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Covid-19:Sterbefallzahlen in Deutschland steigen an

Coronavirus - Todesfälle im Altenheim

Ein Sarg wird vom Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg abtransportiert. In dem Altenheim in Wolfsburg ging alles ganz schnell: keine typischen Corona-Symptome und ein deutlich verkürzter Sterbeprozess. So beschrieb die betreibende Diakonie den Ausbruch des Virus in dem Heim.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Das zeigt eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes zu den ersten Sterbedaten des Jahres 2020.

Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes sterben seit der letzten Märzwoche mehr Menschen in Deutschland als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. "Da die Grippewelle 2020 seit Mitte März als beendet gilt, ist es naheliegend, dass diese vergleichsweise hohen Werte in einem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen", schreibt das Amt in einer Mitteilung. Normalerweise gingen die Sterbefallzahlen zu dieser Jahreszeit tendenziell zurück. Im gesamten Monat März gab es in Deutschland mindestens 85 900 Sterbefälle.

In vielen Ländern mit früherem und heftigerem Ausbruchsgeschehen als Deutschland lag die Sterberate in der zweiten März- und der ersten Aprilhälfte weit über den statistisch zu erwartenden Werten. Erst Anfang der Woche hatte das European Mortality Monitoring (Euromomo) Zahlen vorgelegt, nach denen in 20 europäischen Ländern in diesem Jahr während der Coronapandemie bereits weit mehr Menschen verstarben als im Vergleichszeitraum der Vorjahre.

Die Euromomo-Zahlen deuten sogar an, dass weit mehr Menschen verstarben als aus den offiziellen Coronasterbestatistiken hervorgeht. Ein großer Teil davon lässt sich mit wahrscheinlich undiagnostizierten Coronainfektionen erklären. Andere Menschen wurden womöglich indirekt zu Virusopfern, weil sie in überlasteten Krankenhäusern nicht mehr die notwendige Hilfe bekommen konnten.

Die sogenannte Übersterblichkeit gilt als besonders verlässlicher Indikator für die Dramatik eines Krankheitsgeschehens. Deutschland kam im Vergleich zu anderen Ländernbislang mit halbwegs geringen Sterblichkeitszahlen durch den Ausbruch. Als das Virus im Februar massiv ins Land kam, waren zunächst vor allem jüngere Menschen betroffen, die seltener durch das Virus sterben. Es brauchte einige Wochen, bis der Erreger auch in ältere Bevölkerungsgruppen vordrang.

Dieser Verzögerungseffekt dürfte sich allmählich in den Sterbezahlen für April niederschlagen. Laut Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) erreichte die Zahl der täglich gemeldeten Covid-Toten in Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt Mitte April. Am Donnerstagvormittag sagte RKI-Präsident Lothar Wieler während einer Pressekonferenz: "Wir sehen, dass die Übersterblichkeit steigt, nicht in einem hohen Maße, aber sie steigt." Konkrete Zahlen nannte er da noch nicht. Er gehe aber davon aus, dass mehr Menschen durch das Virus gestorben sind als bislang gemeldet.

© SZ.de/hach/chen
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