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Covid-19:Demokraten halten mehr Abstand als Republikaner

Protest against racial inequality in Portland

Maske oder nicht? In den USA häufig eine Frage der Parteizugehörigkeit.

(Foto: CAITLIN OCHS/REUTERS)

Während sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus infizieren, beginnen Wissenschaftler, mehr über den neuen Erreger und seine Auswirkungen zu verstehen. Viele Erkenntnisse sind vorläufig und werden im Laufe der Zeit bestätigt, ergänzt oder korrigiert werden.

Demokraten halten mehr Abstand als Republikaner

In kaum einem Land ist die öffentliche Reaktion auf die Corona-Pandemie so gespalten wie in den USA: Während US-Präsident Donald Trump das Virus zunächst als "gewöhnliche Grippe" bezeichnete und republikanische Gouverneure lange Zeit Maßnahmen zur Eindämmung scheuten, betonen demokratische Politiker eher die Gefahren der Pandemie.

Die Spaltung ist jedoch nicht auf Politik und Medien beschränkt; wie eine Studie im Journal of Public Economics zeigt, reagieren auch die Amerikaner selbst je nach Parteipräferenz unterschiedlich auf das Coronavirus. Im Vergleich zu Republikanern halten Demokraten die Bedrohung durch die Pandemie demnach für größer und reduzieren ihre Kontakte stärker, um Ansteckungen zu vermeiden.

Das Team um Hunt Allcott von der New York University wertete dazu unter anderem Mobilfunkdaten von 45 Millionen Smartphones in den USA aus. Die Aufzeichnungen, die von einer Analysefirma stammen, zeigen, wie häufig öffentliche Orte wie Geschäfte, Restaurants und Kinos zwischen Ende Januar und Anfang Juli besucht wurden.

Die Wissenschaftler verglichen diese Daten mit den Abstimmungsergebnissen bei der Präsidentschaftswahl 2016. In den Bezirken, in denen Donald Trump besonders viele Stimmen erhielt, gingen die Menschen während der Pandemie häufiger in die Öffentlichkeit als in Hochburgen der Demokraten. Zwar sanken Anfang März überall im Land die Besuchszahlen von Geschäften und Restaurants, kurz darauf bildete sich jedoch ein Unterschied zwischen demokratisch und republikanisch geprägten Regionen heraus, der seitdem eher noch größer geworden ist. Während die Besuchszahlen öffentlicher Orte in republikanisch dominierten Regionen Anfang Juli wieder etwa 80 Prozent der Vor-Corona-Zeit erreichten, waren es in Hochburgen der Demokraten rund 60 Prozent.

Die Autoren schränken ein, dass die Demokraten eher in dicht besiedelten, städtischen Regionen stark sind, wo sich das Coronavirus mitunter früher und heftiger verbreitet hatte. Die Unterschiede in den Bewegungsmustern waren jedoch selbst dann ausgeprägt, nachdem die Forscher regional unterschiedliche Verläufe von Covid-19 herausgerechnet hatten sowie andere Einflussfaktoren wie die örtliche Wirtschaftskraft und das Wetter. Eine begleitende Umfrage bestätigte das Bild: Demokraten hielten Social-Distancing-Maßnahmen im Schnitt für wirkungsvoller als Republikaner und gaben häufiger an, ihre Reiseplanung an die Pandemie anzupassen oder Zusammenkünfte zu vermeiden.

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Die Studie bestätigt andere Arbeiten, die bereits Unterschiede nach Parteizugehörigkeit nachgewiesen hatten, etwa beim Tragen von Masken. Mindestens drei Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Medienkonsum dabei eine Rolle spielt. Sind Menschen Berichten ausgesetzt, die das Risiko von Covid-19 herunterspielen, befolgen sie im Schnitt seltener Präventionsmaßnahmen. (Stand: 10.08.2020/cvei)

Kaum Corona-Übertragungen auf Neugeborene

Das Risiko, dass infizierte Schwangere das Coronavirus auf ihr Baby übertragen, ist laut einer Studie aus Südkorea gering. Zudem habe eine Infektion der Mütter kaum einen Einfluss auf die Kindersterblichkeit.

Mediziner des Severance Kinderkrankenhauses der Yonsei Universität in Seoul hatten wissenschaftliche Berichte zu insgesamt 223 schwangeren Frauen mit Covid-19-Diagnose ausgewertet. Innerhalb der Studienzeiträume kamen 201 Neugeborene zur Welt. Nur bei vier Kindern konnte nach der Geburt ebenfalls Sars-CoV-2 nachgewiesen werden. In Proben der Muttermilch, Plazenta, Nabelschnur und Vaginalflüssigkeit fanden sich in keinem Fall Viren.

Zwei der 201 Neugeborenen starben. Zu einem machen die Forscher im Fachmagazin European Review for Medical and Pharmacological Sciences nähere Angaben: Demnach handelte es sich um ein Frühgeborenes, das an Magenblutungen verstarb. Das Kind selbst sei nicht mit dem Coronavirus infiziert gewesen. Allerdings machen die Wissenschaftler aus Seoul darauf aufmerksam, dass Frühgeburten bei Schwangeren mit Coronavirus-Infektion relativ häufig sind. Jedes vierte Kind kam demnach zu früh zur Welt. Dies könne mit der Erkrankung der Mutter und mit damit einhergehendem Stress im Mutterleib zusammenhängen. Auch Kurzatmigkeit wurde bei jedem zehnten Kind beobachtet.

Eine Studie chinesischer Forscher im Fachmagazin Open Forum Infectious Diseases kommt zu ähnlichen Ergebnissen in Bezug auf die Übertragbarkeit von Mutter zu Kind. Bei keiner der 23 untersuchten Frauen mit Covid-19, die ein Kind zur Welt brachten, erfolgte demnach eine Übertragung auf das Neugeborene. Im Vergleich zu nichtschwangeren Frauen hätte Covid-19 bei den Schwangeren häufig auch einen milderen Verlauf genommen.(Stand: 06.08.2020/cvei)

Coronavirus in Italien womöglich weiter verbreitet als vermutet

Das Coronavirus könnte in Italien einer Antikörper-Studie zufolge sechs Mal stärker verbreitet sein als bekannt. Das Gesundheitsministerium und das Statistikamt Istat veröffentlichten diese Woche eine Hochrechnung, nach der knapp 1,5 Millionen Menschen im Land Antikörper gegen das Virus entwickelt haben, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das entspreche etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung. In Italien leben rund 60 Millionen Menschen.

Das Ergebnis der Studie basiert auf Tests vom 15. Mai bis 15. Juli bei 64 660 repräsentativ ausgewählten Menschen. Laut den Daten der US-Universität Johns Hopkins haben sich in Italien bislang nachweislich 248 000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 35 000 Infizierte starben.

Der Studie zufolge gibt es jedoch große regionale Unterschiede, wie Ansa weiter berichtete. In der Lombardei wurden bei 7,5 Prozent der Menschen Antikörper festgestellt, in Süditalien bei weniger als einem Prozent. (Stand: 04.08.2020/dpa/cvei)

  • Was Antikörper verraten

Studie: Menschen können Hunde und Katzen mit Virus anstecken

Haustiere wie Hunde und Katzen können von Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert werden. Diese Annahme von Wissenschaftlern hat jetzt eine Studie italienischer Forscher bestätigt. Sie untersuchten in Norditalien, vor allem in der Lombardei, 540 Hunde und 277 Katzen. Die Tiere lebten in Haushalten mit Corona-Patienten oder in besonders stark von Corona betroffenen Gebieten. 3,4 Prozent der Hunde und 3,9 Prozent der Katzen hatten Antikörper gegen das Virus gebildet.

Die Ergebnisse sind nach den Worten des Präsidenten des Friedrich-Loeffler-Instituts Greifswald, Thomas Mettenleiter, nicht überraschend. "Sie bestätigen, was wir schon wissen", sagte er. "Wir gehen davon aus, dass im Regelfall die Übertragung des Virus vom Menschen auf das Tier erfolgt." Die Studie bestätige die Einschätzung, dass Hunde oder Katzen bisher keine Rolle bei der Verbreitung des Sars-CoV-2-Virus spielen - ausschlaggebend sei die Übertragung von Mensch zu Mensch.

Hunderte Ansteckungen auf Kreuzfahrtschiff gehen auf einzelnen Passagier zurück

Die rund 700 Corona-Ansteckungen auf dem in Japan zeitweise unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiff Diamond Princess sind vermutlich auf einen einzelnen Infizierten zurückzuführen. Das berichten japanische Forscher im Fachjournal PNAS. Sie hatten bei rund 70 Infizierten das Viren-Erbgut entschlüsselt und bei allen Proben ein sehr spezifisches DNA-Merkmal gefunden. Daraus schließen die Forscher, dass diese Infektionen auf einen einzelnen Fall vor Beginn der Quarantäne zurückzuführen sind.

Die japanische Regierung hatte das Kreuzfahrtschiff zwei Wochen bis zum 19. Februar im Hafen der Tokioter Nachbarstadt Yokohama unter Quarantäne gestellt. Anlass dafür hatte ein 80-Jähriger aus Hongkong gegeben, der positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Der Mann war am 20. Januar in Yokohama zugestiegen und fünf Tage später in Hongkong von Bord des Kreuzfahrtschiffes gegangen.

Einige Infektions-Cluster könnten auf Ansteckungen in großen Menschenansammlungen in den Freizeitbereichen zurückgeführt werden, berichtet das Team in der Studie. Demnach traten die meisten Ansteckungen vor dem Verhängen der Quarantäne am 3. Februar auf. Hinzu komme eine direkte Übertragung unter Passagieren, die sich während der Quarantäne Kabinen teilten. Insgesamt bewerten die Wissenschaftler die Quarantäne als Erfolg. So sei eine andere Studie zum Ergebnis gekommen, die Maßnahme hätte mehr als 2000 weitere Infektionen verhindert. (Stand: 29.07.2020/cvei/dpa)

Studie: Jeder fünfte Covid-19-Patient im Krankenhaus verstirbt

Corona-Infizierte mit Vorerkrankungen im hohen Alter sind besonders gefährdet, wenn sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das hat ein Team deutscher Forscher um Christian Karagiannidis von den Kliniken der Stadt Köln in einer in der Fachzeitschrift The Lancet Respiratory Medicine veröffentlichten Studie mit der Analyse von Daten von mehr als 10 000 mit Covid-19 infizierten AOK-Versicherten, die von Ende Februar bis Mitte April in einem deutschen Krankenhaus stationär aufgenommen wurden, bestätigt.

Jeder fünfte Patient im Krankenhaus in der Untersuchung verstarb. Dabei gab es große Unterschiede: Faktoren wie das Alter, Vorerkrankungen und ob eine Beatmung benötigt wurden, hatten einen großen Einfluss auf die Sterblichkeit. Während 16 Prozent der Patienten starben, die nicht beatmet wurden, überlebte nur knapp die Hälfte jener, die eine Beatmung brauchten und erhielten. Von den beatmeten mehr als 80 Jahre alten Patienten überlebten 72 Prozent die Erkrankung nicht.

Das Durchschnittsalter der im Krankenhaus behandelten Patienten lag bei 72 Jahren. Aber auch junge Menschen waren unter den Behandelten: 29 Prozent gehörten der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen an. Deutlich wird auch, dass Männer und Frauen unterschiedlich schwer an Covid-19 erkranken. Während insgesamt das Geschlechterverhältnis der Patienten im Krankenhaus ausgeglichen ist, mussten nur zwölf Prozent der Frauen, aber jedoch rund 22 Prozent der Männer beatmet werden.

Die häufigsten Vorerkrankungen der Erkrankten waren der Studie zufolge Bluthochdruck (56 Prozent aller Patienten), Diabetes (28 Prozent), Herz-Rhythmus-Störungen (27 Prozent), Nierenversagen (23 Prozent), Herzschwäche (20 Prozent), die Lungenkrankheit COPD (14 Prozent) und Fettleibigkeit (sechs Prozent).

Die Forscherinnen und Forscher griffen für die Studie auf Abrechnungsdaten der Krankenkassen zurück, in denen nicht unterschieden wird, ob die Patienten wegen einer Erkrankung mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden oder ob sie zusätzlich zu einer anderen Erkrankung auch mit dem Coronavirus infiziert waren.

WHO: Risiko neuer Corona-Infektionen steigt, wenn es kühler wird

Das Risiko neuer Corona-Infektionen steigt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wenn die Urlaubszeit zu Ende geht und es kühler wird. Das liege daran, dass sich dann wieder mehr Menschen in geschlossenen Räumen statt draußen aufhielten, sagte eine WHO-Sprecherin. Ob und wann es aber in welchen Ländern zu einem neuen Anstieg von Infektionen oder einer zweiten Welle komme, sei nicht vorherzusagen.

"Wir wissen, dass das Virus sich draußen weniger effektiv verbreitet als in geschlossenen Räumen, dass gut gelüftete Räume weniger Risiko bergen als schlecht gelüftete und dass das Abstandhalten ebenfalls eine Rolle spielt", sagte die Sprecherin. "Umweltbedingungen wie Luftfeuchtigkeit, Temperaturen und UV-Strahlung dürften auch eine begrenzte Rolle spielen."

Die tatsächlichen Übertragungsraten hingen aber vom Verhalten der Menschen und den geltenden Schutzmaßnahmen ab. Es könne nötig sein, bereits aufgehobene Maßnahmen vorübergehend erneut zu verhängen. Das Risiko eines Wiederaufflammens der Krankheit bestehe in jedem Land. "Mit der Pandemie umzugehen ist ein Marathon, kein Sprint."

Kohlendioxid-Emissionen in NRW haben deutlich abgenommen

Die als oft "Lockdown" bezeichneten Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Kampf gegen das neue Coronavirus haben in der ersten Hälfte dieses Jahres zu einer deutlichen Reduktion der Kohlenstoffdioxid-Emissionen in Nordrhein-Westfalen geführt - zumindest im Straßenverkehr. Laut einem aktuellen Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln waren im fahrfreudigen Bundesland während der Krise bislang bis zu 60 Prozent weniger Pkws unterwegs als in den Vorjahren. Derzeit beträgt das Minus im Autoverkehr demnach noch immer ein knappes Drittel.

Entsprechend niedriger war im ersten halben Jahr 2020 der Absatz von Benzin- und Dieselkraftstoffen. Die Experten des Instituts haben eine Abnahme der CO2-Emissionen um etwa 7,5 Millionen Tonnen im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 errechnet. Die Untersuchung bestätigt frühere Prognosen, die vermuten, dass der energiebedingte Treibhausgasausstoß durch die Coronakrise weltweit abnimmt. Die Internationale Energiebehörde IEA schätzt die Reduktion auf etwa acht Prozent.

Fachleute warnen jedoch schon seit Monaten davor, die Klimawandelproblematik wegen dieser Zahlen weniger ernst zunehmen. Gerade im Autoverkehr haben die Emissionen in den vergangenen 25 Jahren deutlich zugenommen, ein kurzzeitiger Rückgang bedeutet daher keineswegs automatisch einen Schritt in Richtung Klimaziele. Um die Erderwarmung auf zwei Grad zu beschränken, müssten die Emissionen zum Beispiel über zehn Jahre hinweg im aktuell beobachteten Umfang schrumpfen.

Niklas Höhne vom New Climate Institute in Köln hatte bereits im April, als sich der Rückgang der Emissionen bereit abzeichnete, betont, dass man die Coronakrise sicher nicht als Beispiel für den Klimaschutz sehen könne. "Wir haben die ganze Wirtschaft auf Stopp gesetzt", sagte der Klimaexperte auf einem Pressebriefing. So könne und solle Klimaschutz nicht funktionieren. "Man muss das Leben effizienter machen, neue Technologien einsetzen." Das Wichtige sei, dass die Wirtschaft wieder laufe, sagte Höhne. "Aber wie sie läuft, das ist der Punkt". (Stand: 22.7.2020/zint)

Studie: Gute Ergebnisse nach ersten Corona-Impfstoff-Tests von Moderna

Ein experimenteller Coronavirus-Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna zeigt einer Studie zufolge nach ersten Tests ermutigende Ergebnisse. In der ersten Phase der klinischen Tests hätten die Probanden Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt, erklärte das an der Studie beteiligte Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID). Bei den 45 Teilnehmern im Alter von 18 bis 55 Jahren habe es keine ernsthaften Nebenwirkungen gegeben, hieß es weiter.

Die Probanden, die innerhalb von zwei Monaten zwei Injektionen des Impfstoffs bekamen, entwickelten mehr neutralisierende Antikörper als Personen, bei denen eine Coronavirus-Infektion diagnostiziert worden war, wie es am Dienstag (Ortszeit) weiter hieß. Die beteiligten Forscher stellten die Ergebnisse auch in einer Studie im "New England Journal of Medicine" vor. Der Hersteller Moderna sprach in einer Mitteilung von einer "robusten Immunreaktion", die nun den Weg für wesentlich größere Studien zu Wirksamkeit ebne.

Der Impfstoff mRNA-1273 soll bereits ab Ende Juli an rund 30 000 Probanden getestet werden - in einer sogenannten Studie der Phase 3. In den Tests der ersten Phase werden Impfstoffe immer nur an wenigen Freiwilligen getestet, weil es dabei zunächst vor allem um die Prüfung der Verträglichkeit geht. Nach ersten positiven Ergebnissen wurde die erste Phase auf 120 Probanden erweitert, um auch die Sicherheit des Impfstoffs bei älteren Menschen zu testen. Die Ergebnisse der erweiterten Studie liegen allerdings noch nicht vor.

Wegen des kurzen Studienzeitraums war auch noch nicht klar, ob und wie lange die Antikörper die Probanden tatsächlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen können. Das Blut der Teilnehmer solle daher noch ein Jahr lang regelmäßig auf den Anteil von Antikörpern geprüft werden, hieß es in der Studie.

Bluttests der ersten Corona-Patienten in Deutschland dämpfen Hoffnung auf Impfstoff

Neue Untersuchungen von genesenen Covid-19-Patienten dämpfen die Hoffnung auf eine lang anhaltende Immunität und damit auch auf eine lange Wirksamkeit einer möglichen Impfung. Bluttests der ersten Corona-Patienten in Deutschland, die Ende Januar in einer Münchner Klinik behandelt wurden, zeigten ein deutliches Absinken der Anzahl von sogenannten neutralisierenden Antikörpern im Blut, berichtete Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie in der München Klinik Schwabing.

"Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper in einem sehr speziellen Test, der nur in einem Hochsicherheitslabor erfolgen kann", sagte Wendtner. "Inwieweit dies Auswirkungen für die Langzeitimmunität und die Impfstrategien hat, ist derzeit noch spekulativ, muss aber im weiteren Verlauf kritisch beobachtet werden." Es deute aber darauf hin, dass nach durchgemachter Krankheit eine Neuansteckung möglich sei.

Dies müsse weiter beobachtet werden, sagte Wendtner. Für die Langzeitimmunität sei neben der sogenannten B-Zell-assoziierten über Antikörper gemessenen Immunität auch die sogenannte T-Zell-Immunität relevant. Wenn Patienten neutralisierende Antikörper verlören, könne dies eventuell einen Schutz geben. T-Lymphozyten können virusinfizierte Zellen gezielt abtöten, wenn sie zuvor ihren Gegner einmal kennengelernt haben.

Wendtners Erkenntnisse reihen sich ein in Erfahrungen anderer Wissenschaftler und Studienergebnisse. Chinesische Forscher berichteten im Fachblatt Nature Medicine, dass die Antikörper nach zwei Monaten vor allem bei Patienten mit symptomfreiem Verlauf stark zurückgingen, aber auch bei tatsächlich erkrankten Patienten fielen die Werte deutlich. Patienten mit wenig Symptomen hatten zudem weniger Antikörper und somit eine schwächere Immunantwort entwickelt.

(Stand: 12.07.2020)

EMA erlaubt Einsatz von Corona-Mittel Remdesivir in Europa

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA erlaubt den Einsatz des Medikaments Remdesivir. Damit können bestimmte Covid-19-Patienten unter Auflagen mit dem Medikament behandelt werden. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA empfahl eine bedingte Zulassung der Arznei zur Behandlung von erwachsenen Patienten und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit Lungenentzündung, die zusätzlichen Sauerstoff benötigen, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Ärzte können das Medikament, das den Markennamen Veklury erhalten soll, in Europa verschreiben, sobald es von der Europäischen Kommission genehmigt wurde. Diese folgt normalerweise den CHMP-Empfehlungen.

Remdesivir wird als großer Hoffnungsträger in der Behandlung von Covid-19-Patienten angesehen und ist bereits in einigen Ländern, darunter den USA, in Notfällen zur Behandlung zugelassen. Sein Hersteller, der US-Biotechkonzern Gilead ist dadurch verstärkt in den Fokus gerückt.

WHO: Studienergebnisse zu Covid-19-Medikament "Durchbruch"

Die Weltgesundheitsorganisation hat die vorläufigen Ergebnisse einer britischen Studie zu einem Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 als Durchbruch begrüßt. Bei dem Entzündungshemmer Dexamethason handle es sich um das erste Mittel, das die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten verringere, die auf Sauerstoff oder Beatmungsgeräte angewiesen seien, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

"Das sind großartige Neuigkeiten", sagte er zu der Studie, die die Universität Oxford an britischen Krankenhäusern durchgeführt hatte. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock bezeichnet die Erfolge als "brillante Neuigkeiten". "Es ist eine der besten Nachrichten, die wir in dieser ganzen Krise erhalten haben," sagt Hancock dem Sender Sky News.

Die vorläufigen Ergebnisse der noch unveröffentlichten klinischen Studie weisen darauf hin, dass Dexamethason die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken könnte. Bei Patienten, die künstlich beatmet wurden und das Medikament bekamen, sank die Sterberate um ein Drittel, wie die federführenden Wissenschaftler von der Universität Oxford berichteten. Die Ergebnisse der "Recovery"-Studie sind aber bisher nicht von anderen Experten begutachtet worden.

Dagegen hat die WHO ihre Studien zum Malaria-Medikament Hydroxychloroquin bei Covid-19-Erkrankten jetzt endgültig eingestellt. Das Mittel habe die Sterblichkeit von schwer erkrankten Patienten nicht reduziert, begründete die Weltgesundheitsorganisation den Schritt unter Berufung auf Testergebnisse. Hydroxychloroquin war Bestandteil einer von der WHO koordinierten Forschungsreihe mit mehr als 3500 Patienten in 35 Ländern. Dabei wird untersucht, ob verschiedene schon vorhandene Medikamente etwa gegen Malaria, HIV, Ebola und Multiple Sklerose einen Effekt gegen Covid-19 haben.

Nach einem Bericht in der Fachzeitschrift The Lancet, dass Hydroxychloroquin womöglich die Todesrate erhöhen könnte, waren die Versuche Ende Mai vorübergehend ausgesetzt worden. Später zog das Journal die Studie zurück, die WHO erlaubte Anfang Juni eine Fortsetzung der Tests.

In den USA hatte die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) am Montag ihre Ausnahmegenehmigung für Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19-Patienten widerrufen. Es sei angesichts der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse "unwahrscheinlich", dass Hydroxychloroquin bei der Behandlung der Lungenerkrankung wirksam sei, hieß es. Das Mittel war von US-Präsident Donald Trump immer wieder als "Game Changer" angepriesen worden. Die USA haben in der Folge mehr als 60 Millionen Dosen des Mittels eingelagert.

© Sz.de/dpa/beu/hach/zint/cvei/tba/bix/mcs/smh/cat

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