop-Aufnahme lässt sich der Kranz der Viren erkennen. Daher der Name: Corona.

(Foto: dpa)

Während sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus infizieren, beginnen Wissenschaftler, mehr über den neuen Erreger und seine Auswirkungen zu verstehen. Viele Erkenntnisse sind vorläufig und werden im Laufe der Zeit bestätigt, ergänzt oder korrigiert werden.

Übertragungswege genauer untersucht

Wie lange hält sich der Erreger auf Oberflächen? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, sich bei Infizierten anzustecken? Forscher finden immer mehr über die Übertragungswege des Coronavirus heraus. In einer Übersicht erfahren Sie, wie sich das Sars-CoV-2 nach aktuellem Forschungsstand verbreitet und wie Menschen sich am besten schützen können.

Forscher kritisieren Medikament-Empfehlung

US-Präsident Trump empfiehlt zu Behandlung des Coronavirus das Mittel Hydroxychloroquin gegen Covid-19. Das Medikament wurde in den 1950er-Jahren zugelassen und ist seitdem zur Prophylaxe gegen Malaria und in der Behandlung diverser rheumatischer Erkrankungen im Einsatz. Das Mittel hat viele Nebenwirkungen, unter anderem bedrohliche Rhythmusstörungen bis hin zum Herz- oder Organversagen. Experten auf der ganzen Welt sind erzürnt wegen Trumps Empfehlung, denn, ob es gegen das Corona-Virus hilft, ist völlig unklar.

Tiger in New Yorker Zoo mit Coronavirus infiziert

Tigerin "Nadia" ist das erste Tier, das in den USA positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Auch weitere Tiger und drei Löwen zeigen nach Angaben des Zoos Symptome. Die Tiere haben sich offenbar bei einem infizierten Tierpfleger angesteckt.

Katze steckt sich bei Menschen mit dem Coronavirus an

Eine Katze hat sich in Belgien bei einem Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Von dem Fall berichtet die belgische Behörde für Lebensmittelsicherheit AFSCA auf ihrer Webseite. Bisher gebe es aber keine Hinweise, dass sich das Virus von Haustieren auf Menschen oder auf andere Tiere übertrage.

Die Katze in Belgien und zwei Hunde in Hongkong seien die einzige bekannten Fälle, bei denen sich Haustiere bei infizierten Menschen angesteckt hätten. Die Hunde hätten keine Symptome gezeigt, die Katze aber habe vorübergehend Atem- und Verdauungsbeschwerden gehabt. Am Freitag hatten die Gesundheitsbehörden unter Berufung auf die veterinärmedizinische Fakultät der Universität Lüttich über den Fall informiert.

Die AFSCA betonte: "Das Risiko einer Übertragung des Virus von Haustieren auf den Menschen ist im Vergleich zum Übertragsrisiko durch direkten Kontakt von Menschen untereinander zu vernachlässigen." Trotzdem werde dringend empfohlen, die üblichen Hygieneregeln zu befolgen. Dazu gehöre, allzu engen Kontakt zum Tier zu vermeiden, vor allem, wenn man selbst krank sei. Nach jedem Streicheln sollte man sich die Hände waschen und sich nicht vom Haustier im Gesicht lecken lassen, schreibt die AFSCA.

Unikliniken gemeinsam gegen Covid-19

Ein neues Bündnis der deutschen Universitätskliniken soll im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie die Patientenversorgung optimieren und sowohl die Entwicklung der Diagnostik, als auch Studien an Medikamenten gegen Covid-19 vorantreiben. Auf Initiative des Charité-Vorstandsvorsitzenden Hajo Kroemer und Christian Drosten, der an der Charité die Virologie leitet, hat Kanzlerin Angela Merkel das Bundesministerium für Bildung und Forschung dazu veranlasst, noch in diesem Jahr 100 Millionen Euro für die nötigen Strukturen eines solchen Bündnisses zur Verfügung zu stellen. 2021 werden weitere 50 Millionen in das geplante Netzwerk fließen. Das gab Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Donnerstag in Berlin bekannt.

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Nach Aussage von Drosten und Kroemer spielen die 38 großen Universitätskliniken in Deutschland in der Bewältigung der Covid-19-Krise bereits eine Schlüsselrolle, da sie einerseits der spezialisierten Forschung, andererseits aber auch den Patienten nahe stünden. Außerdem würden an den Krankenhäusern der Universitäten substanzielle Kapazitäten für die Behandlung von Erkrankten geschaffen. Man stehe zudem im engen Austausch mit den nichtuniversitären Kliniken der jeweiligen Region.

Als ein zentrales wissenschaftliches Ziel nannte Drosten das sogenannte Repurposing von bereits für andere Erkrankungen zugelassenen Medikamenten, die möglicherweise gegen das neue Virus wirksam sein könnten. Diese Arzneien sollen auch innerhalb des Netzwerks gezielt geprüft werden. "Es gibt keine andere Rettung aus dieser Situation als diese pragmatische Forschung", sagte Drosten. Wann ein Impfstoff verfügbar sein werde, ist Drosten zufolge derzeit noch nicht vorherzusagen. Auch die deutschen Forschungsorganisationen sollen sich mit ihren spezialisierten Instituten dem Bündnis anschließen. "Es könnte das erste Mal sein, dass wir alle Kräfte in der Biomedizin hinter ein Thema bekommen", sagte Kroemer. (Stand: 26.03.2020/ZINT)

Vorsicht vor gefälschten Arzneien gegen Covid-19

Die Europäische Medikamenten-Aufsicht EMA warnt vor dem Kauf angeblich verfügbarer Arzneimittel für die Behandlung von - oder den Schutz vor - Infektionen mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2. Nach Aussage der Behörde zielten unregistrierte Online-Apotheken und andere Verkäufer derzeit darauf ab, die "Ängste und Sorgen während der laufenden Pandemie mit dem neuen Erreger auszunutzen". Dabei werde oft versprochen, den Kunden Zugang zu ansonsten nicht oder nur schwer zugänglichen Medikamenten zu verschaffen, die derzeit auch im Zusammenhang mit geplanten Studien zu Covid-19 genannt werden. Dazu gehört zum Beispiel das Malariamittel Chloroquin.

Derzeit ist jedoch kein Medikament für die Behandlung einer Infektion mit dem neuen Coronavirus zugelassen, geschweige denn zum Schutz vor einer solchen. Es gibt derzeit auch noch keine wissenschaftlich belastbaren Hinweise darauf, dass verfügbare Arzneien wie Chloroquin, die für andere Erkrankungen entwickelt wurden und deshalb verfügbar sind, gegen den Erreger wirken. Zwar sind zahlreiche Patientenstudien geplant oder begonnen worden, um baldmöglichst einen effektiven Wirkstoff zu finden. Er könnte dann unter ärztlicher Aufsicht in der klinischen Therapie eingesetzt werden. Zu den Kandidaten zählen neben dem wenig aussichtsreichen Chloroquin etwa das Ebola-Medikament Remdesivir oder Mittel, die in der Behandlung von HIV-Infektionen genutzt werden. Es wird jedoch Wochen bis Monate dauern, bis Erkenntnisse aus den Studien vorliegen. Für die Bevölkerung bleibt es unterdessen bei den inzwischen oft kommunizierten Schutzmaßnahmen wie Handhygiene und einem weitestgehenden Verzicht auf persönliche Kontakte mit Menschen außerhalb des eigenen Haushalts.

Die EMA weist darauf hin, dass legale Online-Apotheken anhand eines europaweit einheitlichen Logos erkennbar sind. Das weiße Kreuz auf einem grau-grün gestreiften Hintergrund muss auf der Website der Apotheke zu sehen sein. Es ist anklickbar und führt auf die Liste registrierter Online-Apotheken in den jeweiligen Ländern. Es wird empfohlen, auch bei Käufen anderer Medikamente im Internet zu prüfen, ob die Seite registriert ist. Laut EMA ist die Wahrscheinlichkeit sonst sehr hoch, an gefälschte Arzneien zu geraten, die bestenfalls wirkungslos, oft aber sogar schädlich sein können.(Stand: 25.03.2020/ZINT)

Ob Chloroquin wirkt, ist unklar

Die aktuelle Corona-Pandemie ist auch eine Pandemie der Fragezeichen. Noch sind viele Details um das neuartige Virus unklar, die Wissenschaft tappt bei zu vielen Fragen im Dunklen. Wie tödlich ist es tatsächlich, und, ganz wichtig, gibt es ein Medikament, das helfen könnte? Insbesondere die Forschung nach Wirkstoffen gegen Sars-CoV-2 steht weltweit unter Beobachtung - und unter hohem Druck. So bezeichnete US-Präsident Donald Trump das seit vielen Jahren als Malariamittel bekannte Chloroquin als ein "starkes Medikament" für die Behandlung von Covid-19-Patienten, das man nun schon bald einsetzen könnte. Wirklich?

Tatsächlich gilt das Medikament als ein möglicher Kandidat im Kampf gegen die Corona-Pandemie, nachdem Tests mit Zellkulturen zeigen konnten, dass das Medikament auch das neuartige Coronavirus angreift. Nur: Der Weg von einer Laborstudie hin zum Menschen ist sehr weit. So weit, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit voreiligen Jubelmeldungen lieber zurückhalten. Zwar behandeln Ärzte derzeit erste Covid-Patienten im Rahmen von klinischen Tests mit Chloroquin, unter anderem in Marseille. Doch die von dort nun publizierten Ergebnisse sind eher ernüchternd. Eine erste Publikation zum Chloroquin-Einsatz weist methodische Mängel auf, die Autoren verzichteten etwa darauf, die Patienten zufällig auszuwählen. Ob Chloroquin tatsächlich einen Effekt hat, kann diese Publikation daher schlecht beantworten, die Aussagekraft der Ergebnisse ist beschränkt.

Doch die Studie ist nun in der Welt - und damit steigt die Gefahr, dass die Daten fehlinterpretiert werden. Genau davor warnten bereits in der vergangenen Woche die leitenden Redakteure des renommierten Medizin-Fachblatts Jama. Sie sehen aktuell einen hohen Publikationsdruck zu Covid-19, der zu Qualitätseinbußen führen könnte. So seien allein in ihrer Redaktion seit Jahresbeginn Hunderte Manuskripte zur Pandemie eingegangen, darunter einige mit Mängeln, die einer wissenschaftlichen Publikation nicht gerecht werden.

"Wir erkennen die Bemühungen der Autoren an, Informationen zu Covid-19 schnell zu übermitteln", schreiben die Jama-Redakteure. Sie fordern jedoch alle Autoren auf zu klären, ob zum Beispiel über in einem eingereichten Manuskript erwähnte Patienten bereits in früheren Veröffentlichungen berichtet wurde. Andernfalls könne die Einschätzung der Krankheit und ihrer Auswirkungen empfindlich verfälscht werden.(Stand: 24.03.2020/FEHU)

Desinfektion für die Psyche

Ein Roboter, der durch ein Wohnviertel im chinesischen Wuhan fährt und Reinigungsmittel in alle Richtungen zerstäubt. Busse in Kolumbien, die großflächig abgewaschen und dekontaminiert werden. Eine Moschee im Gaza-Streifen, von deren Wänden Staub gepustet wird. Das Netz ist derzeit voll mit Bildern von solchen Aktionen: Arbeiter in Schutzanzügen und Atemschutzmasken, die öffentliche Plätze, Verkehrsmittel, Hauswände und sogar Statuen desinfizieren, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Sinnvoll dürften die Reinemach-Aktionen eher selten sein. "Bei einem aerogen übertragenen Erreger, der kaum über Kontakte mit kontaminierte Flächen übertragen wird, dient eine solche öffentliche Desinfizierung nur der psychischen Beruhigung", sagt Andreas Podbielski, Chef des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Universität Rostock. Zwar zeigen Experimente, dass der Erreger Sars-CoV-2 bis zu drei Tagen auf Oberflächen wie Edelstahl und Kunststoff übersteht. Allerdings gehen Experten wie der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité davon aus, dass sich das Virus vorrangig über die Luft verbreitet, etwa infolge von Husten oder Niesen infizierter Personen.

Das massenhafte Versprühen von Desinfektionsmittel sei in doppelter Hinsicht problematisch, so Podbielski. Zum einen seien die Mittel auch schädlich für die Atemwege. Zum anderen fehlten sie dann an anderer Stelle, wo sie dringender gebraucht würden - etwa im Krankenhaus. Zudem sei bei einer Besprühung von Wänden oder Plätzen fraglich, ob die Mittel überhaupt dort ankämen, wo sie gebraucht würden. "Das landet ja nicht mal dort, wo jemand hinfasst", sagt der Hygieniker. Besser sei es, Griffflächen wie Türklinken oder Haltestangen in Bussen ganz gezielt abzuwischen.

Dennoch ist Sauberkeit wichtig, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Hierzu zählt zunächst persönliche Hygiene, wie etwa das regelmäßige Händewaschen für mehr als 20 Sekunden mit warmem Wasser und Seife. Auch die Reinigung von viel frequentierten Orten wie Einkaufszentren oder Flughäfen ist ratsam - nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie, sondern um die Verbreitung aller Krankheitserreger zu erschweren. Arbeitgeber sollten zudem darauf achten, dass häufig benutzte Flächen wie Aufzugknöpfe regelmäßig gesäubert werden.(Stand: 20.03.2020/CVEI)

WHO nimmt Warnung vor Ibuprofen zurück

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Warnung vor der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückgenommen. Das Virus Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen. Die WHO-Experten hatten Studien und Ärzte konsultiert und seien zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe. "Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab", teilte die WHO mit. Das hatte sie am Dienstag noch getan und statt Ibuprofen Paracetamol empfohlen. (Stand: 19.03.2020/DPA)

Lesen Sie hier mehr zu möglichen Wechselwirkungen zwischen dem neuartigen Coronavirus und Medikamenten.

Keine Neuansteckung bei Affen

Experimente an Makaken deuten darauf hin, dass eine Infektion mit dem Covid-19-Erreger relativ rasch zur Bildung von Antikörpern führt - und damit zu einer späteren Immunität gegen das Virus. Eine Wiederansteckung nach Genesung wäre somit ausgeschlossen.

Chinesische Forscher hatten für die Studie, die vorab auf einem sogenannten Preprint-Server veröffentlicht wurde, vier Rhesusmakaken mit Sars-CoV-2 infiziert. Drei von vier Affen verloren daraufhin Gewicht und zeigten andere Zeichen einer Erkrankung. Nach drei Tagen erreichte die Virenlast im Körper ein Maximum und fiel dann allmählich ab. Eine Woche nach Infektion schläferten die Wissenschaftler einen Makaken ein und untersuchten sein Lungengewebe. Dort fanden sie typische Anzeichen einer Lungenentzündung, wie sie auch bei infizierten Menschen auftritt.

Die übrigen Affen erholten sich von der Erkrankung, vier Wochen nach Infektion konnte kein Virus mehr bei ihnen nachgewiesen werden. Zu diesem Zeitpunkt infizierten die Wissenschaftler die verbliebenen Affen erneut mit der gleichen Virenmenge - einer beträchtlichen Dosis von einer Million "infektiösen Einheiten". Zwar stieg die Temperatur der Tiere etwas an, doch das Virus vermehrte sich nicht mehr im Körper. Zudem entdeckten die Forscher neutralisierende Antikörper im Blut der Makaken. Diese reagieren auf ein Protein des Coronavirus und verhindern so, dass der Erreger in Zellen eindringt.

Die Ergebnisse deuteten damit darauf hin, dass Affen nach einer Genesung nicht mehr mit dem gleichen Stamm infiziert werden könnten, berichten die Wissenschaftler um Linlin Bao. Allerdings ist der beobachtete Zeitraum relativ kurz. Es lässt sich nicht ausschließen, dass die Immunität nach einigen Monaten oder Jahren wieder nachlässt.

Davon ausgehend stellen die Wissenschaftler Berichte infrage, wonach einzelne Patienten, die als geheilt entlassen wurden, später noch einmal an Covid-19 erkrankten. Dieses Phänomen könne damit zusammenhängen, dass die Tests zwischenzeitlich fälschlicherweise ein negatives Ergebnis zeigten. (Stand: 19.03.2020/CVEI)

Klinischer Test für Impfstoff startet in den USA

Etliche Labore weltweit forschen derzeit an Impfstoffen gegen Covid-19. In den USA hat jetzt erstmals ein Freiwilliger testweise eine mögliche Schutzimpfung gespritzt bekommen. Das sei Teil der ersten Phase des klinischen Tests an einem Forschungsinstitut in der nordwestlichen Metropole Seattle, teilten die zum US-Gesundheitsministerium gehörenden National Institutes of Health (NIH) am Montag mit. 45 gesunde freiwillige Teilnehmer zwischen 18 und 55 sollen in den kommenden Wochen an dem Test teilnehmen.

Der Impfstoff namens "mRNA-1273" wird gemeinsam mit der privaten Biotechnologie-Firma Moderna entwickelt. Die erste Testphase habe in "Rekordzeit" gestartet werden können, sagte Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Der gesamte Prozess der Entwicklung eines Impfstoffes wird Fauci zufolge trotzdem voraussichtlich mindestens ein bis anderthalb Jahre dauern.

Wie lange übersteht das Virus außerhalb des Körpers?

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 hält sich womöglich bis zu drei Tage auf Kunststoff und Edelstahl. In Aerosolen der Luft ist der Erreger hingegen nach etwa drei Stunden meist nicht mehr nachweisbar. Das zeigen Experimente unter anderem des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CDC, die demnächst im Fachmagazin New England Journal of Medicine erscheinen.

Die Virologen wollten mit den Tests ermitteln, welche Oberflächen besonders anfällig sind, das Virus auf neue Kontaktpersonen zu verbreiten. Der Erreger der Covid-19-Pandemie sei in dieser Hinsicht vergleichbar mit dem Erreger der Sars-Epidemie von 2003, genannt Sars-CoV-1. Beide Viren haben demnach ähnliche Halbwertszeiten in Aerosolen, die etwa über Husten oder beim sprechen in die Umgebungsluft gelangen. Auch auf Stahl und dem Kunststoff Polypropylen halten sich beide Erreger ähnlich lange: Bis zu 72 Stunden nach einer Kontamination waren jeweils noch einige Viruspartikel nachweisbar, die im Zellkulturtest auch eine Infektion auslösen konnten. Auf Pappe und anderen Kartonagen übersteht der neuartige Erreger dagegen mit 24 Stunden offenbar deutlich länger als sein Vorläufer, der hier nur maximal auf acht Stunden kommt. Auf Kupfer überstand das neuartige Coronavirus nur etwa vier Stunden.

Die Ergebnisse wirken auf den ersten Blick wie eine schlechte Nachrichten im Hinblick auf die Verbreitung des Coronavirus, da auch in Krankenhäusern viele Oberflächen aus Edelstahl oder Kunststoffen bestehen. Doch viele Faktoren im Versuchsaufbau sind mit der Realität im Klinikalltag nicht vergleichbar. Die meisten Viren waren im Experiment auf verschiedenen Oberflächen bereits nach acht Stunden inaktiv. Ob der Rest ausreicht, um auch einen Menschen zu infizieren, ist ungeklärt.

Zudem handelt es sich nicht um einen Beleg, dass sich das Virus tatsächlich maßgeblich über Oberflächen verbreitet. "Wir wissen derzeit nicht, ob man Covid-19 von kontaminierten Oberflächen oder anderen Gegenständen auflesen kann", sagte die Mikrobiologin Marilyn Roberts von der University of Washington dem Magazin Technology Review.

Die Forscher führen die schnellere Verbreitung im Vergleich zum Sars-Virus von 2003 bislang nur bedingt auf die Umweltbeständigkeit des neuen Erregers zurück. Sondern eher darauf, dass möglicherweise auch infizierte Personen, die keine Symptome zeigen, das Virus verbreiten, ohne es zu ahnen. Auch andere Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder die Stabilität des Virus spielten eine Rolle für seine Ausbreitung, betonen die Virologen. Weitere Experimente seien derzeit im Gange, um diese Fragen zu klären. Von anderen Coronaviren ist bekannt, dass Reinigung und Desinfektion Virenpartikel sehr effektiv beseitigen. (Stand: 12.03.2020/CVEI)

Mehrheit der Infizierten ist männlich

Das Robert-Koch-Institut (RKI) fasst täglich zusammen, was über die Infektionen in Deutschland bekannt ist. Bis zum 10.03. waren 1296 Fälle durch Laborbefunde bestätigt. Von diesen wurden rund 650 an das RKI elektronisch übermittelt und ausgewertet. 54 Prozent der Patienten sind demnach männlich und 46 Prozent weiblich. Unter den 650 ausgewerteten Fällen sind elf Kinder unter fünf Jahren und 14 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren. Mehr als 80 Prozent der Patienten sind zwischen 15 und 49 Jahre alt. Rund zwölf Prozent der Infizierten sind in der Altersgruppe ab 60 Jahren.

Patienten berichteten am häufigsten von Husten (58 Prozent), Fieber (43 Prozent) und Schnupfen (32 Prozent). In zwei Prozent der Fälle kam es zu einer Lungenentzündung (Pneumonie). Darüber hinaus gibt es allgemeine Symptome wie Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Pneumokokken-Impfung schützt die Lunge

Menschen ab 60 Jahren sollen sich gegen Pneumokokken impfen lassen, die Lungenentzündungen auslösen können, so der Rat von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag in Berlin. Hintergrund ist, dass es in Erwartung weiterer Ansteckungen mit dem Coronavirus darum geht, die Komplikationen einer Infektion möglichst abzumildern. Bekanntlich sind Menschen mit chronischen Erkrankungen ("Vorerkrankungen") besonders gefährdet, da ihr Organismus schon belastet ist und ihr Immunsystem beeinträchtigt. Dies gilt besonders für Patienten mit Lungenerkrankungen, denn deren Bronchien und Lungenbläschen sind bereits angegriffen und oftmals verdickt, was den Gasaustausch sowieso schon erschwert. Kommt eine durch das Virus Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenentzündung hinzu, kann diese ebenso kritisch verlaufen wie eine solche Erkrankung bei Menschen mit Asthma, Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder anderen Leiden der Atemwege. Auch für Raucher wäre es jetzt ein passender Zeitpunkt, um mit ihrer Gewohnheit aufzuhören.

Um in Zeiten von Corona solche zusätzlichen Belastungen für die Lunge zu vermeiden, hat Spahn zu der Impfung geraten. Dies wird bereits seit 2006 von der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kleinkinder, Menschen jenseits der 60 und chronisch Kranke empfohlen. Pneumokokken sind Bakterien, die per Tröpfcheninfektion übertragen werden und gelten als häufigster Erreger einer Lungenentzündung. Etwa ein Viertel bis fast die Hälfte dieser Erkrankungen werden durch Pneumokokken ausgelöst.

Zumeist wird die Impfung gut vertragen. Wie für alle Impfungen gilt auch für jene gegen Pneumokokken, dass sie nicht während einer akuten Erkrankung oder einem fiebrigen Infekt gegeben werden sollte. (Stand: 09.03.2020/BART)

Ein Spitz mit dem Coronavirus

Zu den Dingen, die die Öffentlichkeit derzeit stark bewegen, gehört das Schicksal eines Hundes in Hongkong. Der Spitz war nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörde wiederholt "schwach positiv" auf das neue Coronavirus getestet worden. Wissenschaftler hatten mehrere Haustiere von Covid-Patienten untersucht, lediglich in Nase und Schnauze des einen Hundes wurde der Erreger gefunden. Dass der Test im Laufe von fünf Tagen mehrfach anschlug, spricht für eine leichte Infektion des Tiers. Es weist allerdings keine Krankheitsanzeichen auf.

Ob es zu einem späteren Zeitpunkt noch erkranken kann, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Ebenso unklar ist, ob der Hund den Erreger an andere Tiere oder Menschen weitergeben kann. Jonathan Ball, Virologe der University of Nottingham, bezweifelt, dass der Hund das Virus verbreiten kann, da er nur eine sehr geringe Virusmenge aufwies. "Wir müssen mehr herausfinden, aber wir brauchen nicht in Panik zu geraten", sagt er. Daniella Dos Santos, Präsidentin der britischen Veterinärvereinigung, wies darauf hin, dass auch während des Sars-Ausbruchs 2003 einige Katzen und Hunde positiv getestet wurden, ohne dass von ihnen weitere Infektionen ausgingen.

Die Weltorganisation für Tiergesundheit kommentiert: "Es gibt keinen Nachweis, dass Hunde eine Rolle beim Verbreiten der Krankheit spielen, oder krank werden." Infizierten Hundehaltern raten sie als reine Vorsichtsmaßnahme, dem Tier fernzubleiben. Wenn dies nicht möglich ist, sollten sie vor und nach jedem Kontakt ihre Hände waschen und gegebenenfalls eine Gesichtsmaske tragen. Der Spitz in Hongkong befindet sich unterdessen in Quarantäne. (Stand: 06.03.2020/BEU)

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